Dresden -

Sonnengelbe Aussichten für Azubis

In der Metallbau und Trockenbau GmbH in Priestewitz hat der Nachwuchs gute Perspektiven

Wochenlang sahen Dietmar Rothe und seine sieben Mitarbeiter der Metallbau und Trockenbau Dietmar Rothe GmbH in Priestewitz bei Großenhain nur gelb – sonnengelb, um genau zu sein. Das Unternehmen hat zwischen Februar und Juli dieses Jahres Module für Hopfenpflückmaschinen gebaut – „auf Wunsch des Kunden in Sonnengelb“, wie Geschäftsführer Rothe sagt. Zehn Saugwind- und sieben Pflückermaschinen stellte die Firma her. Einige wurden im September gleich in der Nachbarschaft bei der Hopfenernte eingesetzt.

An der Produktion der Maschinen waren die beiden Lehrlinge Chris Ulbricht und Axel Schnee (beide 19 Jahre alt) mit beteiligt. „Wir binden die Lehrlinge dort ein, wo sie am meisten lernen“, sagt Dietmar Rothe über die Lehrausbildung im Betrieb. „Aufgeweckt, selbstständig und mit einer schnellen Auffassungsgabe“ – so beschreibt der Chef seine beiden Metallbaulehrlinge, die gerade das dritte Lehrjahr begonnen haben. „Zwei Glücksgriffe“, sagt Dietmar Rothe und ist sichtlich stolz auf seinen Handwerksnachwuchs.

Gute Fachkräfte nur durch eigene Ausbildung

Dass er sich den allein heranziehen muss, hat der gelernte Agrotechniker und Meister für Landtechnik und Instandhaltung in den vergangenen Jahren verinnerlicht. „Seit zwei Jahren suche ich über das Arbeitsamt einen guten Metallbauer. Einige Leute wurden mir vorbeigeschickt, aber eine gute Fachkraft war nicht dabei.“

Deshalb setzt der Unternehmer auf die eigene Lehrlingsausbildung. Das vorherige Auswahlverfahren komme jedoch immer mehr der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich. 15 Bewerbungen zum Metallbauer hatte Dietmar Rothe noch vor fünf Jahren jährlich auf dem Tisch. „Heute sind es fünf, und dann meist Schüler mit schlechten Zensuren, die eigentlich gar nicht wissen, was sie werden wollen“, beschreibt er seine Erfahrungen.

Deshalb hat er zugegriffen, als Chris Ulbricht und Axel Schnee während eines Berufsgrundbildungsjahres ein Praktikum bei ihm machten und sich „geschickt anstellten und willig zeigten“, so der Chef. Die Berufsperspektiven für die beiden jungen Männer sind im Unternehmen viel versprechend. „Wenn sie weiter so gute Leistungen zeigen und die Auftragslage stabil bleibt, dann übernehme ich die beiden nach der Lehre“, blickt Dietmar Rothe voraus.

Die Lehrlinge freut dies: So eine Aussicht sei super und motiviere noch mehr, jeden Tag zur Arbeit zu fahren, sagt Chris Ulbricht, der in einem Nachbarort von Priestewitz wohnt. Mit ihrem Ausbildungsplatz hätten sie einen sehr guten Griff gemacht, antwortet Axel Schnee auf die Frage, wie ihm die Lehre gefalle. „Die Arbeit ist durch die verschiedenen Aufträge sehr abwechslungsreich. Mal arbeiten wir in der Werkstatt und mal können wir auch raus auf Baustellen.“ Wie im vergangenen Herbst, als die beiden bei Dauerregen gemeinsam mit ihren Kollegen das Stahlgerüst einer neuen Tankstelle in Großenhain gebaut haben. „Die beiden haben, ohne zu murren, kräftig mit angepackt“, lobt der Chef. Diese Leistungsbereitschaft kennzeichne alle seine Mitarbeiter. „Es ist eine gute Truppe. Alles Leute, auf die ich mich verlassen kann.“ Der Stolz auf seine Mitarbeiter ist Dietmar Rothe anzumerken. Einige seien bereits seit der Gründung der Firma im Jahr 1991 dabei.

Damals ist aus einer ehemaligen LPG-Werkstatt die Metallbau und Trockenbau Dietmar Rothe GmbH hervorgegangen. „Zuerst haben wir uns auf die Reparatur und den Verkauf von Landtechnik konzentriert. Doch ab 1995 wurde der Bereich Bautechnik zum wesentlichen Standbein“, so Rothe. „Jede müde Mark“ habe er in Maschinen investiert „und heute sind wir eine der bestausgerüsteten Metallbauwerkstätten rund um Großenhain.“

Qualifikation ist Bedingung für Qualitätsarbeit

Bei der Suche und Auswahl von Aufträgen orientiert sich das Unternehmen meist regional in Sachsen und Südbrandenburg. „Weiter zu fahren lohnt sich selten, da bleibt das Geld auf der Straße“, sagt der Geschäftsführer mit Blick auf die hohen Kraftstoffpreise. So haben die Priestewitzer schon Maschinen für zwei große Papierfirmen im südlichen Brandenburg ausgerüstet und für den Energiekonzern Vattenfall Feuerlöschcontainer gebaut. Eine enge Zusammenarbeit bestehe auch mit einigen Architektenbüros, „und für Schmieden und Schlossereien aus der Region übernehmen wir Edelstahlarbeiten“, so der Chef.

Die Qualität der angefertigten Produkte hat für Dietmar Rothe oberste Priorität. Damit die stimmt, achtet er auch auf die nötige Weiterbildung seiner Mitarbeiter. So steht er zum Beispiel in regelmäßigem Kontakt mit Martina Mayer, Kundenberaterin im Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) der Handwerkskammer Dresden in Großenhain. Mit ihr bespricht der Unternehmer, welche neuen Fortbildungen es im Metallbau gibt und wo Bedarf bei seinen Mitarbeitern besteht.

Nachfolge rechtzeitig geklärt: Mit der Firma geht es weiter

So findet die überbetriebliche Lehrunterweisung der beiden Lehrlinge im BTZ Großenhain statt und einer seiner Mitarbeiter habe dort die Meisterausbildung im Metallbau absolviert. „Mein Nachfolger“, wie Rothe sagt. Mit 56 Jahren habe er zwar noch etwas Zeit bis zur Betriebsübergabe, doch er sei froh, dass diese Frage schon geklärt sei. „Mit der Firma geht es auf jeden Fall auch nachdem ich in den Ruhestand gegangen bin weiter.“ Ein gesunder Optimismus, ein Blick auf das Erreichte und das Wissen, hervorragende Mitarbeiter und ein gut aufgestelltes Unternehmen zu haben, geben Dietmar Rothe diese Gewissheit. „Nur über die Lehrlingsausbildung und damit über die Fachkräftegewinnung muss ich mir in den nächsten Jahren noch mehr Gedanken machen“, blickt der Chef in die nahe Zukunft. Ihm schweben dabei Kooperationen mit Schulen der Region vor, „um den Schülern zu zeigen, was wir hier machen und welche interessanten Perspektiven der Beruf Metallbauer bietet“, so Rothe.

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