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Wiege des alpinen Skilaufs St. Anton am Arlberg: Winterurlaub de Luxe

Skipioniere wie Hannes Schneider machten St. Anton am Arlberg zur Wiege des alpinen Skilaufs. Mit der Eröffnung neuer Bergbahnen im Dezember 2016 ist St. Anton mit St. Christoph, Stuben, Lech und Zürs verbunden und seither das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs. Eine kleine Zeitreise.

In der Sonne glitzernder Pulverschnee. Ein norwegischer Ingenieur mit Holzskiern unter den Füßen, die lautlos durch die weiße Pracht gleiten. Er ist auf dem Weg zu seiner Arbeitsstätte am Arlbergtunnel. Es ist das Jahr 1880 und das kleine Dorf St. Anton noch weit davon entfernt, zu einem der beliebtesten Wintersportorte der Welt zu werden. Der harte Alltag als Bergbauer prägte das Leben der Menschen damals.

Die Zeiten in St. Anton am Arlberg änderten sich jedoch schnell. Bald waren es nicht mehr die Fremden aus den nordischen Ländern, die im Telemark-Stil die faszinierende Bergwelt eroberten, sondern die St. Antoner selbst. Es ist der 3. Januar 1901, sechs Freunde marschieren auf ihrer Skitour von St. Anton am Arlberg nach St. Christoph, wo sie sie vom damaligen Hospizwirt Oswald Trojer und seiner Tochter Liesl empfangen werden. Eine Rast, die sich zu einer fröhlichen Feier entwickelte und mit der Gründung des Ski-Club Arlberg endete, der heute weltweit rund 8.000 Mitglieder aus 61 Ländern zählt. Nur drei Jahre später, Im Januar 1904, fand das damals in der Bergwelt einmalige "1. Allgemeine Skirennen" statt. Aus diesem Wettlauf entwickelte sich in St. Anton am Arlberg eine Renntradition, die bis heute ihre Fortsetzung findet.

Hannes Schneider "erffindet" den Skikurs

Die aktiven St. Antoner beließen es jedoch nicht bei ihrem Ski-Club und dem spektakulären Rennen. Mit Gründung der ersten Skischule setzte Hannes Schneider, seinerzeit der "schnellste Skifahrer Europas" im Winter 1921/1922 einen Meilenstein der Skigeschichte, in dem er den Skikurs "erfand". Denn bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Skiort, in dem die Urlauber entsprechend ihres Könnens in Gruppen eingeteilt und nach festgelegten Richtlinien unterrichtet wurden.

Hannes Schneider hatte schon als 13-Jähriger sein erstes Rennen gewonnen und einen ganz eigenen Fahrstil geprägt. Schussfahrten legte er als Erster in der Hocke zurück – eine Haltung, die bis heute die schnellste und sicherste ist. Auch für die Kurven entwickelte er eine ganz neue Technik: Er verlagerte zum Kurvenfahren sein Gewicht, um dann die Ski herumzureißen. Aus den Querfahrten mit Spitzkehre entwickelten Arlberger Skipioniere wie Hannes Schneider den Stemmbogen als Vorläufer des Parallelschwungs. Die sogenannte Arlberg-Technik revolutionierte das Skifahren und lockte immer mehr Gäste an. Der Fremdenverkehr wurde angekurbelt, denn jetzt war es "in", den Winter in den Bergen und auf den Pisten zu verbringen. Die Menschen wollten auf die Gipfel, die Ansprüche stiegen. So entstand 1937 in St. Anton am Arlberg mit der Galzigbahn eine der ersten Gondeln im Alpenraum, die damals 210 Personen pro Stunde in das Skigebiet transportierte.

