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Die linke Hand des Handwerks Simon zeigt sich geschickt am Schuh

"Die linke Hand des Handwerks" dreht einen neuen Film für die Imagekampagne. Dafür hat Simon Gosejohann bei der Schuhmanufaktur Meindl in Kirchanschöring seinen eigenen Superschuh designt.

Sogar der Terminator besitzt ein Paar. Mit großen Augen betrachtet Comedian Simon Gosejohann die Fotos an der Wand. Dort ist zu sehen, wie Actionstar Arnold Schwarzenegger massive Bergschuhe in seinen Händen hält. Die Bilder hängen jedoch nicht in einer Luxusboutique in L.A., Paris oder Tokio. Sie stammen aus dem Showroom der Lukas Meindl GmbH & Co. KG im oberbayerischen Kirchanschöring. Simon ist platt.

Kurz vorher ist er für den neuen Werbefilm der Imagekampagne des deutschen Handwerks noch maulend durch den Ort gestapft und hat laut daran gezweifelt, dass eine Schuhmanufaktur in einer Gemeinde mit gut 3.000 Einwohnern Geschäfte machen kann.

Familienunternehmen in 9. Generation

Der Filmdreh belehrt ihn eines Besseren. Vor über 300 Jahren als einfache Schuhmacherei gestartet, liefert Meindl längst in alle Welt. Über eine Million Paar Schuhe produziert die Firma pro Jahr. 400 Modelle werden regelmäßig gefertigt, der Großteil davon Berg- und Wanderschuhe. Rund 40 Prozent sind für den deutschen Markt bestimmt, den Rest exportiert Meindl in über 40 Länder. Eurofighter-Piloten, Mount-Everest-Bezwinger und Südpoleroberer vertrauten dabei auf die Wertarbeit des Unternehmens aus dem Landkreis Traunstein.

2006 übernahmen die Brüder Lars und Lukas die Geschäftsführung in 9. Generation. "Wir sind ein reines Familienunternehmen, das großen Wert auf seine handwerklichen Wurzeln legt", berichtet Lukas Meindl stolz. Der 45-jährige Schuhtechniker verantwortet im Betrieb Produktion und Entwicklung. Sein Bruder Lars hat die kaufmännische Leitung inne. Meindl ist einer der wenigen Schuhhersteller mit Produktion in Deutschland. 235 von insgesamt 600 Mitarbeitern weltweit sind im Hauptwerk in Kirchanschöring beschäftigt. Die übrigen arbeiten in Ungarn und Slowenien.

Heinz "Heinzi" Franke kümmert sich um die Qualitätssicherung. Im Film zeigt er Simon das Materiallager, wo hochwertigste Lederarten in den verschiedensten Farben neben diversen Hightechfasern lagern. Diese helfen, den Fuß gegen Kälte, Nässe und Schweiß zu schützen. Mit seinem breiten Grinsen, dem gebräunten Gesicht und den lockeren Sprüchen könnte man sich den Schuhmachermeister auch gut an der Spitze einer Gruppe Skifahrer vorstellen. "Du siehst wie ein Skilehrer aus", entschuldigt sich Simon, nachdem er Heinzi im Lager anfangs konsequent "Hansi" nennt. Dem scheint der Gedanke zu gefallen. Der 39-Jährige strahlt.

"Das machen wir gleich nochmal", holt Regisseur Mirko Dreiling seine beiden Darsteller in die Realität zurück. Beim nächsten Durchlauf sind beide dann voll bei der Sache. „Leder ist der perfekte Werkstoff, da es geschmeidig, haltbar und vielseitig einsetzbar ist“, erklärt Heinzi und wirft schwungvoll ein paar Lederstücke auf den Tisch. Damit wird Simon im weiteren Verlauf des Films ein eigenes Paar Bergstiefel, den "Gosejohann 1", fertigen. "Danke!", ruft der Regisseur. Die Szene ist im Kasten.

Keine Chance ohne Daniela und Johannes

Bei seinem Projekt wird Gosejohann von Daniela Berner und Johannes Döllinger unterstützt. Beide machen bei Meindl eine Ausbildung zum Schuhmacher und stehen kurz vor der Gesellenprüfung. Für sie ist der Dreh ein echtes Highlight. "Der Film zeigt, wie spannend unser Handwerk ist", sagt der 20-jährige Johannes, der extra für die Ausbildung von Nürnberg nach Kirchanschöring gezogen ist. In seiner Familie hat das Schuhmacherhandwerk Tradition: Schon sein Urgroßvater und sein Opa erlernten den Beruf. "Simon stellt sich ganz geschickt an", findet auch Daniela. Sie wird sich nach Ende der Ausbildung zur Technikerin weiterbilden.

"Unsere Lehrlinge lernen noch, Schuhe richtig von Hand zu machen. Die handwerkliche Komponente ist uns trotz der Produktion für den Massenmarkt sehr wichtig", erklärt Chef Lukas Meindl. Über 200 Arbeitsschritte sind erforderlich, um z.B. einen hochwertigen Trekkingschuh herzustellen. Am Ende der Produktion steht dann ein Qualitätscheck an, bei dem u.a. Wasser in die Schuhe gepumpt wird. Überstehen Simons Bergstiefel die Prüfung auf der Meindl-Teststrecke oder heißt es am Ende: "Hasta la vista, Gosejohann 1?"Die Auflösung gibt es am 3. September auf www.handwerk.de .

Simon macht das Handwerk schmackhaft

Die Art, auf die sich die Filmemacher seinem Handwerk im Film nähern, findet Firmenchef Meindl prima: "Auch für uns ist die Lehrlingssuche kein Selbstläufer mehr. Man braucht Figuren wie Simon, um Jugendlichen das Handwerk schmackhaft zu machen. Ich finde, die Imagekampagne ist sehr gut angelegt." Simon Gosejohann ist nicht nur von der Größe des Betriebs begeistert: "Ich staune immer noch, wie facettenreich das Handwerk ist – dabei habe ich mittlerweile schon viele Berufe kennen gelernt. Man kann sich auf viele Arten im Handwerk selbst verwirklichen. Und dann ist da noch der Teamgedanke, der in den meisten Betrieben, in denen ich bisher war, eine große Rolle spielt."

Am Ende des Films hält Simon dann endlich den "Gosejohann 1" in Händen. Seinen eigenen Meindl-Schuh. Genau wie einst Schwarzenegger.

Jens Christopher Ulrich


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