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Corona in den kalten Monaten Sitzen auf der Heizung: Eine Gastro-Lösung für den Corona-Winter?

Ein Berliner Gastronom erntet aktuell viel Applaus für seine selbstgebauten, beheizbaren Sitzbänke im Außenbereich. Der Clou: Für seinen Eigenbau hat er ausrangierte Heizkörper wieder fitgemacht und versorgt diese über einen zentralen Gaskessel mit Wärme. Ein Modell für Restaurants, Imbisse und Cafés deutschlandweit? Die DHZ hat die Lösung und mögliche Alternativen mit einem SHK-Experten diskutiert.

Vor dem Restaurant März in Berlin steht neuerdings ein recycelter Gaskessel. An ihn angeschlossen: 50 Heizkörper, die mit Kiefernholzlatten zu Sitzbänken umfunktioniert wurden. Zusammen mit vier Freunden hat Restaurant-Betreiber Mirko Meuche den Sommer damit verbracht, seine "Heizbänke" anzufertigen. Zu seinem Bau-Team durfte er auch einen Gas-Wasser-Installateur zählen, der mit ihm die ausrangierten Heizungen wieder fitgemacht und an einen eigenen Heizkreislauf mit Wärmespirale angeschlossen hat.

Der Eigenbau ist nur eine von vielen kreativen Ideen, die Gastronomen derzeit deutschlandweit präsentieren, um ihr Geschäft über die kalten Monate zu retten. Nach dem Ende der Corona-Zwangspause boomte in Deutschland vor allem die Außengastronomie – auch weil Restaurants und Cafés ihre Sitzangebote im Innenbereich wegen der geltenden Abstandsregeln reduzieren mussten. Nun wird es draußen kalt, drinnen bleibt es jedoch gefährlich. Also sind Lösungen gefragt, um die Plätze im Außenbereich zu erhalten.  

SHK-Experte: "Energetischer mit Hartschaumplatten und einem Pavillon als Wärmespeicher"

Die Idee einer Heizbank sei dabei grundsätzlich sehr spannend, sagt Andreas Schuh, Obermeister der SHK-Innung Berlin. "Aus energetischer Sicht aber leider völlig ineffizient." Positiv auf die Umweltbilanz schlägt sich zwar nieder, dass die alten Heizkörper andernfalls auf dem Schrottplatz gelandet wären. Zudem verbraucht der Wärmekreislauf laut Gastronom Meuche so viel Propan wie ein Heizstrahler, wärmt dafür aber 50 Plätze statt eines Tisches. Dennoch: Die Energie wird – wie auch bei einem Heizpilz – direkt der Umwelt zugeführt. Energetischer wäre es laut Obermeister Schuh, wenn die Heizkörper in Hartschaumplatten gehüllt und in einem Pavillon mit Seitenwänden aufgestellt würden. Wegen des Infektionsrisikos müsse jedoch sichergestellt werden, dass die Luft zirkulieren kann – etwa durch eine dauerhafte Querlüftung.

Heizbänke in dieser Form kaum zur Nachahmung geeignet

Zur Nachahmung dürften die Berliner Heizbänke ohnehin nur für die Wenigsten infrage kommen. Zum einen, weil nicht Jedem passende Bedingungen vor Ort zur Verfügung stehen. Zum anderen wegen der hohen Investitionskosten. "Selbst bei älteren Heizkörpern ist man da schnell bei 5.000 bis 6.000 Euro", schätzt Schuh. Insbesondere wenn die Außenheizung – anders wie im Restaurant März – in das bestehende Heizsystem eingebunden werden soll. "Dann wird eine Systemtrennung mit Wärmetauscher notwendig, weil das Heizwasser im Gebäude nicht mit dem Glykol-Gemisch im Außenbereich in Kontakt kommen darf", erklärt er. Das Heizwasser mit Glykol zu mischen ist zwingend notwendig, damit bei Minustemperaturen die Rohre nicht platzen.

Immerhin: Obwohl das Gemisch den Wirkungsgrad schmälert, dürfte er bei einer wassergeführten Heizung noch immer höher liegen als bei einem Heizpilz, so der Berliner Obermeister. Ein Plus bei den Energiekosten. Einen weiteren Vorteil sieht Schuh in der Behaglichkeit: "Beim Heizpilz werden nur Kopf und Schulterpartie erwärmt, angenehmer ist es, wenn die Wärme von unten nach oben strahlt." Das bestätigen auch die Gäste im Restaurant März.  

Praktikable Alternative: Eigenbau mit Elektro-Heizelementen

Bleibt die Frage, wie Cafés und Restaurants diesen Effekt auch ohne aufwändige Heizungsinstallation im Außenbereich erzielen können. "Am praktikabelsten wäre es, wenn man mit Elektro-Heizelementen arbeitet", empfiehlt Obermeister Schuh. Statt Heizkörpern könnten zum Beispiel Elektro-Heizstäbe für einen vergleichbaren Eigenbau verwendet werden – oder elektrische Heizmatten. "Die könnte der Kunde dann sogar individuell zu- oder abschalten", sagt er. Mit einem Thermostat könne zudem dafür gesorgt werden, dass es dem Kunden nicht zu heiß wird. Bezieht der Gastronom seinen Strom aus erneuerbaren Energien, wäre auch der Umwelt zumindest ein wenig geholfen. Und: im Gegensatz zu einem Wärmekreislauf könnte eine solche Elektroinstallation ganz einfach wieder abgebaut und zwischengelagert werden.

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