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Ökostrom-Umlage Steigende Strompreise treffen Bäcker besonders hart

Die EEG-Umlage steigt 2017 erneut um einen halben Cent – die Folge sind höhere Strompreise. Dem energieintensiven Bäckerhandwerk ist die teure Ökostromförderung schon lange ein Dorn im Auge. Der Zentralverband plädiert für eine Reform.

Michael Wippler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, klingt resigniert: "In der Öffentlichkeit betonen Politiker stets die Wichtigkeit des Mittelstandes. Bei konkreten Gesetzesvorhaben aber vergessen sie dies anscheinend." Der Grund für den Ärger des Verbandschefs ist die bevorstehende Erhöhung der Strompreise: Die sogenannte EEG-Umlage, über die die Ökostromproduktion subventioniert wird, wird von derzeit 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Das teilten die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW am Freitag mit. Die Umlage zahlen Verbraucher und Betriebe über die Stromrechnung.

Energiewende verursacht steigende Kosten

Die steigenden Energiepreise gefährden vor allem im energieintensiven Bäckerhandwerk immer mehr Betriebe in ihrer Existenz. Die Branche schrumpft schon seit Jahren: Gerade mal 12.155 Bäckereibetriebe gab es Mitte dieses Jahres noch in Deutschland – 2013 waren es noch 13.171 Unternehmen, 2011 sogar noch 14.170. "Seit 1991 sehen sich die Verbraucher, mittelständische Unternehmen und insbesondere die Betriebe des Bäckerhandwerks durch die EEG-Umlage enormen Kostensteigerungen ausgesetzt", klagt Bäckerverbands-Präsident Wippler.

Die steigenden Energiekosten haben ihre Ursache in der Energiewende: Die letzten deutschen Kernkraftwerke werden in den kommenden Jahren sukzessive abgeschaltet, Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind- und Solarenergie soll diese Lücke schließen. Die Mehrkosten für diese Wende hin zu den erneuerbaren Energien müssen die Verbraucher und Unternehmen tragen.

Mehrbelastung trifft Bäcker besonders hart

Vor allem in der jüngeren Vergangenheit ist die EEG-Umlage deshalb rapide angestiegen: Betrug sie im Jahr 2003 noch lediglich 0,41 Cent pro Kilowattstunde Strom, waren es 2009 schon 1,13 Cent. 2011 stieg die Umlage auf 3,53 Cent pro Kilowattstunde, 2013 sogar auf 5,277 Cent. 2014 waren es schon 6,24 Cent pro Kilowattstunde, nun kommt Anfang 2017 der nächste massive Anstieg auf 6,88 Cent. Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent, die auf den Netto-Strompreis aufgeschlagen wird. Die hohe EEG-Umlage beschert der Staatskasse damit Zusatzeinnahmen von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr, hat das Energie-Vergleichsportal Verivox berechnet.

Dabei klingt eine Mehrbelastung von knapp sieben Cent pro Kilowattstunde zunächst einmal nicht nach allzu viel. Doch Backen ist eine sehr energieintensive Angelegenheit. So hat ein mittelständischer Bäckereibetrieb mit rund 200 Mitarbeitern laut Verbandsangaben einen Jahresstromverbrauch von etwa 1,3 Millionen Kilowattstunden. Allein die Kosten für die EEG-Umlage schlagen dann mit 89.440 Euro zubuche. Zum Vergleich: Im Jahr 2003, als die EEG-Umlage noch bei lediglich 0,41 Cent lag, waren es nur 5330 Euro. Bezahlbare Strompreise seien für das energieintensive Bäckerhandwerk von existenzieller Bedeutung, heißt es daher beim Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks. Notwendig sei eine handwerksfreundliche Politik, die die hohen Belastungen endlich korrigiere. "Wir fordern eine EEG-Reform, die eine reale Entlastung für Verbraucher und Betriebe mit sich bringt", sagt Verbandschef Wippler.

Bäcker klagen über Wettbewerbsverzerrung

"Die Zusatzbelastung ist für durchschnittliche mittelständische Unternehmen durchaus von existenzieller Höhe", bestätigt Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher. „In einer kritischen Situation sind es oft gering erscheinende Beträge, die darüber entscheiden, ob ein Unternehmen fortbesteht oder nicht.“

Trotz der ausufernden Kosten steht die Energiewende an sich nicht im Zentrum der Kritik des deutschen Bäckerhandwerks: Als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei sie zwingend notwendig. Allerdings müssten die Kosten gerechter verteilt und Ausnahmeregelungen abgeschafft werden, damit Verbraucher, Mittelstand und Handwerk die Zeche nicht alleine zahlen müssten. Denn Industrieunternehmen sind vielfach von der EEG-Umlage befreit. Besonders dass für große industrielle Teiglingswerke – der schärfste Wettbewerber des traditionellen Bäckerhandwerks – ein solcher Ausnahmetatbestand greift, stößt Verbandspräsident Wippler sauer auf: "Diese staatlich verursachten Wettbewerbsverzerrungen können wir nicht länger hinnehmen." Das bisherige Befreiungs- und Subventionssystem des EEG gehöre daher nicht nur punktuell nachgebessert, sondern maßgeblich und für die Zukunft des deutschen Handwerks zielführend überarbeitet.

So setzt sich der Strompreis zusammen

Allgemein setzt sich der Strompreis in Deutschland aus zwei Elementen zusammen. Neben einem monatlichen Grundpreis, der häufig für die Nutzung des Stromzählers aufgewendet wird, ist der Arbeitspreis die treibende Größe. Für jede verbrauchte Kilowattstunde Strom wird ein fixes Entgelt fällig. Der Arbeitspreis wiederum beinhaltet einen hohen Anteil an Steuern und Abgaben – laut einer Berechnung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft sind es 46 Prozent, zu denen neben Stromsteuer und Mehrwertsteuer auch die EEG-Umlage zählt. Erzeugung, Transport und Vertrieb des Stroms sind demnach nur für 54 Prozent des Strompreises verantwortlich. czy

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