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IT So machen Sie Ihrer Webseite Beine

Handwerker ohne professionellen Internetauftritt verpassen eine große Chance, potenzielle Kunden zu beeindrucken. Mit Hilfe der DHZ-Tipps machen Sie Zweifler zu Auftraggebern. Von Matthias Heiler

Im Internet entscheidet ein Klick über das Image Ihres Handwerksbetriebs. Eine attraktive und übersichtliche Webseite beeindruckt als Visitenkarte und kann das Zünglein an der Waage sein, um den Kunden zu überzeugen. Auf jeden Fall wirft Sie ein liebloser Internetauftritt im Rennen um den nächsten Auftrag einige Plätze zurück. Die Deutsche Handwerks Zeitung verrät wichtige Tipps, wie Sie sich im Web von Ihrer Schokoladenseite zeigen.

Die entscheidende Regel: Sie haben nur wenige Augenblicke, um Besucher zu beeindrucken. Im Durchschnitt entscheiden sich Nutzer nach 12 bis 25 Sekunden: "Die Webseite ist interessant" oder "da steht nichts für mich drin". Dieses Ergebnis entspricht auch der Motivation der meisten Internetsurfer: Sie suchen gezielt nach schnellen und genauen Informationen. Wer seine Infos in langen Texten versteckt, vergrault mögliche Kunden in Sekundenschnelle. Mit diesen Wissen im Hinterkopf können Sie den ersten Schritt hin zu Ihrem überzeugenden Webauftritt wagen.

Egal, ob Sie Ihre bestehende Webseite verbessern oder eine neue Seite aufbauen wollen, stellt sich die Frage: Selber machen oder einen Profi beauftragen? Eine Homepage Marke Eigenbau spart Geld, kostet aber Zeit und wirkt meistens improvisiert. Auch die weit verbreiteten Baukästen für Internetseiten haben einen bachtlichen Nachteil: Sie wirken durch ihr schematisches Baukastensystem unbewegt und austauschbar. Von der Konkurrenz heben Sie sich mit diesem Sparmodell nicht ab.

Nicht am Text sparen

Wer eine überzeugende Vorstellung hinlegen will, investiert in einen professionellen Webdesigner. Um das Budget nicht zu sprengen, geht der Zuschlag an Freiberufler oder kleine Büros, die deutlich günstiger arbeiten als große Agenturen. Reicht das Geld aber selbst dafür nicht aus, helfen oft Studenten an Designschulen, die noch ein Thema für ihre nächste Studienarbeit suchen. Haben Sie sich für eine passende Lösung entschieden, lassen Sie sich einen Zeitplan vom Entwurf bis zur Umsetzung des Projekts machen. Stellt ihr Webdesigner dann sein erstes Konzept vor, schauen Sie ihm genau auf die Finger und achten dabei auf wichtige Qualitätskriterien. Dazu rät auch der selbstständige Webdesigner Andreas Gregor aus München. Als Grundregel nennt der Experte: "Sparen Sie lieber an Grafiken und Bildern als am Text." In diesem Sinne sollten Sie einen professioneller Texter engagieren. Aber auch Selbermacher wissen, dass Internetsurfer nur wenig Zeit und Geduld haben. Deshalb liegt die Würze in der Kürze: Der Vortext, auch Teaser genannt, fasst den Kern des Haupttextes in zwei bis maximal drei Sätzen zusammen. Auch eine provokative Frage an den Leser ist erlaubt und regt zum Weiterlesen an. Halten Sie Ihre Haupttexte auf der Länge einer Bildschirmseite. Schon durch das erste Scrollen fühlen sich viele Nutzer behindert. Die wichtigsten Infos zu Betrieb und Dienstleistungen müssen am Anfang des Artikels stehen. Bauen Sie alle vier bis fünf Sätze einen Absatz und eine Zwischenüberschrift ein? das schafft Übersicht und vereinfacht das Lesen. Zeichnen Sie ein realistisches Bild von Ihrem Unternehmen und verzichten Sie auf Superlative, komplizierte Sprache und Fachausdrücke. Stellen Sie sich und Ihre Mitarbeiter mit Fotos und kurzen Texten vor. Das spricht den Leser persönlich an und weckt Sympathie. Große Schriften ohne Serifen sorgen für gut lesbare Texte. Gerade mit Blick auf die im Handwerk wichtige Klientel 50 plus sollten die Buchstaben im Zweifel lieber größer ausfallen. Als Härtetest lassen Sie ältere Verwandte und Bekannte Probe lesen. Noch ein Satz zum Trendthema Suchmaschinenoptimierung: Überfrachten Sie ihre Texte nicht mit Schlüsselwörtern für Suchmaschinen wie Google oder Yahoo, sonst quälen Sie Ihre Besucher mit unlesbaren Pamphleten.

