Meinung -

Kommentar Standortvorteil duales System

Deutschland steht im internationalen Vergleich seit Jahren wirtschaftlich sehr gut da. Das liegt auch am dualen Ausbildungssystem. Dies hat nun auch die OECD erkannt.

Warum steht Deutschland im internationalen Vergleich seit Jahren wirtschaftlich sehr gut da? Auch die OECD kommt nicht umhin zuzugestehen, dass dies maßgeblich an unserem dualen System der Berufsausbildung liegt. Im OECD-Bildungsbericht wurden wir über Jahre kritisiert, dass es in unserem Land zu wenige Abiturienten und Studenten gäbe. Aber da wurden auch vielfach Äpfel mit Birnen verglichen. Für viele Berufe, die bei uns erfolgreich im dualen System vermittelt werden, braucht es in anderen Ländern ein Studium.

Bei der Vorstellung des aktuellen Bildungsberichts stellte Andreas Schleicher, Direktor für Bildung bei der OECD, fest, dass die herausragendste Stärke des deutschen Bildungssystems der reibungslose Übergang von der Ausbildung in den Beruf sei. Die berufliche Bildung in Deutschland bezeichnete er international als vorbildlich und er betonte, dass es dem dualen System zu verdanken sei, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung in Deutschland über einen mittleren Bildungsabschluss verfügt. Alles paletti also?

"Es ist problematisch, wenn mehr als ein Zehntel der 25- bis 34-Jährigen ohne Berufsausbildung oder Abitur ist."

Nun, zum Ausruhen auf dem Erfolg besteht kein Anlass. Gerade in der Debatte um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt kann nicht oft genug betont werden, dass die Vermittlung von Teilqualifikationen dies nicht leisten kann, sondern nur eine reguläre Berufsausbildung. Auf Dauer problematisch ist, wenn mehr als ein Zehntel der 25- bis 34-Jährigen ohne Berufsausbildung oder Abitur ist. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass dabei die Menschen mit Migrationshintergrund überproportional vertreten sind. Das liegt nicht an fehlenden Angeboten für diese Zielgruppe, sondern teilweise auch an deren mangelnder Bereitschaft, den erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt über eine Berufsausbildung zu starten. Aktuell sind wegen der guten wirtschaftlichen Lage und des Fachkräftebedarfs die Chancen dafür gut wie selten zuvor.

Gelegenheit wäre dann, auch darüber nachzudenken, ob das deutsche Bildungssystem mit seinen föderalen Verästelungen richtig aufgestellt und ob es bedarfsgerecht finanziert ist. Hinter letzteres kann ein Fragezeichen gesetzt werden. Denn wenn man sieht, wie viele Milliarden der Staat in Hochschulen steckt, sind die Beträge für die berufliche Bildung Peanuts. Nach dem Hochschulpakt wäre schon lange ein finanziell hinterlegter Berufsbildungspakt notwendig. Sonst bleiben die Bekenntnisse zur Gleichwertigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung leere Sonntagsreden.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten