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Seriöse und unseriöse Hilfsorganisationen Spenden zur Weihnachtszeit: Darauf sollte man achten

Viele Organisationen buhlen in der Vorweihnachtszeit um Spenden. Längst nicht alle sind seriös. Wie man die wahren Wohltäter erkennen kann.

In der Vorweihnachtszeit laufen die Spendensammler traditionell zur Hochform auf, auch den Betrieben flattert der eine oder andere Bettelbrief ins Haus. Denn Weihnachten ist schließlich das Fest der Liebe – und da ist die Spendenbereitschaft der Deutschen traditionell hoch.

"In den letzten Monaten im Jahr wird erfahrungsgemäß am häufigsten gespendet", sagt Daniela Geue, Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats. "Besonders im wichtigsten Spendenmonat Dezember lassen sich viele Menschen zum Geben motivieren." Ob per Brief, mit der Sammelbüchse oder durch Werbung am Stand in der Fußgängerzone – Hilfswerke und wohltätige Organisationen versuchen auf verschiedensten Wegen, Spenden einzusammeln. Doch wer spenden möchte, sollte sich genau über die Organisation informieren, die er unterstützen will, raten Verbraucherschützer. Denn eine Spende soll schließlich Gutes bewirken und auch bei den Hilfsbedürftigen ankommen. Und längst nicht alle Spendenwerber sind seriös.

Bedürftige wirklich erreichen

Laut einer GfK-Analyse im Auftrag des Deutschen Spendenrats haben die Deutschen im vergangenen Jahr rund 5,2 Milliarden Euro gespendet. In diesem Jahr dürfte das Spendenvolumen ein ähnliches Niveau erreichen.

Doch wenn man spenden möchte: Wem sollte man sein Geld anvertrauen? Und wie kann man sicherstellen, dass das Geld auch wirklich die Bedürftigen erreicht? Nach Angaben von Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, ist es gar nicht so schwer, wahre Wohltäter von unseriösen Trittbrettfahrern zu unterscheiden. "Man darf sich nur nicht blenden lassen." Aggressives Werben und Zeitdruck etwa würden zu jenen psychologischen Tricks zählen, die unseriöse Organisationen benutzen, um an das Geld der Menschen zu kommen, so Hörmann. "Auch wenn sich die Organisation etwa beim Spendenaufruf vor allem grausamer und stark gefühlsbetonter, mitleidserregender Bilder bedient, ist Skepsis geboten." In solchen Fällen solle von einer Spende lieber Abstand genommen werden.

Wenn Spendensammler persönlich im Betrieb auftauchen oder an der Haustür klingeln, sollte man zumindest sehr vorsichtig sein. Bei Bargeldsammlungen sollte man sich immer erst den Personal- sowie den Sammlerausweis zeigen lassen und darauf achten, dass die Sammelbüchse ordnungsgemäß verplombt ist und die entsprechende Bezeichnung der Organisation trägt. Verkäufer von Blindenwerkstätten müssen einen Blindenvertriebsausweis haben. Und Waren von Behinderten werden normalerweise direkt in den Werkstätten verkauft – nicht per Haustürgeschäft.

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Fokus statt Gießkanne

Orientierung im Dschungel der wohltätigen Organisationen bietet das Spenden-Siegel des DZI. Vor Vergabe des Siegels werden unter anderem die Zielsetzung, die Mittelverwendung sowie die Werbung der Organisationen geprüft. Aktuell tragen rund 270 Organisationen das Siegel. Aus einem nicht vorhandenen Siegel lässt sich aber nicht automatisch auf Unseriosität der Organisation schließen. Denn erst ab einem jährlichen Spendenaufkommen von mindestens 25.000 Euro können wohltätige Organisationen das Spendensiegel beantragen – die Kleinen bleiben also außen vor. "Wer einen kleinen Verein oder ein soziales Projekt in seiner Nähe unterstützen will, sollte direkt Kontakt aufnehmen", rät Hörmann. "Arbeitet die Organisation korrekt, wird sie sicher gern auf Fragen antworten und Auskunft über die Verwendung der Gelder erteilen."

Grundsätzlich sollte man nicht nach dem Gießkannenprinzip spenden, sondern die Mittel gezielt auf wenige, sorgfältig ausgewählte Organisationen verteilen, rät DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke. "Das erleichtert die Seriositätsprüfung und mindert den Werbe- und Verwaltungskostenaufwand." Denn wer bei weniger Organisationen als aktiver Spender registriert ist, bekommt auch von weniger Hilfswerken Werbung – und trägt so dazu bei, dass mehr Spendengelder an die Bedürftigen fließen können.

Immer mehr wohltätige Organisationen werben zudem um Fördermitgliedschaften oder Dauerspenden, also um die Bereitschaft, über längere Zeit regelmäßig Zahlungen zu leisten. Prinzipiell ist dagegen zwar nichts einzuwenden. Allerdings kommt es auf die Art der Ansprache und die Information der potentiellen Spender an. Fragen zu Laufzeiten, möglichen Widerrufsrechten sowie Kündigungsfristen sind hier von wesentlicher Bedeutung. Auch die Zahlungsweise sollte gezielt ausgewählt werden.

Spenden von der Steuer absetzen

Der Staat fördert die Spendenbereitschaft von Bürgern und Unternehmen, indem er die wohltätigen Zuwendungen steuermindernd als Sonderausgaben anerkennt. "Sofern Vereine und Stiftungen vom Finanzamt als gemeinnützig, mildtätig oder kirchlichen Zwecken dienend anerkannt sind, können Spenden steuermindernd gelten gemacht werden", sagt DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke. Bei Spenden von Unternehmen dürfen die Zuwendungen zudem nicht in einem wirtschaftlichen Zusammenhang mit den Leistungen des Empfängers stehen.

Kapitalgesellschaften können Spenden unter bestimmten Voraussetzungen als Betriebsausgabe abziehen. Selbstständige und (Personen-)Gesellschafter können Spenden dagegen nicht als Betriebsausgabe absetzen, sondern dürfen sie nur wie Privatpersonen als Sonderausgaben in der persönlichen Einkommensteuererklärung angeben. Stammt die Spende aus Betriebsmitteln, kann sie aber in der Gewerbesteuererklärung geltend gemacht werden und mindert die zu zahlende Gewerbesteuer. Insgesamt können Spenden pro Jahr bis zu einer Höhe von 20 Prozent des Gesamtbetrages der Einkünfte oder vier Promille der Summe der gesamten Umsätze und der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter geltend gemacht werden.

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