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Steuer-1x1 Steuerschulden: Wie Sie die Zahlung aufschieben

Wenn Steuernachzahlungen drohen und finanzielle Rücklagen fehlen, muss zügig eine Lösung her. Handwerksunternehmer haben verschiedene Möglichkeiten, wie sie schnell aus der Zahlungsmisere kommen – ob Fristverlängerung, Stundung oder Darlehen. Dieser Überblick klärt auf.

Steuerschulden bei finanziellen Schwierigkeiten

Es empfehlen sich verschiedene Vorgehensweisen, um eine Vollstreckung des Finanzamts zu vermeiden. Insbesondere folgende Schritte sollte ein selbständiger Handwerker unternehmen, wenn absehbar ist, dass für (drohende) Steuernachzahlungen das nötige Kleingeld fehlt:

  • Hinauszögern von Steuerbescheiden mit Nachzahlungen,
  • Aufnahme eines Darlehens bei der Bank ,
  • Geld leihen von Verwandten ,
  • Antrag auf Stundung der Steuerzahlungen beim Finanzamt,
  • Antrag auf Ratenzahlung beim Finanzamt,
  • gezielte Steuerspar-Strategien, die zusammen mit dem Steuerberater ausgearbeitet werden,
  • Aufnahme eines Partners in den Handwerksbetrieb, mit dessen Zahlung die Steuerschulden beglichen werden können.

Praxis-Tipp: Ist schon heute absehbar, dass Steuerzahlungen auf Ihr Handwerksunternehmen zukommen werden, für die Sie nicht genügend finanzielle Rücklagen haben, sollten Sie frühzeitig reagieren. Denn werden Sie nicht frühzeitig aktiv, droht Ärger mit dem Finanzamt bis hin zu kostspieligen Säumniszuschlägen und Vollstreckungsmaßnahmen.

Hinauszögern von Steuerbescheiden mit Nachzahlungen

1. Antrag auf Fristverlängerung

Ist das vergangene Geschäftsjahr besser gelaufen als erwartet und es drohen Steuernachzahlungen, für die kein Geld vorhanden ist, sollten Sie beim Finanzamt eine Fristverlängerung zur Abgabe der Einkommensteuer- bzw. Körperschaftsteuererklärung beantragen. Eine Fristverlängerung bis 30. September des Folgejahres ist unproblematisch zu erreichen.

Wer bis zum 31. Dezember des Folgejahres keine Steuererklärung beim Finanzamt einreicht und so die frühzeitige Entstehung von Steuernachzahlungen vermeiden möchte, sollte sich steuerliche beraten lassen und dem Finanzamt eine Empfangsvollmacht für den Steuerberater zusenden lassen. Mit dieser Info, dass der Berater sich um den Jahresabschluss und die Steuererklärungen kümmert, gibt es meist automatisch eine Fristverlängerung für die Abgabe der Steuererklärung bis Ende des Folgejahres.

Praxis-Tipp: Die Beauftragung eines Steuerberaters für die Steuererklärungen ist jedoch leider keine Garantie für die automatische Fristverlängerung. Orientiert sich das Finanzamt an den gestiegenen Umsätzen und leitet daraus ab, dass Steuernachzahlungen zu erwarten sind, wird es die Steuererklärung vorab anfordern.

2. Hinauszögerung von Änderungsbescheiden nach Außenprüfung

Ist das Ende eine Umsatzsteuer-, Lohnsteuer- oder Betriebsprüfung absehbar und es drohen hohe Steuernachzahlungen, kann die Fälligkeit dieser Zahlungen gezielt verzögert werden. Das schaffen Sie mit folgender Vorgehensweise:

  • Bitten Sie während der Prüfung ausnahmsweise um eine Fristverlängerung zur Vorlage von angeforderten Steuerunterlagen wegen Arbeitsüberlastung von zwei bis vier Wochen.
  • Nach Vorlage der Unterlagen sollten Sie vor der offiziellen Beendigung der Betriebsprüfung um eine Schlussbesprechung bitten.
  • Für die Vorbereitung zur Schlussbesprechung sollte um eine Vorbereitungszeit von mindestens zwei Wochen gebeten werden.
  • Im Rahmen der Schlussbesprechung sollten Sie um eine Einwendungsfrist von zwei bis vier Wochen für den Prüfungsbericht bitten.
  • Ergeht der Änderungsbescheid nach Ablauf der Einwendungsfrist, müssen Sie die Steuerschuld innerhalb eines Monats begleichen.

Praxis-Tipp: Durch diese gezielte Verzögerungstaktik können Sie die Fälligkeit von Steuernachzahlungen meist um zwei bis vier Monate nach hinten schieben. Eine wichtige Zeit, um sich über die Finanzierung der anstehenden Steuerzahlungen Gedanken zu machen bzw. um finanzielle Rücklagen zu bilden.

Beachten Sie jedoch, dass gezielte Verzögerungen der Bezahlung zur Festsetzung von Nachzahlungszinsen von 0,5 Prozent pro Monat führen können. Zinsen fallen erstmals ab dem 15. Monat nach Ende des Steuerjahrs an.
Konkret:
Steuerjahr 2016 = Beginn der Verzinsung am 1. April 2018.

Darlehensaufnahme bei der Bank

Drohen Steuernachzahlungen oder liegt bereits ein Nachzahlungsbescheid des Finanzamts auf dem Tisch, klären Sie mit Ihrer Bank ab, ob und zu welchen Konditionen Ihnen ein Darlehen eingeräumt wird, um die Schulden beim Finanzamt zu bezahlen.

Handelt es sich bei den Steuernachzahlungen um nicht als Betriebsausgaben abziehbare Steuern (Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag, Gewerbesteuer ab 2008), teilen Schuldzinsen für Darlehen das Schicksal der Steuern.

