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Wahlplakate der SPD SPD-Wahlkampf: Gebäudereiniger sind sauer

Die SPD zieht den Unmut des Handwerks auf sich: Es ist ein Wahlplakat, das für Ärger sorgt. Mit den Gebäudereinigern will die SPD darauf für gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro werben, hat dabei allerdings nicht bedacht, dass in der Branche bereits eine höhere Lohnuntergrenze gilt. Das erregt die Gemüter vieler Innungsmitglieder.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Mindestlohn

Steinbrück bringt die Gebäudereiniger gegen sich auf: Eines der SPD-Wahlplakate sorgt unter den Mitgliedern der Gebäudereiniger-Innung für Unmut. Denn auf dem Plakat sind ein Mann im Blaumann mit einem Besen in der Hand und eine Frau im Putzkittel neben einem Wagen mit Putzutensilien zu sehen. Sie stehen als Symbol für den Slogan: "WIR für den gesetzlichen Mindestlohn."

Die Mitgliedsunternehmen der Gebäudereiniger-Innung sehen sich dadurch aber falsch dargestellt. "Leider regiert in den Köpfen der Menschen immer noch das Bild der 'armen' Reinigungskraft", sagt Johannes Bungart, Geschäftsführer der Innung. Das seien jedoch veraltete Klischees.

Gebäudereiniger haben seit langem Mindestlohn

Ein zusätzlicher Aufreger: Das Thema Mindestlohn, das auf dem Plakat beworben wird. Denn die SPD will im Falle eines Wahlsieges einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro einführen. Bei den Gebäudereinigern gilt aber derzeit bereits ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn von 9,00 Euro. Lediglich in den neuen Bundesländern liegt die Lohnuntergrenze mit 7,56 Euro unter den von der SPD geplanten 8,50 Euro.

"Es ist schade, dass ausgerechnet mit einem Handwerk, das seit Jahrzehnten tarifliche Mindestlöhne und weitergehende allgemeinverbindliche Rahmenbedingungen hat, jetzt die Notwendigkeit eines gesetzlichen Mindestlohnes begründet wird", erläutert der Geschäftsführer den Ärger der Gebäudereiniger-Betriebe.

Bungart: Mit Berufsgruppen werben, die betroffen sind

Meistens, wenn es darum gehe, die Notwendigkeit eines gesetzlichen Mindestlohns zu begründen, würden Gebäudereiniger als Beispiel herangezogen. Das nerve nicht nur die Mitgliedsbetriebe der Innung, sondern auch deren Angestellten. "Die internen Reaktionen auf das Plakat waren daher zum Großteil unfreundlich", erläutert Bungart gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung. "Es wäre wünschenswert, mit Berufsgruppen zu werben, die wirklich betroffen sind." Und von denen gebe es einige.

Die SPD hat inzwischen reagiert und erklärt, der Mann, der auf dem Wahlplakat zu sehen ist, sei kein Gebäudereiniger – er sei ein Hausmeister. sch

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