Unternehmensführung -

Bitte keine Phrasen dreschen Stellenanzeigen: Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Engagiert, kompetent, teamfähig und kommunikativ sein - das erwarten die Betriebe durch die Bank von Bewerbern. Ihre Stellenanzeigen aber sind häufig das genaue Gegenteil. Eine Studie der Agentur Textkernel offenbart, dass ein Großteil der deutschen Arbeitgeber aus Phrasendreschern besteht. Sie suchen nach neuen Mitarbeitern mit Hilfe von Stellenanzeigen, die einfallslos, nichtssagend und beliebig sind. Die DHZ sagt Ihnen, was auch Handwerksbetriebe in ihren Stellenanzeigen beherzigen und vermeiden sollten.

Die Firma Horo Kunststofftechnik aus dem hessischen Fuldatal hat ein Rekrutierungsproblem. Regelmäßig müssen die Monteure an Feiertagen zu ihren Kunden ausrücken, an Wochenenden, Ostern, Weihnachten. "Das will nicht jeder", sagt Montageleiter Malte Holzbrecher. Horo montiert Kunststoffverkleidungen in Betriebs- und Produktionsräumen, schützt, dämmt und isoliert Außenwände oder Decken. Man arbeitet hauptsächlich für das Lebensmittelhandwerk und die Ernährungsindustrie, für Metzgereien, Bäckereien und Großküchen etwa. Über Monate hinweg war es unmöglich, das Zwei-Mann-Team um einen dritten Mitarbeiter zu ergänzen.

Auf eine Anzeige, die man über die Bundesagentur für Arbeit geschaltet habe, habe es so gut wie keine Reaktion gegeben, erinnert sich Holzbrecher. Geschätzte anderthalb Jahre vergingen, bis sich die Monteure zu einem schrulligen Experiment durchrangen, "aus lauter Verzweiflung, weil wir nicht mehr wussten, was wir machen sollen". Die Techniker schalteten eine Anzeige in der örtlichen Tageszeitung, unter der Überschrift: "Suchen durchgeknallten, hirnlosen Monteur".

Und weiter im Text: "Sie haben kein Problem damit, wenn Sie während der Arbeit beleidigt und drangsaliert werden?" "Auf Ihren Lohn verzichten Sie, wenn nötig gern, um die Firma zu entlasten?" "Wir reisen durch ganz Deutschland, um unsere Kunden zu bedienen. Geschlafen wird in Zelten oder unter Brücken."

"Mehr Mut zur Differenzierung"

Mitarbeitersuche mit purer Ironie, aus der Not geboren. Glück für Horo: Die Zeitungsredakteure fanden die Anzeige offenbar so witzig, dass sie sie auch auf ihrer Facebook-Seite teilten - und das war wohl der Stein, der die Lawine ins Rollen brachte.

30 bis 40 Bewerbungen landeten innerhalb kürzester Zeit auf dem Schreibtisch von Geschäftsführer Meinhard Roth, manche Interessenten hätten sich "sehr fantasievoll beworben." Über die Qualität der Bewerber insgesamt könne man aber nichts sagen, denn man habe lediglich drei von ihnen kennengelernt, darunter einen Volltreffer. Seitdem ist Horo zu dritt.

Mit seiner erfolgreichen Gaga-Anzeige ist Horo eher ein Exot. Laut einer Auswertung des Software-Unternehmens Textkernel von 2016 sind Stellenanzeigen deutscher Unternehmen an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Die wenigsten Firmen gehen auf konkrete Arbeitgeber-Eigenschaften ein oder machen deutlich, was sie eigentlich von anderen unterscheidet. Stattdessen verwenden sie eine Worthülse nach der anderen. "Arbeitgeber brauchen mehr Mut zur Differenzierung in Stellenanzeigen – in der Beschreibung ihres Unternehmens, aber auch im Angebot an die Talente", schreiben die Autoren Manfred Böcker und Sascha Theisen, die nach eigenen Angaben 120.000 Online-Stellenanzeigen ausgewertet haben, in ihrer Analyse.

