Gesundheit -

Orthopädische Stühle vom Tischlermeister Sitzen ohne Schmerzen

Sitzen ist das neue Rauchen, warnen Ärzte immer häufiger. Ein Großteil der Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Herz- Kreislauferkrankungen und Rückenschmerzen steht in direktem Zusammenhang mit zu viel Sitzen. Auch Handwerker sind davon betroffen - und einer hat eine Lösung für Langsitzer entwickelt.

Am Anfang der Firma "Poppel Form und Funktion“ standen Schmerzen: Tischlermeister Sven Poppel und sein Bruder arbeiteten in der elterlichen Tischlerei in Ilmenau. Dann erlitt der Bruder einen Bandscheibenvorfall. "Er musste sich umschulen lassen. Damit er das viele Sitzen dort besser ertrug, habe ich ihm einen Stuhl mit beweglichen Teilen gebaut“, erinnert sich Poppel.

Der Prototyp tat dem Bruder gut und Poppel tüftelte weiter: Möglichst flexible Sitzflächen und Lehnen sollten lange Bürotage angenehmer machen, für Rückenpatienten, aber auch für alle anderen, die viele Stunden am Schreibtisch sind.

Sitzen schadet der Gesundheit

Geschätzte 17 Millionen Menschen üben in Deutschland einen sitzenden Beruf aus. Von einem Acht-Stunden-Tag verbringen sie durchschnittlich fast sieben Stunden auf dem Stuhl.

Auch viele Handwerksunternehmer erleben das. Ab einer gewissen Betriebsgröße verlagert sich ihr Arbeitsschwerpunkt von Werkstatt und Baustelle hin zu Schreibtisch und Auto.

Unbewegte Tage zeigen sich in Krankenstatistik

Die unbewegten Tage der Deutschen zeigen sich in der Krankenstatistik: Bis zu 85 Prozent der Bevölkerung haben im Laufe ihres Lebens Rückenprobleme; die wenigsten von ihnen aufgrund körperlicher Arbeit. Vielmehr gelten bei 80 Prozent die Schmerzen als unspezifisch: Es lässt sich keine konkrete Ursache für die Beschwerden finden. Meist ist die Muskulatur ins Ungleichgewicht geraten und nur Bewegung kann auf lange Sicht dagegen helfen.

"Bewegtes Sitzen“ heißt denn auch Sven Poppels Lösung, um die Schmerzen von Rückenpatienten zu lindern. Jahrelang hat der heute 46-Jährige an den Popello-Modellen gearbeitet; zunächst als Hobby neben der Arbeit im Familienbetrieb; ab 2001 im eigenen Unternehmen. All seinen Modellen gemeinsam ist: Sitzfläche und Rückenlehne bewegen sich mit, auch in seitlicher oder gedrehter Richtung.

Persönliche Anpassung zählt

Heute fertigt er mit zwei Mitarbeitern rund 300 Stühle pro Jahr. Jeder ist genau auf seinen künftigen Besitzer zugeschnitten. Das macht Poppels Stühle auf den ersten Blick teurer als andere ergonomische Bürostühle. "Aber wenn es darum geht, Anpassungen zu machen, liegen wir gar nicht viel drüber. Größere Hersteller verlangen dafür oft hohe Aufschläge oder passen gar nicht an“, ist Poppels Erfahrung. In seinem System ist die persönliche Anpassung Kernstück. Poppel kombiniert alle Elemente modulartig miteinander und legt seinen Ehrgeiz darauf, für jeden Kunden die orthopädisch und optisch beste Lösung zu finden.

Das Wissen, welche Kunden was für Besonderheiten brauchen, hat Poppel im Lauf der Jahre zusammengetragen, oft genug mit den Kunden zusammen. So waren Patienten auf ihn zugekommen, die an Morbus Bechterew leiden, einer entzündlich rheumatischen Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule betrifft. Sie suchten nach einem Stuhl, der den Körper gut entlastet, testeten Poppels Stühle, gaben ihm Rückmeldungen; Poppel verbesserte nach ihren Vorgaben – so lange, bis nach einem Jahr der Bechterew-Stuhl fertig war – ein Modell, für das die Sozialkassen auch Zuschüsse zahlen.

Zu Poppels Kunden zählen außerdem Kleinwüchsige, extrem große Menschen, Rheumatiker, Menschen mit verformter Wirbelsäule; Personen, die berufsbedingt oder aufgrund von Krankheiten einen beheizten Stuhl brauchen. Und Menschen ohne besondere Befunde, die schlicht besser besser sitzen wollen.

Tipps zum besseren Sitzen gibt es in dem Artikel "Perfektes Umfeld für eine gute Arbeit ".

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