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So formulieren Sie passend Stellenanzeige: Wer Fachkräfte sucht, muss richtig texten

Der Fachkräftemangel zeigt: 08/15 Stellenanzeigen locken keinen Bewerber mehr hinter dem Ofen vor. Drehbuchautorin Angela Kosa gibt Tipps, wie Sie Stellenanzeigen richtig texten.

"Schreinergeselle für sofort gesucht"*, lautet in vielen Zeitungen und Anzeigenblätter der Text in Stellenanzeigen. Dass sich darauf kaum einer bewerben mag, ist verständlich. So eine Zeile klingt mehr nach Verzweiflung oder Befehl, als nach Einladung. "Aber gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sollten Stellenanzeigen vor allem wertschätzend und einladend sein", rät Angela Kosa. Die Drehbuchautorin beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Texten von Anzeigen.

Und erklärt, was die dicksten Fehler der Betriebe sind: "Selbstdarstellungen im Wir-Stil und Bullet-Points", findet Kosa abschreckend. Listet ein Handwerker gesuchte Eigenschaften oder Fähigkeiten per Spiegelstrich auf, "so sagt das viel über den Umgang mit Mitarbeitern", erklärt die gebürtige Hessin und Buchautorin. Die Verfasser sähen Bewerber als Nummer. "Auflistungen wirken distanziert und herablassend", verdeutlicht die 49-Jährige.

Klar ist auch: Vor allem Kleinbetriebe sind mit dem Texten oftmals überfordert oder haben zu wenig Zeit, sich um die passende Formulierung zu kümmern. Viele Inhaber entscheiden sich daher für die vermeintlich schnelle, sichere sachliche Variante.

Den Menschen direkt ansprechen

Sie weist darauf hin, dass auch Schreiner, Elektriker, Automechaniker oder Friseurinnen über ein Rollen- und Werteverständnis verfügen. Daher seien sie, wie jeder andere auch, für Sprachbilder und Codes empfänglich. Vor allem wer junge Kollegen sucht, sollte wissen, dass konservative Sprache auf unter 30-Jährige abstoßend wirkt. Kosa empfiehlt: Den Menschen direkt anzusprechen.

Ob im Du- oder Sie-Stil sei "klimaabhängig". Statt "Wir suchen schnellstmöglich vielseitigen Schreiner"* könnte der Text in etwa lauten: "Du liebst die Vielseitigkeit Deines Schreiner-Berufs? Selbstständiges Arbeiten liegt Dir ebenso wie die Zusammenarbeit im Team? Im Umgang mit unterschiedlichen Materialien bist Du erfahren und Du achtest auf Dein Werkzeug? Dann bist Du in unserem Team herzlich willkommen! Hier wirst Du pünktlich bezahlt und kannst Deine Arbeitszeiten familienfreundlich gestalten."

*Diskriminierung in Stellenanzeigen

Bitte beachten Sie, dass bei der Formulierung einer Stellenanzeige die Grundsätze des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) gelten. Das AGG schreibt vor, dass eine Stellenausschreibung keine Diskriminierungsmerkmale enthalten darf. Korrekt müsste es hier deshalb heißen "Schreinergeselle/Schreinergesellin für sofort gesucht".

Die Grundsätze des AGG sind jedoch nicht Thema dieses Beitrag und deshalb wird in den Beispielen auf eine AGG-konforme Formulierung verzichtet.

Dramaturgie wie ein Heiratsantrag

Auch sollten Betriebe Widersprüche meiden. Der "durchsetzungsstarke Teamplayer" sei so eine verwirrende Kombination. Hilfreich könne es zudem sein, zuerst den Prototypen des Bewerbers zu skizzieren, dann fielen passende Attribute leichter ein. "Am einfachsten ist es, sich an Inszenierung und Dramaturgie eines romantischen Heiratsantrags zu orientieren", empfiehlt die Sprachexpertin. So wie der angehende Bräutigam sich Gedanken darüber macht, was seiner Zukünftigen gefallen könnte.

Angela Kosa

Er erstellt so unbewusst ihr Profil. Übertragen auf eine Stellenanzeige für Schreiner* könnte der Text einen typischen Tagesablauf skizzieren: "Morgens eine Küche montieren, mittags eine Treppenstufe auswechseln, danach Plattenzuschnitt und kurz vor Feierabend noch Beschlag-Bestellungen für die nächsten Aufträge zusammenstellen." Dieser Ansatz hat sich ein Zahntechniker in Oberbayern zu Herzen genommen. Statt fachliche Kenntnisse abzufragen, lautete die Überschrift für das Gesuch: "Dein Herz schlägt für (die) Oberbayern?".

"Call to Action"

Neben der Frage, ob Kultur, Land und Leute zusagen, offeriert der Betrieb dem künftigen Zahntechniker, er könne seine "Sehnsucht nach (den) Oberbayern mit beruflichen Ambitionen verbinden". Als Harald F. diesen Text seiner Frau vorliest, stellt diese fest: "Das bist doch du!". Der in Bad Tölz geborene 33-Jährige arbeitet aktuell in einem Großbetrieb in München, als der die Anzeige in einer Fachzeitschrift liest. Er klingelt beim Kollegen südöstlich von Rosenheim an. Bayer und Bayer verstehen einander sofort. Drei Monate später ist Harald F. Teil des Betriebes mit fünf Mitarbeitern.

"Dass ich mich beruflich und menschlich entfalten kann, hat mich angesprochen", erklärt Harald F., wieso er Großstadt gegen Provinz tauscht. Ebenso den "Call to Action" der Anzeige findet er einladend: "Deine Sehnsucht und Neugierde sind geweckt? Nutz die Chance, schreib eine Mail oder ruf uns an, wir freuen uns auf Dich." Viele Betriebe fabrizieren am Anzeigenende den Lapsus unvollständiger Kontaktdaten. "Das ist ungeschickt und baut Barrieren auf", meint Kosa.

Anonyme E-Mail-Adresse oder ein liebloser Link zur Firmenwebseite seien ebenso Kontakt-Verhinderer, wie ein nicht mobilfähiges Bewerberformular oder erst gar keinen Ansprechpartner zu nennen. Das weise auf wenig Sensibilität hin. Nur eine Telefonnummer abzudrucken sei ebenso kritisch. Kandidaten, die noch bei einem anderen Arbeitgeber beschäftigt sind, könnten während ihrer Arbeitszeit nicht beim suchenden Unternehmen anrufen.

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