Das bedeutet im Klartext: Diese Zinsen sind ebenfalls nicht als Betriebsausgaben abziehbar.

Praxis-Tipp: Sind die Zinsen, die Ihnen die Bank veranschlagt werden, viel zu hoch – was meistens der Fall sein wird bei fehlenden Sicherheiten – hat dies dennoch etwas Positives. Sie können diese Zinsen bei einem künftigen Darlehen mit Verwandten vereinbaren. Diese Zinskonditionen entsprechen schließlich dem Fremdvergleichsgrundsatz.

Darlehensaufnahme bei Verwandten

Soll das Geld für Darlehenszinsen in der Familie bleiben und fehlen Ihnen Sicheheiten, sollten Darlehen innerhalb der Familie vereinbart werden. Als Konditionen erkennt das Finanzamt bankübliche Zinsen an.

Deshalb gilt: Selbst wer nicht vorhat, sich Geld bei der Bank auszuleihen, sondern bei Verwandten, sollten sich ein schriftliches Darlehensangebot von seiner Bank unterbreiten lassen. Dieses Darlehensangebot bewahren Sie bei Ihnen Steuerunterlagen als Nachweis für die Fremdüblichkeit auf.

Praxis-Tipp:  Bisher verweigerten die Finanzämter bei Verwandten, die ein Darlehen gewähren, die Besteuerung der  Zinsen mit der günstigen Abgeltungsteuer, weil es sich um nahestehende Personen handelt. Doch der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil klargestellt, dass das nicht korrekt ist (BFH, Urteile v. 29.4.2014, Az. VIII R 9/13, Az. VIII R 44/23 und Az. VIII R 35/13), wenn der Darlehensnehmer wirtschaftlich nicht vom Darlehensgeber abhängig ist, sprich auch von der Bank ein Darlehen bekommen hätte. Das bringt Steuersparpotential für Handwerker mit hohem Steuersatz, die die Schuldzinsen für ein Ehegatten-Darlehen als Betriebsausgaben abziehen dürfen (z.B. Bei Darlehen für fällige Lohnsteuer- oder Umsatzsteuerzahlungen).

Beispiel: Ehegatten werden zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Ihr persönlicher Einkommensteuersatz liegt bei 42 Prozent. Der Ehemann gewährt seiner Ehefrau (Inhaberin Malerei) ein Darlehen, mit dem sie Umsatzsteuerschulden begleicht. Sie hätte auch bei der Bank ein Darlehen bekommen. Die Schuldzinsen in Höhe von 10.000 Euro macht die Ehefrau als Betriebsausgaben bei ihren gewerblichen Einkünften geltend.

  Steuerbelastung mit persönlichem Steuersatz Abgeltungsteuer (BFH-Rechtsprechung)
Zinseinnahmen 8.398 Euro (10.000 Euro abzgl. 1.602 Euro Sparerpauschbetrag) 8.398 Euro
Steuererhöhung durch Zinseneinnahmen 4.003,30 Euro (42% ESt, 5,5% SoliZ, 8% KiSt) 2.382,93 Euro (Abgeltungsteuer 25%, 5,5% Soli, 8% KiSt)
Abziehbare Betriebsausgaben für Zinsen -10.000 Euro -10.000 Euro
Steuerminderung durch Werbungskostenabzug -4.767 Euro -4.767 Euro
Steuerentlastung durch Darlehensverhältnis -763,70 Euro -2.384,07 Euro

Fazit: Eheleute, die sich gegenseitig Darlehen gewähren, können nach den BFH-Urteilen bei Anwendung der Abgeltungsteuer also deutlich mehr Steuern sparen als bei Besteuerung der Zinsen mit dem persönlichen Einkommensteuersatz.

Antrag auf Steuerstundung beim Finanzamt

Die Finanzbehörden können Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis ganz oder teilweise stunden, wenn die Einziehung bei Fälligkeit eine erhebliche Härte für den Schuldner bedeuten würde und der Anspruch durch die Stundung nicht gefährdet erscheint. Die Stundung soll in der Regel nur auf Antrag und gegen Sicherheitsleistung gewährt werden (§ 222 Abgabenordnung).

Praxis-Tipp: Eine Stundung der fälligen Steuern kann nicht für Umsatzsteuer und Lohnsteuer gewährt werden. Denn diese Steuern werden von Ihnen nur treuhänderisch verwaltet und müssen direkt abgeführt werden.

Eine Steuerstundung ist jedoch nicht kostenlos. Das Finanzamt verlangt Stundungszinsen von 0,5 Prozent für jeden angefangenen Monat, an dem die Zahlung der Steuerschuld unterbleibt. Wer auf Zahlungsaufforderung des Finanzamts einfach nicht reagiert, riskiert Säumniszuschläge von 1 Prozent pro Monat. Es lohnt sich also auf jeden Fall, einen Stundungsantrag beim Finanzamt zu stellen.

Liegen die Voraussetzungen für eine Steuerstundung nicht vor, kann mit der Finanzkasse eine Ratenzahlung der ausstehenden Steuerzahlungen vereinbart werden. Hier gelten fast dieselben Regeln wie bei einer Stundung, also 0,5 Prozent Zinsen pro rückständigen Monat.

Gezielte Steuerstrategien gegen drohende Steuernachzahlungen

Drohen Steuernachzahlungen für das Vorjahr, sollte ein Steuerberater eingeschaltet werden. Dieser kann Ihnen gezielte Steuerstrategien vorschlagen, mit denen sich Ihr Gewinn für das Finanzamt legal kleinrechnen lässt. Damit minimiert sich dann natürlich auch die Steuernachzahlung.

Den gesamten Text können Sie als Merkblatt hier herunterladen.>>>

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