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Interview mit Harald Uphoff vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) "Steuer auf Kohlendioxid senkt die EEG-Umlage"

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) fordert eine neue Steuer, um den Klimawandel zu stoppen. Was steckt dahinter?

DHZ: Herr Uphoff, der Bundesverband Erneuerbare Energie schlägt eine CO2-Steuer auf Strom vor. Energieintensive Handwerksbetriebe wie Bäckereien fürchten aber um ihre Existenz, sollten die Strompreise weiter steigen. Wie wollen Sie für die neue Steuer bei den Verbrauchern werben?

Uphoff: Fakt ist: Wir wollen keine zusätzlichen Steuereinnahmen, sondern die Stromsteuer aufkommensneutral in eine CO2-Steuer umwandeln. Unterm Strich würde das den Mittelstand sogar entlasten, da in Folge einer CO2-Besteuerung die EEG-Umlage sinkt. Wenn CO2 einen angemessenen Preis bekommt, der die Schäden an Klima, Umwelt und unserer Gesundheit einpreist, fallen die Differenzkosten zu den erneuerbaren Energien deutlich. Im Falle einer CO2-Steuer in Höhe von 20 Euro pro Tonne CO2 würde die EEG-Umlage um 0,5 Cent sinken.

DHZ: Die EEG-Umlage hat sich seit 2010 mehr als verdreifacht. Fürchten Sie nicht, dass diese Entwicklung die allgemeine Akzeptanz der Energiewende gefährden könnte?

Uphoff: Der BEE hat eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, wie die EEG-Umlage gesenkt werden kann. Dazu gehört neben der Umwandlung der Stromsteuer in eine CO2-Steuer auch der Vorschlag, die Industrieprivilegien über den Bundeshaushalt zu finanzieren. Das EEG-Konto könnte um rund 5 Milliarden Euro entlastet werden und die EEG-Umlage würde nur dadurch um 1,5 Cent pro Kilowattstunde netto sinken. Auch eine engere Vernetzung der einzelnen Sektoren Strom, Wärme und Mobilität kann die EEG-Umlage senken und das Energiesystem optimieren.

DHZ: Bei der Energiewende dreht sich scheinbar alles um Strom. Dabei werden 50 Prozent der erzeugten Energie für Wärme verbraucht. Was muss passieren, um das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestandes bis zum Jahr 2050 zu erreichen?

Uphoff: Für die Wärmewende sind faire Wettbewerbsbedingungen wichtig. Deshalb schlagen wir auch hier eine CO2-Steuer von 25 Euro pro Tonne vor. Um die Steuer sozial gerecht zu gestalten, sollen die Einnahmen Verbrauchern und Unternehmen wieder zugutekommen. Dieses Modell funktioniert in der Schweiz bereits sehr gut, bei hoher Akzeptanz. Der Vorteil einer CO2-Steuer besteht vor allem darin, dass sie den Wärmekunden Investitionssicherheit bietet sowie technologieneutral und offen für Innovationen ist. Darüber hinaus dürfen fossil befeuerte Heizungen nicht mehr staatlich gefördert werden. Alle Maßnahmen zusammen ermöglichen Handwerksbetrieben, sich noch stärker auf den Verkauf und die Installation von klimafreundlichen Heiz- und Kühlsystemen zu spezialisieren. Sie erhöhen damit nicht nur ihre Gewinnchancen, sondern helfen auch, den Klimaschutzzielen näherzukommen.

DHZ: Im Verkehrssektor gerät der Dieselmotor aufs Abstellgleis. Dabei galt er lange aufgrund seines geringeren Ausstoßes des Treibhausgases CO2 als klimafreundlich. Was halten Sie von Fahrverboten?

Uphoff: Bei der Verbrennung von Diesel wird sehr viel CO2 freigesetzt. Der Diesel schadet damit ebenso wie der Benziner massiv dem Klima. Zudem ist der Verbrennungsmotor dem Elektromotor in wichtigen Aspekten deutlich unterlegen. Wenn Deutschland in der Automobilwirtschaft Vorreiter bleiben will, muss es auf die Technologien der Zukunft setzen. Diesel gehört nicht dazu. Auch aus industrie- und beschäftigungspolitischen Gründen ist der Umstieg auf Elektromobilität wichtig. Der Strom dafür muss vollständig aus erneuerbaren Energien kommen, um sauber zu sein. Ab 2030 sollten keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr zugelassen werden – denn ein „geringer“ CO2-Ausstoß ist immer noch zu viel und damit nicht klimafreundlich. Die verbleibenden Verbrennungsmotoren müssen mit nachhaltig gewonnenen Biokraftstoffen betrieben werden.

DHZ: Durch die erneuerbaren Energien sind viele Arbeitsplätze entstanden, auch im Handwerk. Aber der weitere Ausbau stagniert. Mit welchem Szenario rechnen Sie bezüglich der Beschäftigung?

Uphoff: Das hängt von den politischen Vorgaben ab. Schon heute gibt es in Deutschland fünfmal so viele Beschäftigte im Bereich der Erneuerbaren wie in der Kohlewirtschaft. Durch einen rigiden Ausbau-Deckel gingen in der Photovoltaik aber in kurzer Zeit rund 80.000 Arbeitsplätze verloren. Die Biogas-Branche musste aus dem gleichen Grund zwischen 2011 und 2016 einen Rückgang um 20.000 Beschäftigte hinnehmen. Zusätzliche Arbeitsplätze bei erneuerbaren Energien sowie Effizienztechnologien würden dann in hohem Maße entstehen, wenn Deutschland das Pariser Klimaschutzabkommen umsetzt.

Gesprächspartner

Harald Uphoff

Harald Uphoff ist kommissarischer Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE).

Der BEE vertritt die Interessen von 49 Verbänden und Unternehmen mit 30.000 Einzelmitgliedern, darunter mehr als 5.000 Unternehmen. Ziel: 100 Prozent erneuerbare Energie in den Bereichen Strom, Wärme und ­Mobilität.

Interview: Ulrich Steudel

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Konrad Fischer

Einfach nur peinlich,

einem befangenen EEG-Lobbyisten ausgerechnet die mediale Plattform des Handwerks zu bieten, um seine jedem Anstand hohnsprechenden Wahrheitsverdrehungen feilzuhalten.

Die unterschlagenen Fakten:
1. Nur scheinwissenschaftliche Computersimulationen befördern das Geschäft mit der CO2-Angst, das auch Herrn Uphoffs Existenz bereichert.
2. CO2 ist ein entscheidender Pflanzennährstoff und kein Klimakillergas. Die naturwissenschaftlichen Details dazu sind frei verfügbar.
3. Vorgeblich "Erneuerbare" können weder das Wetter, noch das sich daraus ergebende "Klima" beeinflussen. Dafür verteuern sie die Energie, was sowohl das Überleben unseres Prekariats wie auch den Absatz fast aller unserer Produkte des Handwerks, der Industrie und Dienstleister beeinträchtigt.
Es wäre schön, wenn sich die Handwerksredaktion den wirklichen Problemen der "Energiewende" zuwendete und nicht der handwerksschädlichen Ökoabzocke.
Konrad Fischer
Architekt
Hochstadt a. Main