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Spezialgebiete: Matten und viel heiße Luft

Textilreinigermeister Stephan Güthler konzentriert sich auf einem schwierigen Markt auf große Teile und pflegt den Gedanken der Nachhaltigkeit

Die Wäscherei Güthler liegt in der Pfluggasse der Memminger Altstadt, unscheinbar und klein. Kein Geschäft, auf das man im Vorbeigehen aufmerksam wird. Muss auch niemand, denn die meisten von Güthlers Kunden suchen eine ganz bestimmte Dienstleistung: die Reinigung von großen Textilien. Das Unternehmen wäscht „alles, was nicht in eine normale Waschmaschine passt“, sagt Inhaber Stephan Güthler. Der Textilreinigermeister hat sich spezialisiert auf Betten, Teppiche, Vorhänge und Pferdedecken. Der größte Teil des Geschäfts deckt jedoch die Vermietung und die Reinigung von Schmutzmatten ab.

Vom Allrounder in die Nische mit Monopolstellung

Güthler bietet vornehmlich anderen Firmen damit eine Dienstleistung, die sie nicht selbst abdecken können. Gerade in Wintermonaten brauchen Hotels, Gaststätten und der Einzelhandel Schmutzmatten in ihren Eingängen oder vor der Verkaufstheke. Damit diese immer sauber und ansehnlich sind, wäscht Güthler die Matten und vermietet sie, auf Wunsch auch mit Firmenlogo. Die Matten werden in einem bestimmten Rhythmus ausgetauscht. Im Raum Memmingen ist Güthler damit der Einzige, der diese Leistung anbietet. Es gibt zwar deutschlandweit agierende Firmen, die Wäsche und Textilien vermieten und regelmäßig austauschen, doch Güthler macht keine Festverträge mit festgelegten Tauschzeiten. Seine Flexibilität schätzen vor allem kleinere Betriebe und lokale Firmen. Das Motto „eine Hand wäscht die andere“ sichert einen großen Kundenstamm. Knapp 600 Firmen- und 800 Privatkunden bedient Güthler mit seiner Reinigung.

Firmengründerin Babette Schüle wusch damals noch alles. Die Urgroßmutter von Stephan Güthler richtete sich vor 101 Jahren ihre erste Wäscherei ein, um als alleinerziehende Frau sich und ihre drei Kinder durchzubringen. Damals wurden vor allem Oberhemden und Kragen der Memminger Oberschicht gewaschen, gestärkt und gebügelt. Die erste Waschmaschine konnte erst nach dem Umzug in die Pfluggasse angeschafft werden. Tochter Maria und Schwiegersohn Johannes Güthler übernahmen die Wäscherei 1935. Nach dem Krieg war Waschmittel rar und die Kunden mussten Holz, Kohle und Seife mitbringen. Das Geschäft wuchs stetig und so wurden 1960 bis zu 2.000 Oberhemden pro Woche bearbeitet. Sohn Gerhard Güthler erweiterte dann das Kundenspektrum auf Arztpraxen, Gasthäuser, Hotels und andere Betriebe. Schon damals führte Güthler den Schmutzmattenservice ein. In Hochzeiten hatte das Unternehmen 35 Mitarbeiter und einen regelrechten Park von insgesamt 30 Maschinen zum Waschen, Pressen, Mangeln und Trocknen.

Heute ist davon nicht mehr viel übrig. Nur noch sechs Mitarbeiter sind bei Güthler beschäftigt. Und die Wäscherei konzentriert sich auf ein Kerngeschäft. Dennoch ist Stephan Güthler damit glücklich. Die Firma läuft gut. Sie bedient eine Nische und hat eine gewisse Monopolstellung im regionalen Raum. Als Stephan Güthler im Jahr 2000 die Firma übernahm, war ihm klar, dass er sie nicht so weiterführen wollte wie seine Eltern. Zum einen schwand der Bedarf an Reinigungsdienstleistungen. Heimisches Waschen und Trocknen ist für die meisten Menschen selbstverständlich. Mangel- und Bügelware wird nur noch selten in die Reinigung gebracht. Zum anderen war es dem Textilreinigermeister den Einsatz nicht wert. Hätte er die Wäscherei, so wie sie war, weiterbetreiben wollen, hätte er auf ein Privatleben verzichten müssen, sagt er. Dann lieber klein und rentabel.

