Unternehmensführung -

Mitarbeiter gesund und im Betrieb halten Betrieb verrät: Das ist unser Erfolgsmodell zur Mitarbeiterbindung

Um Fachkräfte an den Betrieb zu binden, bezuschusst die Firma Kadel Installationen die Altersvorsorge der Mitarbeiter seit mehr als 30 Jahren. Ab Januar gibt es dann die App zum Gesundbleiben.

"Schon unser Vater hat vermögenswirksame Leistungen bezuschusst", erinnert sich Jochen Kadel. Aus den pauschal 34 Euro, die auf jeden Vertrag bezahlt werden, den ein Mitarbeiter bei einer Versicherung abschließt, soll nun ein breit gefächertes Staffelmodell werden. Die 165 Mitarbeiter des Weinheimer Betriebs mit fünf weiteren Standorten quotieren von Freiburg bis Berlin die Zusatzleistungen der Chefs Jürgen und Jochen Kadel, die das Familienunternehmen in dritter Generation führen. "Unsere Fluktuationsrate ist sehr gering und unter dem Bundesdurchschnitt", wie Kadel verdeutlicht.

Dabei nutzen längst nicht alle das Angebot ihres badischen Arbeitgebers. Weniger als die Hälfte der Handwerker und Verwaltungsmitarbeiter schließt bisher einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) ab. Auffällig dabei ist, dass vor allem Mitarbeiter mit langer Betriebszugehörigkeit mehr als das Dreifache in ihre Verträge einbezahlen, als Kollegen, die maximal fünf Jahre im Betrieb arbeiten. Auch haben in der Gruppe der Langzeitbeschäftigten – mehr als 20 Jahre dabei – zwei von drei Kollegen einen Vertrag in der Tasche. "Bei unseren 31 Azubis kommt das Angebot auch gut an", so Kadel, der firmenweit gerne mehr Mitarbeiter mit Verträgen hätte. Die Quote soll steigen.

Attraktivere Zuschussvarianten gegen Fluktuation

Mit Hilfe von Finanzexperte Markus Sobau analysiert er Gründe und plant ein Staffelmodell einzuführen. "Wir haben geschaut, wo und warum Mitarbeiter die Firma verlassen", erklärt der Confina-Geschäftsführer Sobau, um daraus attraktivere Zuschussvarianten abzuleiten. Ab Anfang 2020 wollen die Chefs deshalb mehr Geld bereitstellen. "Wir packen bis zu 50 Prozent des Betrags oben drauf", so Kadel. Bezahlt ein Mitarbeiter 100 Euro in seine betriebliche Altersvorsoge, übernimmt die Firma davon künftig 50 Euro – mindestens jedoch, wie gehabt, 34 Euro. Schließen Mitarbeiter einen zweiten oder dritten Vertrag ab, etwa für eine betriebliche Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsversicherung, bedient Kadel jeden Vertrag mit einer nach Betriebszugehörigkeit gestaffelten Quote.

Markus Sobau

In Summe rechnet der SHK-Betrieb mit mindesten 20.000 Euro, die das Unternehmen in die Bindung seiner Beschäftigten investieren will. Das Gute daran: Die Einstiegsschwellen sind niedrig. "Ab fünf Beschäftigten fallen bei betrieblicher Altersvorsorge und Krankenversicherung lästige Gesundheitsfragen weg", sagt der Mannheimer Sobau. Was Verträge besonders attraktiv macht, wenn sie über den Arbeitgeber als betriebliche Versicherung abgeschlossen werden.

Kadel will darüber hinaus ab Januar eine Gesundheitsversicherung anbieten. Eine spezielle Versicherungs-App wird jährlich mit 300 Euro aufgeladen. Mitarbeiter können sie für ihre Gesundheit ausgeben. Darunter fallen Massagen, Zahnreinigungen oder Apothekenrechnungen. Um sich als Arbeitgeber noch attraktiver zu machen, packt Kadel Warengutscheine obendrauf. Mit ihnen können seine Leute monatlich für 30 Euro tanken, Essen gehen oder Lebensmittel einkaufen. Chic im Kreditkartenformat mit passendem Kadel-Branding,versteht sich. Auch hier blättert der Handwerksbetrieb kräftig hin: 65.000 Euro kostet die Investition jährlich.

Prämien fürs gesund bleiben

Neben Urlaubs- und Weihnachtsgeld hat Kadel ein weiteres Anreizsystem installiert: Eine Nichtkrankheitsprämie. "Jeder Mitarbeiter, der übers Jahr gesund bleibt, bekommt am Ende 500 Euro", so der Chef. Mit jedem Krankheitstag schrumpft die Prämie um 50 Euro. Hierin sieht der Handwerker neben der Belohnung einen Anreiz, auf die eigene Gesundheit zu achten. Auch dieses Werkzeug hat der Familienbetrieb geschärft. Die Prämie wurde in diesem Jahr verdoppelt. Davor gab es 250 Euro pro Jahr.

Der Anreiz klappt: Die Krankheitsquote liegt aktuell bei 3,2 Prozent und somit deutlich unter dem Bundesdurschnitt. In Summe scheint die Stimmung in der Belegschaft die Angebote zu schätzen. 2018 feierten zwölf Mitarbeiter gemeinsam 275 Jahre Betriebszugehörigkeit. Bei einem Altersdurchschnitt von Mittedreißig ein vorzeigbarer Wert, wie Kadel es einordnet. Gleichzeitig betont er, dass sein Betrieb neben Geld vor allem in Führungsarbeit und die Pflege der Firmenkultur investiert. Ausflüge, Feiern und Mitarbeiterentwicklungsgespräche sind bei Kadel Standard.

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