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So tickt der neue Bundespräsident

Joachim Gauck wird im März zum elften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Was treibt den ehemaligen Pastor und Bürgerrechtler an?

Joachim Gauck – diesen Namen verbinden viele mit einer politischen Idee für die Freiheit. Kommenden Monat soll der ehemalige DDR-Bürgerrechtler zum elften deutschen Bundespräsidenten gewählt werden.

Doch wie denkt der Mann, der jetzt alles ganz anders machen soll als sein Vorgänger?

Gaucks Weltbild ist evangelisch-lutherisch geprägt, er war selbst einst evangelischer Pastor. Als Protestant und aktiver Wortführer der Kirche kann er in einem Atemzug mit seinen Vorgängern Roman Herzog oder Johannes Rau genannt werden.

Den Sozialismus hat der 72 Jahre alte, gebürtige Rostocker früh als Unrechtssystem kennengelernt. Als Pastor trat er in der DDR für Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung ein und geriet so ins Visier der Staatssicherheit. 1990 war er in der Bürgerbewegung "Neues Forum" aktiv, nach der Wende leitete er die Stasiunterlagenbehörde („Gauck“-Behörde).

"Linker, liberaler Konservativer"

Der parteilose Gauck bezeichnet sich selbst geschickt als „linken, liberalen Konservativen“ oder „aufgeklärten Patrioten“. In eine Schublade ist er so nicht zu stecken. Und er muss nicht alles gut finden, er will nicht um jeden Preis „politisch korrekt“, er ist ideologiefrei.

Dass er „Hartz IV“ verteidigt, ärgert die Linke maßlos. Auch findet er die aktuelle Occupy-Bewegung gegen die Bankenkonzerne „unsäglich albern“ und den Afghanistan-Krieg notwendig. Schon zu DDR-Zeiten als Bürgerrechtler hat er die Linken gegen sich aufgebracht.

Ein großer Vertrauensvorschuss ist Gauck sicher. Er soll das „Gegengift“ („Spiegel Online“) zum zurückgetretenen Christian Wulff sein. Gaucks Stärke liegt vor allem in seiner Glaubwürdigkeit und Authentizität. Dies ist unabdingbarer denn je für den nächsten Bundespräsidenten. bur

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