Dresden -

Deutscher Musikinstrumentenpreis Steffen Friedel baut das Instrument des Jahres

Ihr Klang ist phänomenal, ihre Verarbeitung erstklassig und ihr Design einzigartig. Mit der Wappenbratsche gewinnt ein Dresdner den Deutschen Musikinstrumentenpreis.

Die Bratsche (auch Viola genannt), die Steffen Friedel in den Händen hält, ist etwas Besonderes. Das gute Stück, in dem etwa 300 Arbeitsstunden stecken, ist ausgezeichnet. So ausgezeichnet, das Steffen Friedel für seine Kreation den Deutschen Musikinstrumentenpreis 2018 gewonnen hat.

In einer ehemaligen Fabrik in Dresden-Gruna, hoch oben im vierten Stock, Raum an Raum mit anderen Handwerkern und Künstlern, hat der 52-Jährige seine kleine Werkstatt eingerichtet. Hier oben entwirft und baut er Geigen, Bratschen und Celli in traditioneller italienischer Bauweise und gibt seine Handwerkskunst in Workshops auch immer wieder an Menschen weiter, die den Wunsch verspüren, ihr eigenes Instrument zu bauen.

"Die Kurse, die ich anbiete, sind eine intensive Erfahrung sowohl für mich als auch für die, die mit mir an ihren Instrumenten bauen", sagt der frischgebackene Meister des Streichinstrumentenbaus. "Ich mache es meinen Teilnehmern vor, sie machen es nach, das ist das Prinzip. Wer den tiefen Wunsch verspürt, sein eigenes Instrument zu erschaffen, der hat auch das Talent zum Instrumentenbau", so Friedel.

Vom Flugzeugmechaniker zum Instrumentenbauer

Dabei fand der Dresdner selbst erst auf Umwegen in sein heutiges Handwerk. "Das ist eine lange Geschichte. Ich bin eigentlich gelernter Flugzeugmechaniker", erläutert der gebürtige Döbelner und lächelt. "Handwerklich zu arbeiten, darin lag schon immer mein Interesse." Nach seiner Ausbildung in den 1980er-Jahren bildete sich Steffen Friedel in Freiberg zum staatlich geprüften Techniker für Geologie weiter, arbeitete lange Jahre für ein Ingenieurbüro für Hydrologie.

Doch als er vor zehn Jahren wieder mit dem Cellospielen begann, öffnete sich für ihn allmählich eine ganz neue Welt. "Ich hatte schon in meiner Kindheit Geige gespielt, wusste aber immer, dass mein Talent fürs Orchester nicht ausreicht. Musik gemacht habe ich trotzdem für mich privat."

Mit dem Cello in der Hand wuchs in Steffen Friedel der Wunsch, sein eigenes Instrument zu bauen. In Helmut Bleffert fand er einen Instrumentenbauer, der ihm das Rüstzeug für das Handwerk näherbrachte. "Ich machte bei ihm in der Eifel eine Art Ausbildung in Form eines Langzeitpraktikums. Auf freundschaftlicher Basis brachte er mir in meinem Sabbat-Jahr vieles bei", erinnert sich Friedel.

Vor sieben Jahren wagte der heutige Träger des Deutschen Musikinstrumentenpreises schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete als Einzelunternehmer in Dresden seine Werkstatt. Aufgehört zu lernen hat der 52-Jährige nicht: An der Fachhochschule in Markneukirchen erwarb er vor zwei Jahren seinen Bachelor im Streichinstrumentenbau, befindet sich derzeit im Masterstudiengang "Musikalische Akustik und Technologie".

Es läuft: Deutscher Musikinstrumentenpreis 2018 und Meisterbrief im selben Jahr

Vor wenigen Tagen erhielt Steffen Friedel zudem von der Handwerkskammer Chemnitz seinen Meisterbrief im Geigenbauerhandwerk. "Ein Meisterabschluss, das hat Hand und Fuß, dass weiß ich seit meiner Mechanikerlehre. Daher war mein Ansporn für den Meister immer groß", freut sich der Dresdner.

Auf der Internationalen Musikmesse Mitte April in Frankfurt am Main wird Steffen Friedel der Deutsche Musikinstrumentenpreis für seine Wappenbratsche aus Tiroler Fichte und bosnischem Ahorn übereicht. Die Urteilsbegründung der Jury ist ein Loblied. Sie hob unter anderem die herausragenden klanglichen Eigenschaften, die besondere Gestaltung und die Bespielbarkeit der handgefertigten Wappenbratsche hervor. Sowohl der Klang als auch die Spielbarkeit nebst Ansprache überzeugten die Testmusiker in allen Belangen.

Ebenfalls prämiert: Die Oboe der Gebrüder Mönnig

Der Deutsche Musikinstrumentenpreis wurde dieses Jahr bereits zum 28. Mal verliehen. Wie jedes Jahr legte das Kuratorium vorab fest, in welchen Kategorien der Preis vergeben wird. Steffen Friedel erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Bratsche (maximale Korpuslänge 420 mm). Der Preis für die beste Oboe ging an die Gebrüder Mönnig Holzblasinstrumente GmbH.

Beinahe übereinstimmend bestimmten die Testmusiker das Modell 155 AM der Gebrüder Mönnig als ihren Favoriten. Das Instrument besteht aus naturbelassenem polierten Grenadill mit vergoldeten mechaniktragenden Teilen und ist nahezu komplett mit silikonbeschichteten Korkpolstern ausgestattet. Die Stellschrauben sind alle in Nirosta ausgeführt, teilweise mit Tefloneinsatz. Die Musiker lobten vor allem die Klangfarbe der tiefen Lage, das Klangvolumen über den gesamten Spielbereich sowie die Ansprache. Aber auch in allen Belangen der Spielbarkeit konnte die Oboe überzeugen.

Die Wurzeln der Gebrüder Mönnig Holzblasinstrumente GmbH reichen bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück. Bis in die 1950er Jahre hinein galt der Hersteller im Oboenbau weltweit als Nr. 1 und auch seine Fagotte und Klarinetten hatten ihren festen Platz in den großen Orchestern der Welt. Die Zeit nach 1945 sowie die darauffolgende Verstaatlichung brachten eine Stagnationsphase mit erheblichen Imageverlusten. Nach 1990 wurde die verlorene Position erst langsam zurückerobert. Den Durchbruch brachten zehn Jahre später strategische Entscheidungen wie die Modernisierung der Fertigungscharakteristik und die Optimierung der Qualitätssicherung. Heute etablieren sich die handgefertigten Instrumente der Gebrüder Mönnig wieder in den internationalen Spitzenorchestern und gelangen zum einstigen Ruhm zurück.

Für den Deutschen Musikinstrumentenpreis 2019 können sich Instrumentenbauer in den Kategorien "Stahlsaitengitarre (Flattop, 6 Saiten)" und " b-Trompete (Perinet-Ventil)" bewerben.

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