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Corona-Krise Sparkassen-Umfrage: Vorerst keine Pleitewelle im Mittelstand

Viele Mittelständler können nach einer Umfrage der Sparkassen die Corona-Krise verkraften. Je nach Branche und Größe fällt die Widerstandskraft unterschiedlich aus.

Dieser Artikel ist Bestandteil der Themenpakete Coronavirus und Insolvenz und Liquiditätssicherung

Die Rücklagen aus vergangenen Jahren haben vielen mittelständischen Betrieben bisher gut durch die Corona-Krise geholfen. "Die Krise traf den Mittelstand zwar unerwartet, aber nicht unvorbereitet", sagte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) zu einer Umfrage des Verbandes unter rund 300.000 mittelständischen Firmenkunden. "Über alle Branchen hinweg erwarten wir einen Umsatzrückgang von 5,7 Prozent", fügte er hinzu. Einzelne Branchen seien aber deutlich stärker als andere betroffen.

Sparkassen rechnen nicht mit großer Pleitewelle

Insgesamt seien die Gewinne mit einem Minus von 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau deutlich stärker eingebrochen als die Umsätze. Dennoch könnten die Unternehmen im Schnitt noch eine Umsatzrendite von 3,5 Prozent erwirtschaften. Viele Unternehmen hätten im Laufe der Krise auch ihr Geschäftsmodell angepasst, digitale Absatzwege erschlossen oder ihr Sortiment angepasst. Eine große Pleiteweile erwartet der Verband in den nächsten Monaten nicht. Rund drei Viertel der befragten Firmenkundenberater rechnen damit, dass im nächste halben Jahr weniger als zwei Prozent ihrer mittelständischen Firmenkunden Insolvenz anmelden müssen.

Branchen sehr unterschiedlich betroffen

Besonders unter den Folgen der Corona-Krise zu leiden haben laut DSGV-Umfrage das Gastgewerbe, die Tourismusbranche, die Autohersteller, die Kreativwirtschaft sowie das Messe- und Eventgeschäft. Sie müssten mit deutlichen Umsatzeinbußen rechnen. Das Baugewerbe, sowie das Gesundheits- und Sozialwesen blieben dagegen weiter auf Wachstumskurs und könnten 2020 mit einer Umsatzrendite von 6,1 beziehungsweise noch 0,5 Prozent rechnen. Im Gastgewerbe ist jedoch mit einem Minus bei der Umsatzrendite von fast 13 Prozent zu rechnen.

DSGV: Hilfen der Politik von immenser Bedeutung

Wie Schleweis weiter sagte, werden die meisten Unternehmen die Krise aus eigener Kraft schaffen, weil sie in den vergangenen Jahren Liquiditätspuffer und Eigenkapitalbestände aufgebaut haben. Mit einer Eigenkapitalquote von 39 Prozent sei der Mittelstand ausreichend kapitalisiert, um Verlusten begegnen zu können. Andere Unternehmen würden dagegen hart getroffen. "Gerade für diese Unternehmen waren und sind die zahlreichen Unterstützungsmaßnahmen der Politik von immenser Bedeutung", betonte er. Auch kleine Betriebe und Soloselbstständige verfügten oft über keine ausreichenden Reserven, um eine solche Krise über Monate alleine durchzustehen.

Investitionsbereitschaft hält an

Positiv bewertete Schleweis, dass viele Mittelständler trotz der Krise investierten. So hätten die Sparkassen ihre Kreditvergabe im ersten Halbjahr um 54 Milliarden Euro ausgeweitet. Davon entfielen 39 Milliarden Euro auf Investitionen. Andere Kredite würden darüber hinaus dafür genutzt, um Liquiditätspolster aufzubauen.

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