Gesundheit -

Dauernde Erreichbarkeit verursacht Stress Smartphone: Abschalten ist gefragt

2009 nutzten gut sechs Millionen Menschen in Deutschland ein Smartphone. 2014 waren es über 40 Millionen, jeder zweite. Die dauernde Erreichbarkeit geht auf Kosten der Gesundheit, der Stresslevel steigt. Wie Sie sich dagegen schützen können.

Nimmt man zu den Smartphones noch klassische Mobiltelefone hinzu, so sind mehr als 90 Prozent der 40 Millionen privaten Haushalte immer und überall erreichbar.

Die Entwicklung hat ihren Preis: Dauernde Erreichbarkeit und Informationsflut bedeuten Stress. Insbesondere Selbstständige schaffen es kaum, sich der Spirale aus immer neuen Vernetzungsmöglichkeiten und größer werdenden Informationsmengen zu entziehen - und drohen somit eines Tages ernsthaft zu erkranken.

Alarmzeichen sind häufige Flüchtigkeitsfehler, eine gereizte Stimmung sowie Schlafprobleme. Auch wiederkehrende Rückenschmerzen können auf Stress hindeuten. Darauf macht die Präventionskampagne "Denk an mich. Dein Rücken" aufmerksam.

Dauernde Erreichbarkeit heißt dauernder Stress

Telefonate, E-Mails, soziale Medien: Gerade Selbstständige sind auf Vernetzung angewiesen, um Aufträge zu gewinnen. "Die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen, kann dazu führen, dass man permanent erreichbar ist", warnt Professor Dirk Windemuth, Leiter des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG). Wer aber dauerhaft unter Stress arbeite und diesen nicht abbauen könne, setze seine Gesundheit aufs Spiel.

Freiberuflern, die durch die Informationsflut unter Stress leiden, empfiehlt der Psychologe:
  • Prioritäten setzen! Auf welche Informationen kann verzichtet werden? Welcher Newsletter kann abbestellt werden? Welches soziale Netzwerk bringt mehr Arbeit als Nutzen? Oftmals hilft es bereits, die Informationsmenge zu verringern, um sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren zu können.
  • Stille Stunde einführen: Einmal täglich für eine ganze Stunde das Smartphone ausschalten, Anrufe auf den Anrufbeantworter umstellen, das Mailprogramm schließen und konzentriert an einer großen Aufgabe arbeiten. Das verhindert, dass sich gerade die umfangreichen Aufgaben auftürmen. Im Idealfall mit der stillen Stunde in den Tag starten, dann hat man das Gefühl, schon etwas geleistet zu haben.
  • Pause machen. Aber richtig! Wer mit Informationen arbeitet, sollte auf diese während der Pause bewusst verzichten. Das bedeutet: Auch keine privaten Nachrichten lesen! Besser: Spaziergang machen und ungestört etwas essen. Wer sein Smartphone trotzdem nicht aus der Hand legen möchte, kann es mit einer Ruhe-App probieren, die zum Beispiel zu einer zehnminütigen Meditation anleitet.

Rückenschmerzen als Warnzeichen

Wann der Zeitpunkt gekommen ist, gezielt etwas gegen den Stress zu unternehmen, signalisiert unter anderem der Rücken. Sind die Rückenmuskeln infolge von Stress dauerhaft angespannt, nimmt der Mensch dies früher oder später als Rückenschmerzen wahr. Aber auch Ein- und Durchschlafprobleme sind häufig ein Alarmsignal des Körpers. Unter Stress leidet außerdem die Psyche: "Ein gereiztes, aggressives Verhalten einerseits oder eine negative, nahezu teilnahmslose Stimmung andererseits können ebenfalls Ausdruck von zu viel Stress sein", so Windemuth.

Auch die Arbeitsqualität sinkt. Wer ständig die neuesten Informationen abruft, kann sich auf die eigentliche Aufgabe nicht mehr konzentrieren. Es kommt zu Fehlern, die letztlich sogar Aufträge kosten können.

Die Präventionskampagne "Denk an mich. Dein Rücken" hat zum Ziel, Bewegung am Arbeitsplatz zu fördern und Rückenbelastungen zu verringern. In der Kampagne arbeiten die Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, ihr Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau und die Knappschaft zusammen. dhz

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