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Finanzen in Corona-Zeiten So lassen sich Geldgeschäfte von Zuhause abwickeln

Wer wegen des Coronavirus derzeit daheimbleiben muss, kann auch viele Geldgeschäfte nicht selbst erledigen. Die können im Prinzip auch andere übernehmen. Was dafür nötig ist.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt dafür, dass viele derzeit zu Hause bleiben müssen. Das Problem: Nicht alles kann ohne Weiteres vom Sofa aus erledigt werden – zum Beispiel Bankgeschäfte. Die Lösung: Wer derzeit das Haus nicht verlassen darf, kann anderen dafür eine Vollmacht erteilen.

Allerdings reicht eine allgemeine Vollmacht in der Regel nicht aus. Banken und Sparkassen akzeptieren häufig nur eine notariell beglaubigte Vollmacht sowie instituts­eigene Formulare, erklärt die Stiftung Warentest. Das bedeutet: Wer nicht zum Notar gehen möchte und Konten bei verschiedenen Banken hat, braucht für jede Bank eine eigene Vollmacht. Die instituts­eigenen Formulare müssen sowohl Kontoinhaber als auch Bevollmächtigte unterschreiben.

Banktermine telefonisch vereinbaren

Das Problem: Banken und Sparkassen arbeiten derzeit nur mit einem eingeschränkten Angebot. Kunden müssten sich erst einmal informieren, welche Filiale geöffnet hat, sagt Sylvie Ernoult vom Bundesverband deutscher Banken. Die Situation sei derzeit außergewöhnlich. Angst, in einer fremden Filiale abgewiesen zu werden, müssten Kunden nicht haben. "In der Regel werden sich die Institute entgegenkommend zeigen.“

Ähnlich ist die Situation auch bei den Sparkassen: "In Filialen, in denen der Publikumsverkehr vorübergehend eingeschränkt ist, kann meist ein Termin per Telefon vereinbart werden“, sagt ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Nämlich dann, wenn wichtige Finanzgeschäfte doch persönlich vor Ort getätigt werden müssen. Die Berater unterstützten Kunden in der derzeitigen Situation verstärkt per E-Mail oder Telefon.

Diese Geldsorgen treiben die Bürger am meisten um

Dass in Corona-Zeiten Geldfragen im besonderen Fokus stehen, zeigt eine Umfrage des Instituts Kantar Emnid im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband. Sie zeigt, dass die massiven Beschränkungen fürs Alltagsleben viel Verunsicherung ausgelöst haben. So sind:

  • 38 Prozent der Bürge sind sehr oder eher stark besorgt, wenn es um Wucherpreise für vielleicht einmal knappe Waren wie Hygieneartikel geht.
  • 33 Prozent befürchten stark, dass die private Altersvorsorge an Wert verliert.
  • 26 Prozent der Befragten sind stark besorgt, dass sie Geld für ausfallende Reisen, Veranstaltungen oder Kurse nicht wiederbekommen.
  • 23 Prozent haben starke Angst, dass sie Rechnungen, Miete oder Kreditraten nicht mehr bezahlen können.
  • 13 Prozent sind stark besorgt, dass es nicht ausreichend Lebensmittel geben könnte.

Die größte Unsicherheit gibt es jedoch darüber, wegen fehlender Klinik- oder Arztkapazitäten nicht ausreichend behandelt werden zu können. Dies besorgt 43 Prozent der Befragten stark.

Videoident-Verfahren für eine sichere Bevollmächtigung

Sollten Kunden nicht in die Filiale können, zum Beispiel, weil sie unter Quarantäne stehen, sollten sie sich am besten telefonisch mit Beratern oder der Filiale in Verbindung setzen. Möglicherweise kommen laut DSGV weitere Verfahren für die sichere Bevollmächtigung infrage, zum Beispiel Videoident-Verfahren. "Oft lässt sich eine individuelle Lösung finden“, sagt Sylvie Ernoult.

Bei Direktbanken kann eine Vollmacht in der Regel über das Internet erteilt werden. Auch hier müssen meist beide Beteiligte unterschreiben. Das unterschriebene Dokument wird dann per Post an die Bank geschickt. Bevollmächtigte weisen sich dabei in der Regel mittels Postident aus. Manche Banken bieten auch eine Identitätsprüfung per Video-Chat.

Vollmachten sollten keine Generalvollmachten sein

Bankvollmachten sind nach Angaben des Bankenverbandes meist keine Generalvollmachten. Vielmehr werden meist die Bankgeschäfte aufgeführt, die Bevollmächtigte erledigen dürfen. Dazu können zum Beispiel gehören: Überweisungen tätigen, Geld abheben oder dem Kontoinhaber eingeräumte Kredite in Anspruch zu nehmen. Neue Kredite können von Bevollmächtigten in der Regel nicht aufgenommen werden.

Wichtig zu beachten: Die Vollmacht gilt ab der Unterschrift und nicht erst, wenn der Vorsorgefall eingetreten ist, erklärt der Bankenverband. Es sollte sich bei Bevollmächtigten also um eine absolute Vertrauensperson handeln. Wer das Vertrauen verliert oder es sich anders überlegt, kann die Vollmacht jederzeit widerrufen. Darüber sollte die Bank unverzüglich – am besten schriftlich – informiert werden. Ob die Vollmacht auch über den Tod hinaus gelten soll, kann ein Kontoinhaber selbst entscheiden. Sollte sie bestehen bleiben, müssen die Erben die Vollmacht im Zweifel widerrufen. dpa

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