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Pro und Contra Sachgrundlose Befristung: Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer sagen

Union und SPD haben sich nach langem Ringen in den Koalitionsverhandlungen auf einen Kompromiss bei der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen geeinigt. Die Deutsche Handwerks Zeitung hatte sich im Vorfeld die Argumente von je einem Arbeitgeber- und einen Arbeitnehmervertreter zum Thema angehört.

Die SPD erhoffte sich, dass durch die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung die Zahl der befristeten Jobs insgesamt gesenkt werden kann. Aktuell arbeitet etwa jeder sechste Arbeitnehmer zwischen 24 und 35 Jahren befristet. Die Union lehnte eine Abschaffung ab. Sie befürchtete, dass Arbeitgeber andernfalls ein Instrument zum flexiblen Einsatz von Arbeitskräften verlieren würden.

Am Ende einigten sich die Parteien laut Medienberichten auf einen Kompromiss. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen sollen sachgrundlos befristete Arbeitsverträge künftig gesetzlich auf eineinhalb statt bisher zwei Jahre begrenzt sowie endlose Kettenbefristungen abgeschafft werden.

Wir haben Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter vorab gefragt, wie sie zur Abschaffung der sachgrundlosen Befristung stehen:

Pro: "Arbeitnehmer hängen in der Warteschleife"

Annelie Buntenbach ist Vorstandsmitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

"Bis 1985 war es normal, Arbeit nur in begründeten Fällen zu befristen. Mit dem so genannten Beschäftigungsförderungsgesetz wurde diese Prämisse – gegen den Widerstand der Gewerkschaften – über Bord geworfen. Fortan galt: Besser befristete Arbeit als gar keine. Die positive Wirkung von Befristungen auf den Arbeitsmarkt ist zwar bis heute nicht belegt, aber Befristungen sind zum Massenphänomen geworden: 2015 waren 3,2 Millionen Jobs befristet, 42 Prozent aller Neueinstellungen waren befristet.

Arbeitgeber mag das freuen, sie nutzen Befristungen gerne als verlängerte Probezeit. Arbeitnehmer aber hängen in der Warteschleife: Kredit? Fehlanzeige! Neue Wohnung? Da gibt es andere Bewerber mit festem Job! Und je länger befristet gearbeitet wird, desto größer werden die Lohnunterschiede, weil Befristete seltener von Lohnerhöhungen, Aufstiegs- und Weiterbildungsangeboten profitieren. Das schlägt dann bis zur späteren Rente durch.

Höchste Zeit, die sachgrundlose Befristung wieder abzuschaffen und eine gute Zeit obendrein: Fachkräfte werden gesucht und der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig. Sachgrundlose Befristungen sind schlichtweg überflüssig. Den Arbeitgebern blieben immer noch acht Sachgründe, aus denen sie Jobs befristen können – das sollte genügen."

Contra: "Treiber der Befristung ist die öffentliche Verwaltung"

Peter Clever ist Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA).

"Gute Politik beginnt mit dem korrekten Blick auf die Wirklichkeit. Und Fakt ist: Acht Prozent aller Beschäftigungen in Deutschland sind befristet, Befristungen sind also schon jetzt die Ausnahme. Der freche Versuch der SPD, die wahre Lage ins krasse Gegenteil zu verkehren, kann zu keiner guten Politik führen.

Treiber und Vorreiter bei Befristungen ist mit über zehn Prozent unbestritten die öffentliche Verwaltung. Die Privatwirtschaft hält sich stärker zurück, doch die Befristungen in Höhe von sieben Prozent braucht sie, und sie geht verantwortungsvoll damit um: Von den befristet beschäftigten Arbeitnehmern erhalten drei Viertel eine Anschlussbeschäftigung, mehr als 40 Prozent werden unmittelbar in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.

Eine befristete Beschäftigung schafft besonders für nicht ganz überzeugende Berufseinsteiger oder regelrechte "Problemfälle" die einzige Möglichkeit, überhaupt eingestellt zu werden.

Die Abschaffung solcher Befristungen wäre sozialpolitisch unverantwortlich und hätte zusätzliche beschäftigungsschädliche Wirkung: Denn wenn sich die Konjunktur eintrübt und die Auftragslage für Unternehmen unsicherer wird, ist Befristung die einzig realistisch Alternative zum Einstellungsstopp."

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