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Nicht alle Branchen auf einem Niveau So steht es um die Digitalisierung im Handwerk

Das Handwerk belegt laut einer Studie der Deutschen Telekom bei der Digitalisierung in der Gesamtwirtschaft einen Platz im Mittelfeld. Allerdings ist der Digitalisierungsgrad branchenabhängig. Welche Gewerke vorne dabei sind - und wo noch Aufholbedarf besteht.

Die Betriebe machen Fortschritte bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. So hat sich das Handwerk laut der neuen Digitalisierungsstudie der Deutschen Telekom gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert. Der Indexwert, in den Faktoren wie Kundenbeziehung, Produktivität, Geschäftsmodelle und IT-Sicherheit sowie Datenschutz einfließen, stieg um einen Punkt auf 57. Damit schneidet das Handwerk leicht besser ab als die Gesamtwirtschaft (56).

IT-Sicherheit ist Betrieben am wichtigsten

Bei der Digitalisierung an erster Stelle steht für das Handwerk das Thema IT-Sicherheit. In diesem Bereich werden bereits 65 von 100 möglichen Punkten erreicht. Am geringsten fällt das Ergebnis hingegen im Bereich digitale Angebote und Geschäftsmodelle aus (51 Punkte). Allerdings lässt sich das Gesamtergebnis nicht einfach auf jede Branche im Handwerk übertragen. So differenziert die Studie zwischen den Betrieben für den gewerblichen Bedarf, den Privatbereich und das Bauhandwerk. Am weitesten fortgeschritten ist die Digitalisierung bei den industrienahen Betrieben für den gewerblichen Bedarf. Insbesondere die Zulieferer aus dem Handwerk sind deutlich überdurchschnittlich digitalisiert (62 Punkte). Mit relativ großem Abstand folgen die Betriebe für den privaten Bereich (53 Punkte) und die Baubranche (52 Punkte).

In welche Maßnahmen investieren die Betriebe konkret? Für die Zulieferer steht das Thema Automatisierung und Produktivitätssteigerung ganz oben auf der Agenda. Fast die Hälfte aller Firmen (47 Prozent) kann bereits von der Auftragsannahme bis zur Auslieferung eine durchgängig automatisierte Prozesskette vorweisen. Auch die digitale Kontrolle von Wartung und Instandhaltung der Maschinen gewinnt an Bedeutung. Laut der Betriebe lassen sich so die Effizienz der Prozesse (89 Prozent) verbessern und ungeplante Ausfallzeiten ver­ringern.

Web-Konfiguratoren und digitale Zeiterfassung

Bei den Betrieben für den privaten Bedarf wie etwa Friseure oder Bäcker steht wenig überraschend der digitale Kundenservice an erster Stelle. So lässt sich etwa bei vielen Friseuren inzwischen auch über die Website ein Termin buchen. In anderen Branchen, wie etwa den Schreinern, werden Web-Konfiguratoren immer beliebter, mit denen Kunden ihre Produkte und Services individuell auswählen und gestalten können.

Das Bauhandwerk hat noch am meisten Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Laut den Analysten fehlt den Betrieben aufgrund der hervorragenden Auftragslage einfach die Zeit, sich diesem Thema zu widmen. Zu den schon heute häufig genutzten Digitalanwendungen zählt die elek­tronische Arbeitszeiterfassung und die Tourenplanung per App auf dem Smartphone.

Kosten und Zeitmangel hemmen Digitalisierung

Diejenigen Betriebe im Handwerk, die einen hohen Digitalisierungsgrad aufweisen, sind laut der Studie in der Regel auch zufriedener mit ihrer wirtschaftlichen Situation. Allerdings gibt es auch wichtige Gründe, die einer schnellen Digitalisierung im Weg stehen können. Zu den meistgenannten Hemmnissen zählen die befürchteten Investitionskosten (35 Prozent), der Zeitmangel und die Sicherstellung des Datenschutzes (28 Prozent).

Zu den großen Zukunftsthemen der Digitalisierung gehören Künstliche Intelligenz und Robotik. Etwa drei von vier befragten Betrieben glauben, dass diese beiden Trends künftig neue Geschäftschancen bieten werden. Allerdings dürfte es noch ein paar Jahre dauern, bis diese Themen in der Breite genutzt werden. Aktuell haben nur sechs Prozent der Betriebe KI-Anwendungen im Einsatz. Immerhin 24 Prozent planen den Einsatz innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Betrieben stehen verschiedene Fördermöglichkeiten für die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse zur Verfügung. Dazu zählen u. a. der Digitalbonus in Bayern und die Digitalisierungsprämie in Baden-Württemberg. Mehr Informationen erhalten Sie bei Ihrer zuständigen Handwerkskammer.

Den vollständigen Digitalisierungsindex der Deutschen Telekom können Sie hier herunterladen.

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