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Wartungsverträge kein Standard und wenig Kontrolle Solarthermie-Anlagen: Unbemerkt außer Funktion

Solarthermie-Anlagen sind Teil der Energiewende und werden staatlich gefördert. Sie sollen warmes Wasser liefern und auch die Gebäudeheizung unterstützen. Viele Anlagen erzeugen allerdings weniger Energie als möglich wäre. Das Problem: Wartungsverträge sind kein Standard – genauso wenig wie der Einbau von Wärmemengenzählern.

Seit dem das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahre 2000 ins Leben gerufen wurde, steigt die Zahl der Solarstromanlagen, die eine feste Einspeisevergütung erhalten an – mal mehr und mal weniger stark. Mit der Nutzung von Gebäudedächern zur Energieerzeugung erlebten in Deutschland auch Solarthermie-Anlagen, die statt Sonnenstrom warmes Wasser in Solarmodulen auf den Dächern erzeugen, einen Aufschwung. Sie werden entweder nur für die Warmwasserversorgung genutzt oder zusätzlich auch in das Heizsystem eingespeist. Für Hausbesitzer kann das – je nachdem, wie der Kollektor in Richtung Sonne ausgerichtet ist und wenn es viel Sonne gibt – eine ordentliche Energieeinsparung bedeuten. Zusätzlich Geld verdienen, ließ sich damit im Vergleich mit den Sonnenstromerzeugern jedoch noch nie.

Da in der letzten Zeit die Preise für Heizöl und Gas stark gesunken sind und die Strompreise weiter steigen, verlieren jedoch viele Verbraucher derzeit das Interesse an Solarthermie-Anlagen. Solarstrom-Anlagen fürs Eigenheim scheinen vielen profitabler – einerseits weil man mehr Energiekosten sparen kann und andererseits weil die Anlagenpreise stark gesunken sind. So steigen die Installationszahlen von Photovoltaikanlagen trotz sinkender Einspeisevergütung weiter an. Thermische Solaranlagen haben nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) im Geschäftsjahr 2017 dagegen einen Rückgang um 16 Prozent erlebt. "Der Boom der Solarthermie ist durch den Boom zur Photovoltaik im Wettkampf um die Belegung von Dachflächen und um die Investitionen der Gebäudeeigentümer abgelöst worden", erklärt das Frank Ebisch, der Sprecher des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK).

Solarthermie-Anlagen im Test: Viele könnten mehr Energie liefern

Obwohl Solarthermie-Anlagen dennoch eine gute Alternative für diejenigen darstellen, die in eine Wärmequelle aus erneuerbaren Energien investieren wollen – und eine staatliche Förderung über das Marktanreizprogramm des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) besteht schließlich weiterhin – geraten sie derzeit in die Kritik. Der Grund: Die Energieberatung der Verbraucherzentrale hat 1.849 Solarthermie-Anlagen in privaten Wohngebäuden überprüft und festgestellt, dass viele davon mehr Energie liefern könnten. Zu den untersuchten Anlagen gehörten sowohl solche, die nur Warmwasser (764 Solaranlagen) und solche, die auch eine Heizungsunterstützung (1.085 Anlagen) bieten.

Hatten die Verbraucherzentralen in den letzten Jahren bereits thematisiert, dass Wärmepumpen und Brennwertkessel in der Praxis oft nicht halten, was ihre Anbieter in der Werbung versprechen, so haben sie nun die Solarwärme-Anlagen genauer unter die Lupe genommen und auch hier Schwachstellen entdeckt. Die Solarwärme-Checks der Energieberatung der Verbraucherzentrale der vergangenen Jahre zeigen aber auch, an welchen Stellen man nun nachbessern könnte, damit die Anlagen effizienter werden – und dann auch vielleicht wieder mehr an Beliebtheit gewinnen. Das SHK-Handwerk spielt dabei eine wichtige Rolle.

