Meisterstücke -

Von Rock zu "Rokstyle" Alexander Hanel: Steinmetz mit Pop-Appeal

Alexander Hanel war als Musiker schon sehr erfolgreich, als ihn der Ruf ins Familienunternehmen ereilte. Dort schuf er das erste Fashionlabel für Grabsteine.

Als Alexander Hanel 2004 mit 26 Jahren die Firma seines Vaters übernahm, hatte er schon ein bewegtes Leben hinter sich. Der Steinmetz war erfolgreich als Musiker und Discjockey – und hätte danach noch Produktmanager in einer Plattenfirma werden können. Doch er entschied sich anders – und hat seine Entscheidung noch keinen Tag bereut. Heute vertreibt er eine erfolgreiche Grabsteinmarke.

"Ich habe mich zum Glück für den Kopf und gegen das Herz entschieden", versichert er. Hanel sieht den Schritt immer noch ganz nüchtern. Der Geschäftsführer von Stein Hanel aus dem mittelfränkischen Leutershausen hat das Leben am Plattenteller und in Fernsehstudios lange hinter sich gelassen, um die Firmentradition eines alteingesessenen Steinmetzbetriebs fortzuführen. Was seine Chancen auf eine Karriere als Promi in der Musikindustrie angeht, bleibt er ganz realistisch: "Dafür waren wir sowieso ein paar Jahre zu spät dran."

Der Start im Musikbusiness war vielversprechend

Dabei begann das Projekt zweier junger Musiker durchaus vielversprechend. Mit einem befreundeten Discjockey (DJ) baute sich Hanel Stück für Stück ein Studio auf. Zusammen machten sie Discomusik, nannten sich „Attack“ und Hanels Sprechgesang klang wie DJ Bobo.

Die beiden Nachwuchsmusiker entwickelten Ambitionen und schickten Demotapes an eine Plattenfirma in München. Die hätten „Attack“ gern unter Vertrag genommen, waren aber schon Partner von eben jenem DJ Bobo. Das klinge dem Original zu ähnlich. Doch die Musikbosse aus München erkannten das Potenzial und boten Unterschlupf bei Kollegen aus Hannover.

Die Band verkaufte sich gut und so landete Hanel bereits mit 18 Jahren im Fernsehen. Höhepunkt waren drei TV-Formate innerhalb von einer Woche. „Attack“ traten unter anderem in der ersten Abendsendung von Stefan Raab, bei "Interaktiv" von ­Viva und bei "Chart Attack" vom ZDF auf. "Als wir die erste Nr. 1 hatten habe ich schon gedacht, wir hätten es geschafft", erinnert sich Hanel an frühere Karriereträume.

Emotionalstes Produkt, was zu verkaufen ist

Ebenso erfolgreich war Hanel als Plattenaufleger. In den bekanntesten Clubs in Europa war er als DJ unterwegs, darunter so illustre Namen wie das Space oder das El Divino auf Ibiza. Doch das sollte nur eine Episode bleiben. Denn für Hanel war klar: Ab einem gewissen Alter ist das nicht mehr stimmig.

Obwohl er das Angebot einer Plattenfirma hatte, als Produktmanager einzusteigen, war es für den Unternehmersohn keine Frage mehr, die vom Urgroßvater 1948 gegründete Firma zu übernehmen – und plötzlich Grabsteine zu verkaufen.

Das klingt wie ein harter Bruch. Doch das sieht Alexander Hanel nicht so. Auch nicht, wenn man an so unterschiedliche Produkte wie Musik und Grabsteine denkt. Das Verkaufen von Grabsteinen sieht Hanel ganz entspannt. "Wir verkaufen schließlich das emotionalste Produkt, was zu verkaufen ist", sagt er. Diese Erkenntnis habe nur ganz lange Zeit keine Berücksichtigung gefunden. Tod sei eben immer noch ein Tabuthema und habe sich damit dem offensiven Verkauf entzogen.

"Ich verkaufe kein Spaßprodukt." Firmenchef Alexander Hanel

Doch der Markt ist längst nicht mehr so einfach. Die Begräbnisgewohnheiten haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Das Aufstellen eines Grabsteins ist nicht mehr selbstverständlich. In Mode sind Friedwälder, Urnenbestattung und einfache Holzkreuze.

Umso wichtiger war es Hanel, dem Produkt wieder mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Als neuer Geschäftsführer wollte er im Traditionshandwerk einiges anders machen. Da lag ihm als ehemaligen Profimusiker die Popkultur nahe. Unterstützung holte er sich bei einem Modedesigner und bei den Marketingfachleuten der Universität Ansbach.

Hanel will die Dominanz des traurigen Grau brechen

Die Zusammenarbeit trug Früchte und am Ende stand das erste ­"Fashionlabel für Grabsteine", genannt "Rokstyle". Mit dem Label will Stein Hanel das Produkt Grabstein individualisierter und ja, vor allem auch schöner machen. Denn bisher dominierte auf den Friedhöfen trauriges Grau. Eines allerdings stellt er gleich klar: "Ich verkaufe kein Spaßprodukt." Seriosität ist ihm wichtig. Man bleibe ein bodenständiger Handwerksbetrieb.

Kennzeichnend für die neuen Grabsteine sind die klaren Linien. Die Steine sind oft mit Kristallen, Glasintarsien, Bronzeemblemen oder Edelstahlkreuzen verziert. Das neue Design und die Umsetzung finden bei Produktwettbewerben Anklang. "Rokstyle" erhielt eine Nominierung beim German Design Award, den Plus-X-Award für "High Quality" und "Design" sowie den Wirtschaftspreis "Querdenker-Award".

Hanel musste auch in seinem Unternehmen erst für seine Idee werben. Schließlich war die Marke ein Kulturbruch. Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Denn 140 Steinmetzbetriebe in ganz Deutschland haben – bereits knapp drei Jahre nach dem Start der Produklinie – die Lizenz für den Vertrieb von "Rokstyle" erworben. Nächstes Ziel ist der Export.

Steinmetz beim Verkauf Inspiriert von der Popkultur

Bei der Umsetzung neuer Ideen profitiert Hanel heute von seiner ersten Karriere – etwa beim Lizenzhandel, den er seit 20 Jahren aus der Musikbranche kennt. Oder auch beim Marketing, wenn er die Marke "Rokstyle" auf Prosecco-Dosen bewirbt. Auch beim zweiten Standbein der Firma – der Herstellung von Gedenksteinen – lässt sich Hanel von der Popkultur inspirieren. 2011 fertigte Stein Hanel ein Denkmal der österreichischen Poplegende Falco für dessen Wohnort Gars am Kamp.

Und die Musik? Die ist auch noch Teil seines Lebens. Nebenbei betreibt Hanel weiterhin einen Plattenverlag, auf dem er unter anderem Lounge-Musik, 80er-Jahre-Reminiszenzen und Party-Hits herausgibt. So ist er letztlich doch noch Boss eines Plattenlabels geworden.

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