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Vernetztes Zuhause Smart Home: Zukunftsmarkt für viele Betriebe

Nicht nur Handys sind heute smart, auch das Zuhause wird immer vernetzter. Der Zentralverband Elektrohandwerke hat in einer Umfrage die Zukunftsperspektiven des Konzepts untersucht. Welche Chancen und Probleme auf den Markt zukommen.

Dreiviertel der Elektrobetriebe sind überzeugt, dass der Umsatz mit Smart-Home-Anwendungen in den kommenden fünf Jahren steigen wird. Nur drei Prozent der Betriebe glaubt, dass dies nicht der Zukunftsmarkt ist. Das hat eine Umfrage des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnische Handwerke (ZVEH) unter 104 Betrieben ergeben. Allerdings ist die Erhebung nicht repräsentativ und wurde unter Unternehmen durchgeführt, die ohnehin auf diesem Markt tätig sind. 85 Prozent der Teilnehmer installiert demnach bis zu zehn Projekte im Jahr, der Rest sogar mehr.

Dennoch ergebe sich ein gutes Bild über die Marktlage, sagt Mirko Krebs, Referent der Geschäftsführung beim ZVEH. Ziel der Umfrage war es, die eingesetzten Technologien zu identifizieren, die Marktentwicklung zu skizzieren und den Ausbildungsbedarf zu erheben.

Einsetzbarkeit soll Gewerke übergreifend sein

Technologisch scheint das System KNX zu dominieren. KNX ist ein weltweit offener Standard für die ­Gebäudeautomation. Rund zwei Drittel der Befragten gaben an, KNX ­bevorzugt zu installieren. Weitere verwendete Systeme sind in absteigender Reihenfolge free@home, ­Loxone, digitalstrom, eQ-3, EnOcean und Coviva.

Wichtigstes Kriterium bei der Beurteilung des Systems ist die Gewerke übergreifende Einsetzbarkeit. Dahinter folgen die Vielseitigkeit der realisierten Lösungen, Produktreife und die Zuverlässigkeit. Als ebenfalls relevant wurden ein sicherer Datentransfer, eine einfache Nachrüstung im Bestand und eine einfache Programmierung erachtet.

Einheitliche Schnittstellen und spezialisierte Fachkräfte fehlen

Folgerichtig ist das größte Problem, mit dem die Handwerker zu kämpfen haben, die fehlende Schnittstelle zwischen Systemen und Produkten. An zweiter Stelle beklagen die Betriebe aber auch die zu komplexe oder zeitaufwendige Programmierung. Ebenfalls moniert wird der für die Kunden zu hohe Preis.

Offensichtlich spielt der Preis noch eine große Rolle bei der Entscheidung, ob Smart-Home-Anwendungen verwendet werden sollen. Denn der Forderung sinkender Kosten konnte ein Großteil der Befragten zustimmen bei der Frage, wie der Markt ausgeweitet werden könnte. Einheitliche Schnittstellen und mehr spezialisierte Fachkräfte werden ebenfalls genannt. Die meisten Betriebe (81 Prozent) planen daher auch, ihre Mitarbeiter weiterzubilden – solange sie genug finden. Denn der Qualifizierungsbedarf gehe einher mit dem Problem, überhaupt ausreichend Fachkräfte zu finden.

Worauf sich die Betriebe systemisch einstellen müssen, scheint trotz des mehrheitlich genutzten Standards KNX nicht klar. Zwar sieht die Mehrheit der befragten Unternehmer mit rund 40 Prozent KNX vorn. Doch immerhin gut 14 Prozent verweist auf „Amazon-Lösungen“. „free@home“ bekommt noch 11 Prozent. Der Markt sei demnach weiterhin offen für Mitbewerber. ZVEH und Betriebe rechnen auch mit Mitbewerbern wie Amazon, Google und Co. Endkunden fragen gezielt nach Sprachsteuerungen wie Alexa.

Schnittstellen-Problem wird sich vermutlich verschärfen

Der Verband rechnet deswegen damit, dass sich das Problem der vielfach fehlenden Verknüpfungsmöglichkeiten verschiedener Systeme mit dem wachsenden Smart-Living-Markt vermutlich noch verschärfen wird. Hersteller könnten sich in diesem Punkt profilieren.

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