Solarthermie-Anlagen liefern zu wenig Energie: Die zentralen Ergebnisse der Studie

  • Bei über 65 Prozent der thermischen Solaranlagen konnte die Effizienz nicht mit den vorhandenen Einrichtungen überprüft werden. Es war kein Wärmemengenzähler eingebaut.
  • Bei der knappen Hälfte der Anlagen gab es Probleme oder Reparaturen waren dringend nötig.
  • Sieben Prozent der Anlagen funktionierten gar nicht.
  • Für 58 Prozent der Anlagen lagen keine Dokumentationsunterlagen vor.
  • Fast zwei Drittel der Anlagenbesitzer haben keinen Wartungsvertrag abgeschlossen.Zusätzlich genügt die Mehrzahl der Anlagen nicht den gesetzlichen Anforderungen an die Dämmung von Leitungen und Armaturen.

Quelle: vzbv

Im Kern geht es darum, dass es – wie bei jedem anderem technischen Gerät auch – passieren kann, dass ein Fehler auftritt, dass etwas repariert werden muss oder dass eine Anlage mit der Zeit nicht mehr so effizient arbeitet wie bei der Inbetriebnahme. Das Problem bei Solarthermie-Anlagen ist jedoch, dass diese meist an ein normales Heizungssystem angekoppelt sind und wenn sie ausfallen oder weniger Leistung bringen, gleicht die andere Heizung dies aus. "So kann es lange unbemerkt bleiben, bis auffällt, dass gar keine Solarwärme geliefert wird", erklärt Stefan Materne, Referent Versorgungstechnik bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Einen Komplettausfall erlebten die Berater der Verbraucherzentralen bei sieben Prozent der Solarthermie-Anlagen. Der Unterschied: Bei einem Ausfall des Heizkessels spürt man das sofort – dann bleibt es kalt.

Solarthermie-Anlagen: Wärmemengenzähler kein Standard

Eine Kontrollmöglichkeit wiederum haben die Anlagenbesitzer nur dann, wenn sie einen sogenannten Wärmemengenzähler mit eingebaut haben. Dabei werden die erzeugten kWh an Wärme erfasst. Genau diesen hatten jedoch 65 Prozent der überprüften Solarthermie-Anlagen nicht und die Hausbesitzer wussten somit nicht, wann, wie viele und ob überhaupt ihre Anlagen wie viel Wärme vom Dach bekommen haben. So fielen auch Fehler nicht auf, die dafür gesorgt haben, dass die mögliche Leistung nicht erzielt werden konnte. Reparaturen wären in 48 Prozent der Fälle dringend nötig gewesen, doch sie blieben unentdeckt bis zu den Solarwärme-Checks.

Die Energieberatung der Verbraucherzentralen rät deshalb dringend dazu, dass zusammen mit einer Solarthermie-Anlage immer ein Wärmemengenzähler installiert werden sollte. Das sei bislang nicht standardmäßig und sollte nach Ansicht der Verbraucherschützer eine Voraussetzung für den Erhalt von öffentlichen Fördermitteln werden. "Bei Wärmepumpen ist es eine verpflichtende Förderbedingung, bei Solarwärme aber nicht", sagt Stefan Materne. Genau hier ist nach Angaben des ZVSHK derzeit jedoch schon einiges ‚in Bearbeitung‘: "Der Einbau von Wärmemengenzähler wird bei neuen geförderten Anlagen vom Fördergeber bereits eingefordert. Davor wurden die Anlagen vermutlich eher kostenbewusst konzipiert", sagt Frank Ebisch.

Stefan Materne gibt zudem den Tipp: "Eine Nachrüstung eines solchen Zählers ist auf jeden Fall teurer, als wenn man ihn direkt bei der Erstinstallation der Anlage mit einbauen lässt."

Viele Solarthermie-Anlagen nicht regelmäßig gewartet

Ein weiterer sehr bedeutender Mangel, den die Solarwärme-Checks aufdeckten, was dass der Großteil der Anlagenbesitzer diese nicht regelmäßig warten lässt bzw. kein Wartungsvertrag mit einem Fachhandwerker abgeschlossen war. Nur 32 Prozent hatten einen solchen Vertrag abgeschlossen. Laut Stefan Materne sollte das aber Standard sein und wäre meist günstiger, wenn dies der Handwerksbetrieb übernimmt, der auch die Anlage installiert. Doch Materne macht bei diesem Thema dem Handwerk einen Vorwurf: „Handwerksbetriebe verdienen mit der Installation von Neuanlagen mehr als mit Wartungen und deshalb bieten sie diese nicht immer von sich aus an“, sagt er – das sei schließlich eine freiwillige Leistung. In Zeiten, in denen die Branche sich vor Aufträgen quasi gar nicht retten kann, mag dies marktwirtschaftlich verständlich sein.

