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Verhaltensknigge nach Abschluss der Prüfung Steuerprüfung: Wie Sie Nachzahlungen vermeiden

Hat der Betriebsprüfer seine Prüfungshandlungen beendet, steht die letzte Phase an, in der Sie aktiv mitarbeiten sollten: das Verhindern von Nachzahlungen. Wer in dieser entscheidenden Phase clever taktiert, kann viel Geld sparen. Eine Anleitung.

1. Betriebsprüfer muss Farbe bekennen

Signalisiert der Betriebsprüfer, dass er seine Prüfungshandlungen beendet, sollten Betriebsinhaber ihn darum bitten, seine Feststellungen schriftlich, mit gesetzlichen Fundstellen und den steuerlichen Konsequenzen mitzuteilen. Nur so können sich Unternehmen und Steuerberater gezielt Argumente überlegen, um zumindest einen Teil der Steuernachzahlungen zu vermeiden. Bitten Sie den Prüfer um ausreichend Zeit, um sich mit den schriftlichen Feststellungen auseinandersetzen zu können.

Praxis-Tipp: Die Schriftform der Feststellungen hat einen weiteren Zweck. Muss der Betriebsprüfer zu seinen Feststellungen schwarz auf weiß Stellung nehmen, dürfte er von willkürlichen Schätzungen Abstand nehmen. Nicht selten drohen Betriebsprüfer nämlich mündlich mit hohen Steuernachzahlungen, die bei genauerer Betrachtung eigentlich nicht haltbar sind.

2. Argumente und Gegenargumente sammeln

Nachdem der Betriebsprüfer seine Feststellungen schriftlich mitgeteilt hat, sollten sich der Unternehmer und sein Steuerberater zusammensetzen und überlegen, wo es Sinn macht, Gegenwehr zu zeigen. Hierbei sollten folgende Überlegungen eine Rolle spielen:

  • Können dem Betriebsprüfer noch entlastende Nachweise (Belege, Verträge, Stellungnahmen) vorgelegt werden?
  • Ist die Feststellung des Prüfers schlichtweg falsch?
  • Ist es sinnvoll, bei Schätzungen des Prüfers einen Kompromiss auszuhandeln?
  • Sollte eine Feststellung mit geringfügiger steuerlicher Auswirkung besser anerkannt werden, bevor der Prüfer weitere Nachforschungen vornimmt und dabei vielleicht weitere Steuernachzahlungen festsetzt.

Eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung, wie man den Feststellungen des Prüfers begegnen sollte, spielen die Erfahrung und das Fingerspitzengefühl des Steuerberaters. Deshalb sollten Unternehmer das letzte Gespräch mit dem Betriebsprüfer nur im Beisein ihres Steuerberaters führen.

3. Auf offizielle Schlussbesprechung pochen

Grundsätzlich gibt es zwei Arten, die Betriebsprüfung offiziell zu beenden. Entweder Prüfer, Steuerberater und Unternehmer setzen sich an einen Tisch und suchen einen Kompromiss oder es findet eine offizielle Schlussbesprechung statt. Bei einer Schlussbesprechung muss der Prüfer des Finanzamts seinen Vorgesetzen mitbringen.

Die Schlussbesprechung macht immer dann Sinn, wenn der Betriebsprüfer auf stur schaltet und jeglichen Kompromissversuch abblockt. Oftmals sind die Vorgesetzen des Prüfers sachlicher und zielgerichteter und wollen eine Einigung ohne langwieriges Einspruchsverfahren erzielen.

Praxis-Tipp: Auch wenn es Ihnen schwer fällt. Lassen Sie den Prüfer des Finanzamts vor seinem Vorgesetzten stets "gut" aussehen. Ihn vor seinem Vorgesetzten wegen eines Fehlverhaltens anzuschwärzen oder als schlechten Prüfer hinzustellen, kann schnell ins Gegenteil umschwenken und dazu führen, dass sowohl der Prüfer als auch sein Vorgesetzter auf stur schalten.

4. Die Schlussbesprechung

Schritt 1: Einspruchsverfahren androhen

Ist ein Betriebsinhaber mit einer Feststellung des Prüfers ganz und gar nicht einverstanden, sollte er während der Schlussbesprechung signalisieren, dass er hier auf jeden Fall von seinem Einspruchsrecht Gebrauch machen wird, sollte kein Kompromiss erzielt werden.

