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Teure Stolperfallen im Steuerrecht Steuern: Falsche Angaben können teuer werden

Nimmt es der Steuerzahler mit den Angaben in Sachen Steuer nicht ganz so ernst, kann das teuer und zeitaufwändig werden. Hier zwei aktuelle Stolperfallen im Steuerrecht, in die Sie besser nicht tappen sollten.

Steuervorauszahlungen: Ehrlichkeit ein Muss

In einem aktuellen Schreiben des Bundesfinanzministeriums befassen sich mehrere Passagen mit bewusst unrichtigen Angaben zur Höhe der Vorauszahlungen zur Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer. Werden die Steuervorauszahlungen nämlich zu niedrig festgesetzt, weil der Steuerzahler bewusst falsche Angaben macht, handelt es sich hierbei um eine Steuerhinterziehung (BMF, Schreiben vom 31. Januar 2019, Az. IV A 3 - S 0062/18/10005; ab Seite 33). Und Steuerhinterziehung bedeutet nicht nur die Erhebung von 0,5-prozentigen Hinterziehungszinsen pro Monat, sondern schlimmstenfalls auch die Meldung zur Bußgeld- und Strafsachenstelle.

Praxis-Tipp: Möchten Sie die Herabsetzung der laufenden Einkommen- bzw. Körperschaftsteuervorauszahlungen beim Finanzamt beantragen, sollten Sie eine realistische Kalkulation des zu versteuernden Einkommens vornehmen und dabei alle zum Zeitpunkt der Antragstellung bekannten Infos verarbeiten. Diese schriftliche Ermittlung des voraussichtlich zu versteuernden Einkommens mit Hinweis zum Datum der Ermittlung, sollte dem Finanzamt vorgelegt werden. Ändern sich die Vorzeichen und Sie merken, dass die Vorauszahlungen zu niedrig sind, sollten Sie das umgehend beim Finanzamt anzeigen und um eine Anpassung der Vorauszahlungen nach oben bitten.

Ist-Versteuerung: Umsatzgrenze im Gründungsjahr

Normalerweise wird die Umsatzsteuer auf ausgeführte Lieferungen und Leistungen nach dem Sollprinzip fällig. Das bedeutet: Sobald eine Lieferung erfolgt ist oder eine Leistung erbracht wird, muss Umsatzsteuer ans Finanzamt abgeführt werden. Wann der Kunde bezahlt, spielt keine Rolle. Für Unternehmer mit einem Vorjahresumsatz von nicht mehr als 500.000 Euro gibt es auf Antrag eine Ausnahme. Sie profitieren von der Ist-Versteuerung. Hier wird die Umsatzsteuer erst fällig, wenn der Kunde seine Rechnung begleicht.

Im Gründungsjahr gibt es eine Ausnahme. Das Finanzamt gewährt die Ist-Versteuerung nur, wenn der aufs Jahr hochgerechnete Umsatz voraussichtlich nicht mehr als 500.000 Euro beträgt. Konkret: Startet ein selbständiger Handwerker mit seinem Handwerksbetrieb im Mai 2019 und teilt dem Finanzamt mit, dass er in den Monaten Mai bis Dezember voraussichtlich 200.000 Euro kalkuliert, ist die Ist-Versteuerung für 2019 zulässig, weil der auf zwölf Monate hochgerechnete Umsatz 300.000 Euro (200.000 Euro / neun Monate x zwölf Monate) beträgt und damit unter 500.000 Euro liegt.

Praxis-Tipp: Wer hier bewusst falsche Angaben zur voraussichtlichen Höhe des Umsatzes macht und das Finanzamt erfährt davon, kann das bei Überschreitung der 500.000-Euro-Grenze dazu führen, dass die einmal zugesagte Ist-Versteuerung wieder gekippt wird. Und das rückwirkend (FG München, Urteil vom 25. Oktober 2018, Az. 14 K 2379/16). Hier müssen rückwirkend alle Lieferungen und Leistungen der Vergangenheit unter die Lupe genommen und zeitlich berichtigt werden. Das ist zum einen sehr zeitaufwändig und zum anderen kann es Nachzahlungszinsen auslösen.

Fazit: Auch wenn das Thema Steuern oftmals nervt, sollten zur Vermeidung von Sanktionen immer wahrheitsgemäße Angaben gemacht werden. Denn selbst wenn sich aus unwahren Angaben keine Nachzahlungen und kein Strafverfahren ergeben, kann dieses Verhalten Nachteile bringen. Etwa die Anordnung einer Prüfung des Handwerksbetriebs.

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