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Graffiti-Entfernung So sorgen Handwerker für neuen Glanz im Kölner Dom

Kleine Malereien, Graffiti und Kaugummireste – über die Jahre haben viele Besucher ihre Spuren im Kölner Dom hinterlassen. Über mehrere Wochen entfernte die Wiesbadener Spezialfirma Guard KG Schmutz von Wänden und Treppen im Südturm des Wahrzeichens. Worauf die Handwerker dabei besonders achten mussten.

Ob Herzen mit den Initialen Verliebter, Namen von Touristen oder andere Textbotschaften: Graffiti sind ein weltweites Phänomen und je prominenter der Ort, desto anziehender scheint er zu sein. Schon seit Jahrhunderten verewigen sich auch im Kölner Dom Kölner Besucher mit Gekritzel, kleinen Botschaften und Malereien an den Wänden des Wahrzeichens der Rheinmetropole.

Besonders in den Aufgängen der Treppentürme verlief das Graffitiband an den Wänden zuletzt bis in 100 Meter Höhe. Eingetretene Kaugummis bildeten zudem einen schmutzigen Fleckenteppich. Mangels technischer Möglichkeiten, konnten die Verschmutzungen bislang nicht beseitigt werden.

Bis zum März dieses Jahres, als die Corona-Pandemie dafür sorgte, dass die engen Treppenhäuser des Doms für den Besucherverkehr gesperrt wurden. Die Dombauhütte nutzte die Gelegenheit des besucherfreien Corona-Lockdowns, um die Wiesbadener Firma "Guard KG" mit der ersten Reinigung der Domgeschichte zu beauftragen, die seit gut 15 Jahren auf die Entfernung von Graffiti spezialisiert ist. "Bevor wir den Auftrag erhielten, wurden wir und einige Mitbewerber von den Verantwortlichen des Kölner Doms eingeladen, um Vorschläge zu unterbreiten, wie man die Graffiti entfernen kann", sagt Helmut Fili, Sprecher der Guard KG. Sie mussten ein Konzept vorlegen, wie sie den historischen Untergrund schützen wollen und eine Reinigung ohne Beschädigung des Mauerwerks möglich ist. "Unsere Ideen, die Materialien, die wir vorgestellt haben und unsere Erfahrung aus mehr als 150.000 Quadratmetern entfernten Graffitis überzeugten schließlich", sagt Fili.

Reinigungssystem ist Eigenentwicklung des Unternehmens

Mehr als zwei Monate waren die Spezialisten mit der Entfernung der Graffiti am Dom beschäftigt. Dabei kam die 3-Schritt-Methode zum Einsatz, die Inhaber Ernst entwickelt hat. Im ersten Schritt wird die Farbe entfernt. Da Säuren die meisten Untergründe "verbrennen" oder auflösen, werden bei der Graffiti-Entfernung nur neutrale oder alkalische Reiniger eingesetzt. Das vermindert Schäden am Untergrund.

"Die Reiniger werden in sehr geringer Menge auf ein zu entfernendes Graffiti, meist mit einer Walze, aufgetragen und anschließend mit einer Bürste eingearbeitet", erklärt Fili. Anschließend wird mit einem Heißwasser-Hochdruck-Gerät der aufgelöste Teil des Graffitis vom Untergrund entfernt. "Das herunterlaufende Wassergemisch fangen wir in einer Wanne auf und pumpen es in einen Abwasserbehälter", sagt Fili. Der zweite Schritt ist die Schattenentfernung. Mit einem alkalischen Schatten-Reiniger werden verbleibende Bindemittel gelöst und können dann mit einem Hochdruckreiniger entfernt werden . Zuletzt geht es ans Pigment-Bleichen.

Kölner Dom eine besondere Herausforderung

Trotz langjähriger Erfahrung war der Dom war laut Fili dennoch selbst für sie eine neue Herausforderung. Einerseits durften sie die empfindliche Bausubstanz des historischen Sandsteins nicht beschädigen. Andererseits waren die Ausmaße des Reinigungsprojektes enorm. Bis in 100 Meter Höhe mussten die Arbeiter Hochdruckleitungen verlegen, das anfallende Abwasser auffangen und fachgerecht entsorgen. Weil der Treppenturm des 1880 fertiggestellten Südturmes bislang nie gereinigt worden war, kam Schicht um Schicht von Kritzeleien zum Vorschein.

Zur Vorbeugung hat das Unternehmen zudem Spezialbeschichtungen für verschiedene Untergründe entwickelt, durch die sich Schmierereien leichter entfernen lassen. Diese sind – je nach Produkt - in verschiedenen Glanzgraden und auf Wunsch auch in RAL Farbtönen erhältlich, so dass sie sich dem Untergrund anpassen und sich bis zu einhundert Mal einfach und rückstandsfrei von Graffitis reinigen lassen.

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