Da Betriebsprüfer ihre Prüfungen innerhalb einer bestimmten Zeit abschließen sollen und intern in der Finanzbehörde einem Statistikdruck unterliegen, werden sie Einspruchsverfahren immer zu vermeiden versuchen. Die Androhung, bei fragwürdigen Feststellungen einen Einspruch einzulegen, führt also meist zu einem positiven (Kompromiss) Ergebnis für den Unternehmer.

Schritt 2: Schauspielkunst

Das Miteinander des Unternehmers mit dem Steuerberater kann in der Schlussbesprechung entscheidend sein. Beide sollten vorher abstimmen, wie sie vorgehen sollten.

Eine beliebte Strategie: Unternehmer und Steuerberater stecken ab, wo die Schmerzgrenze für einen Kompromissvorschlag liegt. Der Unternehmer schaltet dann absolut auf stur und wehrt sich vehement unter Androhung eines Einspruchs gegen die Feststellungen des Prüfers. Der Steuerberater stellt sich auf die Seite des Prüfers und gibt vor, dessen Feststellungen im Prinzip zu verstehen. Aus dieser Situation schlägt der Berater den vorher mit dem Unternehmer abgesprochenen Kompromiss vor. Da sich der Prüfer nun unterstützt sieht, wird er möglicherweise zur Vermeidung des Einspruchsverfahrens einlenken und dem Kompromiss zustimmen.

Praxis-Tipp: Diese Vorgehensweise werden Sie in der Schlussbesprechung auch beim Miteinander zwischen dem Prüfer und dessen Vorgesetzten erkennen. Auch diese beiden "schauspielern", um für die Finanzverwaltung ein möglichst positives Ergebnis erzielen zu können.

Schritt 3: Tatsächliche Verständigung beantragen

Sollten die Feststellungen aus Auswertungen interner betriebswirtschaftlicher und steuerlicher Daten stammen und schätzt der Prüfer deshalb Beträge zum Umsatz und Gewinn hinzu, sollte ein Antrag auf eine tatsächliche Verständigung gestellt werden. Bei der tatsächlichen Verständigung erreichen Sie, dass die steuerliche Behandlung eines Sachverhalts auch für die Jahre nach der Betriebsprüfung in Form des erzielten Kompromisses behandelt wird. Das führt zu Rechtssicherheit. Ohne tatsächliche Verständigung könnte ein neuer Prüfer einige Jahre später den Sachverhalt erneut aufgreifen und aufgrund einer neuen Schätzmethode noch mehr Steuern nachfordern.

Bei einer tatsächlichen Verständigung  müssen alle für den Steuerfall zeichnungsberechtigten Finanzbeamten und alle Entscheidungsträger an einen Tisch, eine Vereinbarung treffen und unterzeichnen. An diese tatsächliche Verständigung sind dann alle Betroffenen für die vereinbarte Gültigkeitsdauer gebunden.

Praxis-Tipp: Die tatsächliche Verständigung bietet sich an, wenn die Betriebsprüfung der Jahre 2014 bis 2016 im Jahr 2019 beendet wird und Zuschätzungen wegen Buchführungsmängeln auch für die Jahre 2017 bis 2018 vorhanden sind. Besser ist es, sich jetzt mit dem Prüfer auf feste Zuschätzungen zu einigen, bevor der Fall vielleicht Jahre später neu aufgerollt wird und zu noch höheren Zuschätzungen führt.

5. Einspruch gegen Steuerbescheid nach Prüfung

Bekommen Sie die geänderten Steuerbescheide wegen der Prüfungsfeststellungen, können Sie sich mit einem Einspruch wehren und die Rechtsbehelfsstelle über strittige Feststellungen entscheiden lassen.

Selbst wenn Sie ihm Rahmen einer Schlussbesprechung einem Kompromisszuschlag zugestimmt haben, dürfen Sie gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen. Sie sind an den Kompromiss nicht gebunden. Nur wenn sie eine tatsächliche Verständigung unterzeichnet haben, können Sie sich nicht mehr gegen die Steuernachzahlungen aus dieser Verständigung wehren.

Praxis-Tipp: Legen Sie Einspruch gegen einen Kompromissvorschlag ein, sollten Sie bedenken, dass man sich immer zweimal im Leben sieht. Bei einer Anschlussprüfung wird das Finanzamt sicherlich deutlich kleinlicher prüfen und sicherlich keine Kompromisse mehr eingehen.

Dieser Beitrag wurde am 28. November 2018 aktualisiert.

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