In einer Woche hätte man die Allianz-Arena füllen können

Doch es ist nicht nur die Konzentration auf bestimmte Geschäftsfelder, die ihm ein gutes Auskommen beschert. Güthler ist der Umweltschutz ein großes Anliegen. Die Frage der Nachhaltigkeit sei geradezu sein Steckenpferd. Deshalb hat er sich vor ein paar Jahren damit beschäftigt, wie man den Energieverbrauch der Wäscherei merkbar senken könnte. Es sei ihm immer schon ein Dorn im Auge gewesen, dass die Trockner den ganzen Tag 130 °C heiße Luft ungenutzt ins Freie blasen. 6.000 m3 pro Stunde. Das allein klingt schon nach sehr viel. Doch es wird erst richtig deutlich, welches Volumen dabei zustande kommt, wenn Güthler die Menge mit einem Beispiel verdeutlicht. Er hat ausgerechnet, dass man mit der in einer Woche ausgestoßenen Luft das Volumen der Allianz-Arena füllen könnte.

Diese Luft müsste man doch besser nutzen können, dachte er sich. Warum also nicht einen zweiten Trockner mit der Abluft des ersten Trockners beheizen. Eine Rohrverbindung leitete nun die Abluft in den neuen Trockner. Auch nach der zweiten Trocknung hatte die daraus entweichende Luft eine Temperatur von 85 °C. Auch damit musste sich doch noch etwas anfangen lassen. Güthler entwickelte mit einem befreundeten Handwerker einen Luftwärmetauscher, über den die für die Trockner benötigte Kaltluft durch die immer noch heiße Abluft erwärmt wird. Die so erwärmte Luft geht immerhin mit einer Temperatur von 60 bis 80 °C in das Heizregister des ersten Trockners, wo sie auf 120 bis 150 °C erhitzt wird. Vorher hatte die angesaugte Luft nur 20 °C, brauchte also deutlich mehr Energie, um die nötige Temperatur zu erreichen.

Der ökologische Gedanke steht im Vordergrund

Doch damit nicht genug. Die Luft aus dem Wärmetauscher hat immer noch 50 bis 60 °C Wärme, die in einem Wasserwärmetauscher das für die Waschmaschine genutzte 8 °C warme Wasser auf 50 bis 60 °C erwärmt. Mit den in den vergangenen sieben Jahren entwickelten Wärmenutzsystemen konnte Güthler seinen Ölverbrauch um knapp 50 Prozent senken. Für diese Entwicklungen hat der 41-Jährige im vergangenen Jahr den Branchenpreis „RWin“ der Zeitschrift RWTextilservice bekommen.

Nun hätte sich Güthler vornehmen können, aus diesen Ideen ein Konzept für einen neuen Markt zu entwickeln, um kräftig daran mitzuverdienen. Schließlich haben viele Reinigungen und Wäschereien ähnliche Wärmekreisläufe, doch der Memminger sagt, er konzentriere sich lieber auf seinen Beruf. Das könne er schließlich besser. Gerne stelle er sein Wissen zur Verfügung, aber verdienen will er nicht am Umweltschutz. „Der ökologische Gedanke ist mir wichtiger“, unterstreicht er. Stattdessen investiert er lieber in eine zweite Trockneranlage für 60.000 Euro. Damit wäre er technisch auf dem neuesten Stand. Wird auch Zeit, möchte man ausrufen, wenn man die Waschmaschinen sieht, die Güthler betreibt. Knapp 40 Jahre waschen sie inzwischen schon die Wäsche in Güthlers Wäscherei. „Wozu wechseln?“, fragt Stephan Güthler. An einer Waschmaschine habe sich nichts Grundlegendes geändert: Trommel, Wasserzu- und -abfluss und ein Fach für das Waschmittel. Und kleine Reparaturen? „Die mach ich auch noch selber“, sagt er. Nachhaltiger geht es kaum.

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