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Mercedes-Benz: Das neue Flaggschiff der Transporterflotte Sprinter vernetzt sich mit dem Internet der Dinge

Im Juni will Mercedes-Benz die ersten neuen Sprinter ausliefern. Bei der Fahrpremiere der dritten Generation der Transporter-Ikone ging es aber weniger um PS, Nutzlast oder Laderaummaße. Transportieren wollte Mercedes eine andere Botschaft.

Der neue Sprinter vernetzt sich mit seiner Umgebung. Begriffe wie MBUX (Mercedes-Benz User Experience) oder Mercedes Pro Connect werden die Handwerker zu hören bekommen, wenn sie bei ihrem Händler nach dem neuen Sprinter fragen. Hard- und Software verbinden das Fahrzeug mit dem Internet der Dinge.

Wem das alles zu kompliziert ist, der kann den Sprinter weiterhin als klassischen Transporter kaufen. Nur die MBUX, ein wie eine Zigarettenschachtel großes Steuergerät, wird serienmäßig verbaut. So behält der analoge Sprinter die Option zum späteren Anschluss an die digitale Welt.

Der neue Mercedes-Benz Sprinter

Alexa lässt grüßen

Einen kleinen Einblick in deren Möglichkeiten wollte Mercedes bei Präsentationen und Testfahrten in den Niederlanden vermitteln. Nicht alles klappte auf Anhieb.

Sprachsteuerung

Im Prinzip nichts Neues, aber die Ingenieure haben die Sprachbedienung mit künstlicher Intelligenz aufgewertet – Siri und Alexa lassen grüßen. Jedenfalls schaltete sich die Spracherkennung während der Testfahrt sofort ein, sobald im Cockpit das Wort "Mercedes" fiel. "Was kann ich für Sie tun?", fragte die Stimme aus dem Off. Den Befehl "Navigiere zu ..." verstand die Steuerung allerdings nicht immer. Wenigstens haben die Programmierer dem Phantom ein gewisses Maß an Humor beigebracht. Nach dem dritten gescheiterten Versuch verabschiedet sich die Stimme mit der Aussage: "Heute ist nicht mein Tag."

Navigation/Routenplanung

Via App können von der Firmenzentrale aus Ziele direkt in das Fahrzeug übertragen werden. Das funktioniert selbst für großflächige Baustellen zielgenau, denn Mercedes nutzt als erster Automobilhersteller das Ortungssystem "What3Word", das die Welt in drei Mal drei Meter große Quadrate aufteilt. Jeder dieser Flächen sind drei Wörter zugeordnet, die das Navigationssystem in Koordinaten übersetzt.

Das Werkzeuglager in einem Vorort von Rotterdam zu finden, war mit diesem System kein Problem, auch wenn das Ziel zunächst nicht erkannt wurde, weil am Startpunkt in Leiden gerade keine Funkverbindung bestand. Aber schon nach wenigen Kilometern hatte das Fahrzeug die Peilung aufgenommen und steuerte zuverlässig an die richtige Adresse.

Fahrstilanalyse

Während der Fahrt wurden verschiedene Parameter aufgezeichnet, die sich im Nachgang auswerten und als digitales Fahrtenbuch sogar für das Finanzamt aufbereiten lassen.

Für die Tour von Leiden nach Rotterdam meldete das System keine besonderen Ereignisse wie starkes Bremsen oder Gas geben. Im Prinzip lässt sich damit der Fahrstil auswerten und mit dem anderer Fahrer vergleichen, etwa beim Kraftstoffverbrauch. Dass das nicht unumstritten ist, scheint man bei Mercedes zu wissen. Vor Antritt der Fahrt konnte jeder der Aufzeichnung seiner Daten widersprechen.

Dienste wie die beschriebenen werden unter der Marke Mercedes Pro Connect zum Marktstart als monatliches Mietmodell pro Fahrzeug angeboten. Gebucht werden können acht Pakete, Preise stehen allerdings noch nicht fest.

Diesel dominiert weiter

Ungeachtet aller Diskussionen um Fahrverbote hält Mercedes am Dieselmotor fest. Ein 2,1-l-Vierzylinder in drei Leistungsstufen mit 114, 143 und 163 PS sowie ein 3,0-l-Sechszylinder mit 190 PS bestimmen das Angebot für die bewährten Hecktriebler. Erstmals im Programm ist ein Fronttriebler, der eine um 50 kg höhere Nutzlast und eine um 80 mm niedrigere Ladekante als der vergleichbare Sprinter mit Hinterradantrieb bietet. Dabei kommt erstmals im Transporterbereich eine Automatikschaltung mit neun Gängen zum Einsatz. Eine Sieben-Gang-Automatik wird es beim neuen Sprinter erstmals für den Allradantrieb geben, der für Ende des Jahres avisiert ist. 2019 soll noch ein Elektro-Sprinter folgen.

Im Laderaum des Kastenwagens wurden die Radkästen mit einer neuartigen Verkleidung umbaut, so dass diese nun ebenfalls beladen werden können. Um die laufenden Kosten gering zu halten, wurden die Serviceintervalle erhöht – auf 60.000 km für die Hecktriebler und auf 40.000 km für die Fronttriebler, spätestens aber nach zwei Jahren.

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