Große Bilder – große Wirkung

Kein gelungener Webauftritt ohne gute Bilder. Richtig platzierte Fotos und Grafiken verwandeln eine Textwüste zur lebendigen und abwechslungsreichen Internetseite. Grundsätzlich gilt: Keine „Briefmarken“, sondern große Motive. Besonders glänzen Sie mit eigenen Referenzen in guter Bildqualität. Erfahrene Hobbyfotografen dürfen sich mit ihrer Spiegelreflexkamera auf der Baustelle selbst austoben, für alle anderen Unternehmer lohnt sich die Investition in einen Fachmann. Die unter Handwerkern verbreitete Furcht vor dem Kopierwahn der Konkurrenz ist übrigens unbegründet: Wer ansprechende Fotoreferenzen auf der eigenen Webseite weglässt, schadet sich selbst mehr als der Rivale mit kopierten Inhalten. Im Zweifel schützen Sie Ihr Urheberrecht mit einem Gang zum Anwalt.

Die Auswahl der passenden Motive birgt auch Gefahren. Designexperte Gregor verrät die Fototodsünde: "Bilden Sie Ihr Firmengebäude nur ab, wenn es zum Verkauf steht." Auch wildfremde Menschen bei der Arbeit sind tabu. "Auf dem Foto muss immer ein Bezug zum Betrieb erkennbar sein", betont er.

Von "technischem Schnickschnack" rät der Webdesigner ab: "Reine Intros mit Flashtechnik sind völlig out." Animierte Bilder und Grafiken mit Flashprogrammierung verlängern außerdem die Ladezeiten und werden auf Computern ohne die neuesten Playerversionen gar nicht angezeigt – darüber ärgert sich gerade die technisch nicht immer versierte Zielgruppe 50 plus.

Gute Webeiten führen den Besucher spielerisch, barrierefrei durch den Inhalt. Gestalten Sie die Navigation selbsterklärend und benennen Sie die Reiter mit einfachen, griffigen Begriffen wie: "Team", "Dienstleistungen", "Produkte", "Referenzen". Nicht fehlen darf der Reiter "Kontakt" mit verlinkter E-Mail-und Postadresse sowie idealerweise eine Anfahrtsbeschreibung. Minimum ist ein Link auf Google-Maps. Eine übersichtliche Startseite mit fünf bis sechs horizontal geordneten Reitern erleichtert den Einstieg. Weniger ist mehr: Ersparen Sie den Nutzern langes Suchen in zehn oder mehr Reitern. Sinnvoller sind Unterpunkte, die mit einem zusätzlichen Klick erreicht werden.

Die meisten Leser steigen in der Mitte des Bildschirms ein und wandern dann an die Ränder. Zentrale Texte und Bilder platzieren Profis deshalb in der Mitte der Webseite unter der horizontalen Navigationsleiste. Bei der farblichen Gestaltung Ihrer Seite können Sie mit starken Farben wie Grün, Gelb und Orange sparsam Akzente setzen. Auch ein dunkles Rot oder Cyanblau hebt wichtige Teile der Homepage hervor. Weiß, Grau und Beige füllen große Flächen und verleihen der Seite als Kontrast zu den knalligen Signalfarben die nötige Ruhe.

Als letzter Punkt stellt sich die Frage, ob man seine Webseite selbst pflegen und auf dem neuesten Stand halten will. Selbermacher brauchen ein Content-Management-System (CMS) – eine Software, mit der Inhalte der Internetseite verändert werden können. Wer mit dem kostenlosen Content-Management-System TYPO3 oder anderen Lösungen arbeiten will, muss viel der eigenen teuren Arbeitszeit investieren. Diese Lösung lohnt sich nur für Unternehmer, die regelmäßig Neuigkeiten zu verkünden haben. Für die meisten kleinen Betriebe ist es wirtschaftlich attraktiver, die eigene Webpräsenz einmal pro Monat von einem Webdesigner aktualisieren zu lassen.

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