Aus Sicht von Branchevertretern wie Frank Ebisch stellt sich die Realität aber anders dar: " Wartungsverträge sind Kundenbindungsinstrumente. Deshalb werden die natürlich von unseren Betrieben angeboten", sagt er und ergänzt: "Bei Heizungsanlagen liegen wir bei rund 60 Prozent aller Anlagen, bei denen Wartungsverträge bestehen." Der Vorwurf der Verbraucherzentralen sei daher Unsinn. Das Geschäftsfeld rangiert bei allen konjunkturellen Erhebungen des Verbands weit vor der Heizungsmodernisierung oder Badbau.

Die Berater der Verbraucherzentralen haben bei ihren Checks aber noch mehr vermeintliche Mängel erkannt, die damit zu tun haben, dass sich die Anlagenbetreiber zu wenig mit der installierten Technik auskennen: mangelnde Aufklärung. "Bei jedem technischen Gerät sollte eine Einweisung durch den Fachhandwerker stattfinden, aber in der Praxis überprüft das keiner", sagt Stefan Materne. Genau dies geschehe auch bei den Solarthermie-Anlagen. "Im besten Fall hat man nach der Installation der Solarthermie-Anlage einen dicken Ordner in der Hand mit allen Unterlagen: der Bedienungsanleitung, allen technischen Beschreibungen und einem Übergabeprotokoll des Handwerkers mit den technischen Einstellungen bei der Inbetriebnahme", sagt Materne, der selbst eine Ausbildung im SHK-Handwerk absolviert hat.

Nischenthema Solarthermie? SHK-Branche wehrt sich

Er rät zudem dazu, dass die Anlagenbesitzer darüber aufgeklärt werden sollten, wie diese im Prinzip funktionieren und welche Fehler auftreten können. "Nur wer seine Anlage kennt, dem fällt auch auf, wenn sie nicht richtig funktioniert", sagt er. Damit können man auch vermeiden, dass es Probleme gibt, wenn der Servicehandwerker wechselt bzw. wenn man bei einem Problem einen anderen Handwerker beauftragt als den, der die Anlage installiert hat. Man könne dann einfach den Ordner mit allen Unterlagen weiterreichen. Die aktuelle Untersuchung ergab jedoch, dass die meisten Anlagenbesitzer keine Dokumentationsunterlagen hatten. Nur 38 Prozent hatten diese vorliegen. Zunehmend werden Herstellerinformationen in jüngster Zeit auch in digitaler Form weitergegeben.

Zu den Fehlern auf Seiten des SHK-Handwerks konnte es laut Materne vor allem deshalb kommen, da die meisten Heizungsmonteure so selten mit dem Thema Solarthermie in Berührung kommen. Mehr und bessere Schulungen sollten dem Vertreter der Verbraucherzentralen zufolge schon während der Ausbildung im SHK-Handwerk stattfinden. "Das Thema ist natürlich eine Nische in der Branche, aber dennoch eine wichtige", sagt er. Zudem stellt er fest, dass einige Hersteller von Solarthermie-Anlagen anbieten, dass bei der Installation ein Experte des Herstellers kostenlos mit dem Handwerker zum Kunden geht und dort die Funktionen erläutert. "Doch dieses Angebot nehmen viele Fachbetriebe nicht an."

Als Nische will Frank Ebisch die Solarthermie nicht bezeichnen, da sie zum immer wichtiger werdenden Themenbereich der erneuerbaren Energien gehört. "Das spielt bei der Ausbildung natürlich eine immer wichtigere Rolle", sagt er. Gerade im Hinblick auf den Markt der Zukunft wäre es geradezu fahrlässig, derartige Themen zu missachten.

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