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„Es ist ein großer Schatz" Appell von Steinmeier: Weiter ausbilden

Um einen Rückgang der Ausbildung in Deutschland aufgrund der Corona-Krise zu vermeiden, rufen der Bundespräsident und die Spitzen von Wirtschaft und Gewerkschaften Unternehmen auf, an ihrer Ausbildungsleistung festzuhalten.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Aus Furcht vor eine Generation Corona haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie die Spitzen von Wirtschaft und Gewerkschaften die Unternehmen aufgerufen, auch in der Corona-Krise weiter auszubilden. "Setzen Sie wo immer möglich und trotz schwieriger Rahmenbedingungen Ihr Engagement für die Ausbildung fort, schaffen Sie Ausbildungsplätze, und nutzen Sie dafür auch die von Bund und Ländern in historischen Dimensionen bereitgestellten Hilfsprogramme", heißt es nach einem Treffen in einer gemeinsamer gemeinsamen Erklärung. Es gehe um die Zukunftschancen der jungen Generation und der Fachkräfte von morgen.

Bundespräsident ruft auch junge Leute zur Bewerbung auf

Hintergrund des gemeinsamen Appells von Bundespräsidenten Steinmeier, DGB-Chef Reiner Hoffman, BDA-Präsident Ingo Kramer, BDI-Präsident Dieter Kempf, DIHK-Präsident Eric Schweizer und ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer ist die Befürchtung, dass viele Unternehmen, die durch die Corona-Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, ihre Ausbildungsaktivitäten einstellen oder reduzieren könnten.

Zum wiederholten Male hob Steinmeier die Stärken der dualen Ausbildung in Deutschland hervor: "Es ist ein großer Schatz. Besinnen wir uns gerade jetzt, in der Krise, auf diesen Schatz", fügte er hinzu. Und an die jungen Leute appellierte er, sich trotz aller Widrigkeiten in der Corona-Krise um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Die Unterzeichner des Appells betonten darüber hinaus, dass der Beginn einer Ausbildung auch nach dem 1. September 2020 noch möglich sei. Jetzt gelte es, alle Angebote der Information und Vermittlung – ob analog oder digital – zu nutzen.

Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt verstärkt angehen

Dies gilt umso mehr, da es immer wieder zu Passungsproblemen auf dem Ausbildungsmarkt kommt und Betriebe und Jugendliche nicht zusammenfinden, wie auch der aktuelle Nationale Bildungsbericht 2020 deutlich macht. "Alle Akteure auf dem Ausbildungsmarkt sind jetzt aufgerufen, sich um das Matching zwischen Ausbildungsbetrieben und Jugendlichen, die an einer Ausbildung interessiert sind, zu kümmern", sagte Handwerkspräsident Wollseifer. Die v erbleibenden Schulwochen und der Anfang der Sommerferien müssten unbedingt genutzt werden, um in einem Mix aus Präsenzterminen in Kleingruppen und virtuellen Angeboten den Kontakt wieder zu ermöglichen. Er hoffe dabei auch auf die Lehrerschaft. 

Ausbildungsprämie soll verabschiedet werden

Angesichts der sich der Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt will die Bundesregierung auch krisengeschüttelte Ausbildungsbetriebe mit einer sogenannten Ausbildungsprämie finanziell unterstützten. Sie soll am Mittwoch, den 24. Juni 2020, im Kabinett verabschiedet werden. Nach den bisherigen Plänen sollen Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten eine einmalige Ausbildungsprämie von 2.000 Euro für jeden neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag erhalten, wenn sie trotz coronabedingter Schwierigkeiten die Zahl ihrer Lehrstellen im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen drei Jahre konstant halten. Stellen sie noch mehr Lehrlinge ein, soll es für jeden zusätzlichen Auszubildenden 3.000 Euro mehr geben. Ausbezahlt werden soll das Geld nach dem Abschluss der Probezeit.

Wer einen Auszubildenden aus einem insolventen Betrieb übernimmt, soll ebenfalls 3.000 Euro bekommen. Weitere Hilfen soll es für Unternehmen geben, wenn Kurzarbeit von Lehrlingen vermieden werden kann. Antragsberechtigt sollen Betriebe sein, die "in erheblichem Umfang" von der Krise betroffen sind. Insgesamt will die Bundesregierung eine halbe Milliarde Euro in die Sicherung der beruflichen Bildung investieren. Allein 280 Millionen Euro sind für eine Ausbildungsprämie bestimmt.  Mit Inhalten von dpa

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