Zeitsprung

Heute ist St. Anton am Arlberg eine Skidestination mit Weltruf, bekannt für seine anspruchsvollen Pisten, wie der Steilhang im Schindlerkar, die WM-Herren -Abfahrt am Kapall oder dem Eisfall und genießt Kultstatus bei Freeridern. Doch der Arlbergstern leuchtet seit Dezember 2016 noch heller: Mit der Eröffnung neuer Bergbahnen ist St. Anton am Arlberg nun mit St. Christoph, Stuben, Lech und Zürs verbunden, Wintersportler kommen sogar bis nach Warth und Schröcken in Vorarlberg. Damit ist es das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs mit insgesamt 305 Kilometer markierten Abfahrten, 88 Liften und Bahnen. Zudem warten 200 Kilometer jungfräuliches Terrain auf Freerider.

Die Dimension des komplett verbundenen Skigebietes lässt sich am besten auf dem "Run of Fame" erleben: Die neue Skirunde führt mit 85 Kilometern und 18.000 Höhenmetern durch das gesamte Arlberg-Gebiet: Wintersportler steigen morgens in St. Anton auf die Bretter, schwingen später auf den sonnenverwöhnten Hängen von Lech und Zürs, dann zum Abstecher nach Warth und Schröcken und spätnachmittags über die nach dem Film von Hannes Schneider benannte, legendäre Piste "Der Weiße Rausch" wieder hinunter nach St. Anton.

Mit Skischuhen zum Haubenkoch

Das Tiroler Bergdorf mit seinen 2.470 Einwohnern und den Nachbarorten Pettneu, Flirsch und Strengen wird jedoch nicht nur in sportlicher Hinsicht höchsten Ansprüchen gerecht. Auch kulinarisch ist St. Anton am Arlberg der Gipfel für Feinschmecker. Insgesamt sieben Restaurants wurden mit 105 Punkten und 13 Hauben im Gault-Millau-Führer 2018 ausgezeichnet. So serviert  zum Beispiel die Verwallstube am Galzig (zwei Hauben) mitten im Skigebiet auf 2.085 Metern an weiß gedeckten Tischen köstliche Bouillabaisse oder extravagante Seafood-Kreationen. Geschäftsführer Manfred Fahrner hatte vor 29 Jahren die Idee dazu, "am Berg etwas Tolles zu machen, nämlich außergewöhnliche Fischspezialitäten". Der Erfolg gibt ihm Recht, sein Restaurant ist den ganzen Winter ausgebucht. Wer’s jedoch lieber einfach mag, bleibt den beliebten Tiroler Schmankerln treu, die es sowohl auf den 18 Skihütten und Bergrestaurants, als auch in den rund 90 Restaurants der Region gibt.

St. Anton am Arlberg  ist außergewöhnlich – in jeder Hinsicht. Ein Bergdorf, traditionell und modern zugleich, mit der Natur einer gigantischen Gipfelwelt und den Annehmlichkeiten eines weitläufigen Ferienresorts, liefert es die besten Voraussetzungen für einen Winterurlaub de Luxe.

St. Anton am Arlberg

Anreise mit dem Auto:

  • über München, Kufstein oder Fernpass, Landeck, Arlbergroute
  • über Stuttgart, Bregenz, Feldkirch, Bludenz, Arlbergpass bzw. Arlbergtunnel

Anreise mit dem Flugzeug:

  • Innsbruck (A) ca. 110 km
  • München ca. 230 km
  • Friedrichshafen ca. 130 km
  • Memmingen ca. 180 km

Anreise mit der Bahn: Der Bahnhof liegt zentrumsnah, es halten alle wichtigen internationalen Züge.

305 km markierte Skiabfahrten

200 km Varianten im freien Gelände

Längste präparierte Skiabfahrt: 9 km mit einem Höhenunterschied von 1.350 m

6-Tages-Skipass Erwachsene: 289 Euro

Saisonkarte für Kinder bis zum 8. Lebensjahr: 10 Euro

41 km Loipen

ca. 70 km Winterwanderwege (9 Touren)

4 Rodelstrecken, die längste davon mit 4,3 km

Dauer der Skisaison: bis 28. April 2019

Infos: Tourismusverband St. Anton am Arlberg, Dorfstraße 8, A-6580 St. Anton am Arlberg, Telefon +43 5446/2269-0, Fax +43 5446/2532, E-Mail: info@stantonamarlberg.com, Website: www.stantonamarlberg.com

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