Stellenanzeigen: Das machen Arbeitgeber falsch

  1. Sie machen nicht klar, was vom Bewerber erwartet wird. "Fähigkeiten wie 'Flexibilität', 'Kommunikation‘, 'Freude‘ oder 'Struktur‘ sind im Grunde nichtssagende Füllwörter, die eine Kapitulation vor der exakten Beschreibung der Anforderungen darstellen“, schreiben die Studienautoren.
  2. Sie bieten das Gleiche. Meist sind das eine "attraktive Vergütung", "Weiterbildung" oder "Spaß". Aber um welche Art von Weiterbildung handelt es sich? Und warum macht der Arbeitsalltag überhaupt Spaß? Betriebe, die in ihren Anzeigen ins Detail gehen, könnten sich positiv von anderen abheben.
  3. Sie sind nichtssagend. Die meisten Unternehmen bewerben die ausgeschriebene Stelle als "spannend", "interessant" und "abwechslungsreich". Jeder dieser Begriffe kommt im Durchschnitt in jeder Stellenanzeige mindestens einmal vor. Aussagekraft für die Bewerber: nahezu null.

"Eine Stellenanzeige ist deshalb dann gut, wenn sie die Kandidaten möglichst nah an ihren künftigen Arbeitsplatz heranführt", schreiben Böcker und Theisen. Schon ein kleines Detail verrate im Übrigen, dass es in vielen Unternehmen damit nicht weit her ist. Wenn nämlich in einer Stellenanzeige mehrfach die Abkürzung u.a. auftaucht, scheint man sich nicht sonderlich viel Mühe gegeben zu haben. Die Abkürzung ist der am häufigsten gebrauchte Schlüsselbegriff in Jobanzeigen überhaupt - und ein weiterer Beleg für die Lustlosigkeit der Werbenden.

Die Horo-Monteure wiederum gingen in ihrer Anzeige keineswegs ins Detail. Aber sie versprühten Witz und Humor - ein Indiz für eine lockere Atmosphäre und Spaß im Betrieb? Offenbar sahen viele Bewerber das so. Das Beispiel legt jedenfalls nahe: Speziell für kleine und mittlere Handwerksbetriebe können originelle oder aussagekräftige Stellenanzeigen in Zeiten des Nachwuchsmangels zum Game-Changer werden. Und außerdem, so Holzbrecher: "Was hat man zu verlieren?"

5 Tipps für Ihre Stellenanzeigen

  • Nicht drohen: "Stellenanzeigen sollten möglichst ohne Drohgebärden auskommen", heißt es in der Textkernel-Analyse. Textbausteine wie "unbedingte Voraussetzung" oder "unabdingbar" sind daher fehl am Platz.
  • Angebot machen: "Arbeitgeber sollten hier ohne Umschweife sagen, welches Angebot sie möglichen Mitarbeitern machen, und nicht, welches sie nicht machen." Daher: keine Negativaussagen unterbringen. Dazu zählen Satzteile wie: "Kein Praktikum zum Kaffeekochen“ oder „Keine Arbeit zum Langweilen".
  • Nominalstil vermeiden: Vermeiden Sie es, ung-Suffixe aneinanderzureihen. Dazu zählen zum Beispiel Fertigung, Leitung, Herstellung, Sicherstellung, Prüfung. Besser, weil lebendiger: Aktive Verben nutzen. Beispiel: Den Satz „Sie sind für die Erbringung und Qualitätsprüfung von Tischlerarbeiten zuständig“ könnte man relativ leicht durch "Sie fertigen hochwertige Möbel für unsere Kunden an und prüfen die Produkte" ersetzen.
  • Dialog ermöglichen: Nur sechs Prozent der untersuchten Arbeitgeber nannten in jeder ihrer Stellenausschreibungen eine E-Mail-Adresse, 23 Prozent in keiner einzigen. Dabei ist dies der einfachste Weg, um einen Bewerber zur Kontaktaufnahme anzuregen. Insbesondere kleine und mittlere Betriebe könnten punkten.
  • Professionell schreiben: Auch Handwerksbetriebe sollten auf Füllwörter und Substantivierungen verzichten, Grammatik und Rechtschreibung hochhalten, um beim Bewerber einen guten Eindruck zu hinterlassen. Ein Mittel: Obergrenzen für die Satzlänge einführen, um ewig lange Bandwurmsätze zu vermeiden.

Phrasen in Stellenanzeigen: Die Top Ten der von Arbeitgebern gestellten Ansprüche

  1. Gut
  2. Team
  3. Abgeschlossen
  4. Flexibilität
  5. Engagement
  6. Bereitschaft
  7. Freude
  8. Strukturiert
  9. Kommunikationsfähigkeit
  10. Einsatzbereitschaft

(Quelle: Textkernel)

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