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Steuertipp Steueranrechnung für Handwerkerleistungen: Ohrfeige für Finanzämter

Es ist schon komisch, wie willkürlich und kreativ manche Sachbearbeiter in den Finanzämtern werden, wenn es um die Ablehnung der Steueranrechnung für Handwerkeleistungen geht. So auch bei einem steuerzahlerfreundlichen Urteil des Finanzgerichts Sachsen, bei dem die Richter alle Argumente des Finanzamts zur Verweigerung des Handwerkerbonus abschmetterten.

Wenn es um die Steueranrechnung für Handwerkerleistungen geht, werden manche Sachbearbeiter in den Finanzämtern schon sehr kreativ. In dem Urteilsfall vor dem Finanzgericht Sachsen muss ein Eigenheimbesitzer für den Anschluss an die Wasserversorgung einen Baukostenzuschuss für die Handwerkerarbeiten leisten. Das Finanzamt lehnte die Steueranrechnung mit einigen – sehr fragwürdigen Argumenten – ab.

Finanzgericht widerlegt Argumente des Finanzamts

Entgegen der Auffassung des Finanzamts gewährte das F inanzgericht Sachsen dem Eigenheimbesitzer diese Steueranrechnung für Handwerkerleistungen in Höhe von 20 Prozent (maximal 1.200 Euro) und hebelte damit jedes Argument des Finanzamts aus (FG Sachsen, Urteil v. 12.11.2015, Az. 8 K 194/15).

Argument des Finanzsamts Reaktion der Richter
Begünstigt sind nur die Aufwendungen auf dem Grundstück und nicht die Ausgaben auf öffentlichen Grundstücken. Hier liegt ein funktionaler Zusammenhang mit dem Privathaushalt vor, so dass die gesamten Handwerkerleistungen begünstigt sind.
Die Steueranrechnung dient dazu, Steuerhinterziehung zu vermeiden. Deshalb scheidet die Steueranrechnung aus, wenn die Rechnung von einem Kleinunternehmer oder durch die öffentliche Hand kommt. Für die Steueranrechnung reicht es aus, wenn in der Rechnung über nachweislich erbrachte Handwerkerleistungen abgerechnet wird.
Die Gemeinde erhielt einen staatlichen Zuschuss für die Kosten zum Anschluss ans Abwasserentsorgungsnetz. Sie Steueranrechnung ist nur dann ausgeschlossen, wenn der Eigenheimbesitzer für seine Zahlungen eine staatliche Förderung in Anspruch nimmt (z.B. KfW-Darlehen).

Steuertipp

In vergleichbaren Fällen müssen Eigenheimbesitzer möglicherweise damit rechnen, dass die Finanzämter die Steueranrechnung weiterhin verweigern. Denn das unterlegene Finanzamt hat zu diesem Urteil die Revision beim Bundesfinanzhof beantragt (BFH, Az. VI R 18/16). Hier helfen also vorerst nur ein Einspruch und ein Antrag auf Ruhen des Einspruchsverfahrens.

 

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