Unternehmensführung -

Wirtschaftsstandorte Standort: Firmen suchen Arbeitsplätze zum Wohlfühlen

Schnelles Internet, Infrastruktur und Verkehrsanbindung: Nach diesen Kriterien können Handwerksbetriebe den passenden Standort finden.

Für Mitarbeiter gut erreichbar, auch für die Azubis ohne Führerschein. Schnell auf der Autobahn und Mieten zu einem annehmbaren Preis. Das sind einige der Aspekte, die Handwerksbetriebe beachten, wenn sie eine neue Niederlassung anstreben. Gefragt ist aber auch eine urbane Infrastruktur."Was nützt die schönste Werkstatt, wenn es keine Parkplätze gibt?", fragt Geschäftsführer Martin Maier vom Stauferpark in Göppingen. Er kennt die typischen Probleme, die kleine Betriebe bei der Standortsuche haben. Natürlich schauen die Firmen der Region nach bezahlbaren Quadratmeterpreisen. Immer häufiger ist Maier allerdings mit Forderungen an schnelles Internet, Einzelhandel in der Nähe und Aufenthaltsqualität konfrontiert. "Firmen möchten heute nicht nur effizient arbeiten, sondern sich auch wohlfühlen. Das ist wichtig, wenn sie Mitarbeiter für sich begeistern oder an sich binden möchten", beobachtet Maier.

Platz für späteres Wachstum

In Zeiten, in denen sich ein Jugendlicher zwischen mehreren Ausbildungsplätzen entscheiden kann, siegt oft der mit der besseren Infrastruktur. Also Busanbindung, Imbiss oder Fitnessstudio. Und auch die Gesellen und Meister der im Stauferpark ansässigen Unternehmen möchten ihre Mittagspause im benachbarten Wald verbringen, die Kinder in eine nahe Betreuungsmöglichkeit bringen oder den Mittagstisch im Restaurant nutzen. Und der neue Standort sollte auch ausreichend Platz für zukünftiges Wachstum bringen. Ein Aspekt, auf den beispielsweise die "Dach Werkstatt Küpper" aus Salach zwischen Stuttgart und Ulm Wert legte.

Kriterien bei der Standortbegehung

Angebote: Wenn sich beispielsweise die Kinderbetreuung nicht lohnt, schließen sich Firmen zusammen und bieten diesen Service übergreifend an.

Zugang ins Grüne: Viele ländliche Gebiete haben den Wald gleich um die Ecke. Aber zu Fuß ist er wegen Bahngleisen oder Bebauung nicht zu erreichen. Gewerbegebiete machen deshalb ihre Grünflächen begehbar.

Attraktiv bleiben: Kontinuierliche Investitionen sind der Schlüssel für langfristige Attraktivität.

Energiekonzept: Sparpotenziale, die die Umwelt und den Geldbeutel schonen, lassen sich vor allem unternehmensübergreifend realisieren. Ein Energie-Stammtisch hilft, sich darüber auszutauschen.

Optik: Schöne Gebäude und Innenräume sowie grüne Ecken bringen Aufenthaltsqualität.

Urbane Infrastruktur: Wer im Industriegebiet arbeitet, freut sich über einen Vesperservice, der morgens im Betrieb vorbeikommt.

Mehr Effizienz und Komfort

2013 verdoppelte der Handwerksbetrieb seine Kapazitäten und renovierte eine 750 Quadratmeter große Halle, die mit einer Solaranlage bestückt wurde. Dachdeckermeister Ludger Küpper errichtete ein zweigeschossiges Verwaltungsgebäude mit 320 Qua­dratmetern Nutzfläche. Dieses umfasst zehn Büroarbeitsplätze, Seminar-, Besprechungs- und Sozialräume. Material, das bislang im Freien gelagert werden musste, und Arbeitsschritte, die im Hof und teils auf der Straße vollzogen wurden, sind nun in der Halle integriert. In Summe steigerte der Betrieb durch die Standortverlagerung Effizienz und Komfort um mindestens 20 Prozent.

Ein weiteres Beispiel: Das Mischgebiet Flugfeld in Böblingen vereint Wohnen mit kurzen Wegen zur Firma. Ein Kriterium, auf das Betriebe mehr und mehr Wert legen. Denn wer im Sommer früh anfängt und spät von der Baustelle kommt, der ist froh, wenn er dazwischen nicht noch stundenlang im Stau steht. Bis 2031 soll das rund 80 Hektar umfassende Gelände vollständig besiedelt sein: 7.000 Arbeitsplätze und Wohneinheiten für 4.000 Bewohner entstehen. Handwerksbetriebe finden hier eine ideale Anbindung an die A 81. Und schließlich: Nicht zu unterschätzen bei der Standortsuche sind Energiekosten, die nicht nur von Maschinen abhängen. Das Gewerbegebiet zwischen Michelin- und Pfannkuchstraße im Westen von Karlsruhe etwa setzt auf Energieeffizienz.

Von der Wissenschaft gestützt

Die Stadt beauftragte die Hochschule für Technik und Wirtschaft und das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie. Sie sollten herausfinden, wie die Energieversorgung effizient gestaltet werden kann. Anhand des 25-Hektar-Geländes beschreibt die Studie, wie Firmen regenerative Energie und Abwärme nutzen können. Die Wissenschaftler ermittelten mögliche Energieeffizienzsteigerungen von 34 Prozent, wenn Abwärme direkt genutzt werde. Durch ein Nahwärmenetz könne das Gewerbegebiet 1,5 Prozent an Energie für Heizung und Klimaanlage sparen.

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