Gesundheit -

Mitarbeiter und Rahmenbedingungen zählen Sicherheitsbeauftragte: Neue Kriterien gelten

Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern müssen Sicherheitsbeauftragte bestellen. Seit Jahresbeginn ist aber nicht mehr nur die Beschäftigtenzahl ausschlaggebend für die Zahl der Sicherheitsbeauftragten. Die betriebliche Situation wird künftig stärker einbezogen:

Unternehmen, die regelmäßig mehr als 20 Beschäftigte haben, müssen Sicherheitsbeauftragte bestellen. Dies sind Mitarbeiter, die sich als ehrenamtliche, von der Berufsgenossenschaft (BG) ausgebildete Arbeitsschutzhelfer in ihrem Arbeitsbereich und während ihrer Arbeitszeit für sicheres und gesundes Arbeiten einsetzen. Sie unterstützen Unternehmer und Vorgesetzte bei der betrieblichen Sicherheitsarbeit. Das war bisher so und bleibt auch - geändert haben sich aber seit Anfang 2015 die Vorgaben für die Zahl der Sicherheitsbeauftagten, informiert die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe BGN.

Nicht mehr nur Beschäftigtenzahl entscheidet

Die Zahl der Sicherheitsbeauftragten richtete sich bisher nach der Beschäftigtenzahl ("Bestellstaffel"). Jetzt ist die Anzahl der Beschäftigten nur noch eines von fünf Kriterien. Durch die neuen Vorgaben soll die konkrete betriebliche Situation stärker als bisher berücksichtigt werden.
Die fünf Kriterien sind:
  • im Unternehmen bestehende Unfall- und Gesundheitsgefahren
  • räumliche Nähe zu den Beschäftigten
  • zeitliche Nähe zu den Beschäftigten
  • fachliche Nähe zu den Beschäftigten
  • Anzahl der Beschäftigten
Diese Änderungen stehen in der neuen Fassung der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (jetzt "DGUV Vorschrift 1") und gelten in Mitgliedsbetrieben der Berufsgenossenschaften seit 1. Januar 2015. Die gleichnamige DGUV-Regel 100-001 enthält Erläuterungen zu den einzelnen Paragrafen der neuen Vorschrift 1. Anwendungsbeispiele nach den neuen Vorgaben sind in der Arbeits-Sicherheits-Information "Bestellung und Aufgaben von Sicherheitsbeauftragten – Handlungshilfe der BGN" (ASI 0.60) zusammengestellt. Weitere Informationen gibt es bei der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse BGETEM.

Jeder kann Sicherheitsbeauftragter werden

Sicherheitsbeauftragter kann jeder Mitarbeiter im Betrieb werden. Eine fachliche Voraussetzung gibt es nicht. Allerdings sollte sich die Person durch Verantwortungsbewusstsein und eine vorbildliche Verhaltens- und Arbeitsweise auszeichnen. Darüber hinaus sind Vertrauen und Anerkennung der Kollegen sowie Kommunikationsfähigkeiten gute Voraussetzungen für den Sicherheitsbeauftragten. Die nötigen Arbeitsschutzkenntnisse erwirbt sie in einem Seminar der Berufsgenossenschaften.

In der Regel ist es von Vorteil, wenn der Sicherheitsbeauftragte ein Kollege unter Kollegen und keine Führungskraft ist. Sicherheitsbeauftragte haben kein Weisungsrecht, können folglich aber auch nicht zivil- oder strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.

Sicherheitsbeauftragter kann nicht auch Sicherheitsfachkraft sein

Sicherheitsbeauftragte könnnen nicht zugleich Sicherheitsfachkraft (Sifa) sein. Alle Betriebsangehörigen sollten wissen, wer in ihrem Bereich Sicherheitsbeauftragter ist und wofür er zuständig ist. Die BG empfiehlt, dies in einer mündlichen Besprechung bekannt zu machen und zusätzlich mit einen Aushang am schwarzen Brett darüber zu informieren. Die eigentliche Bestellung des Sicherheitsbeauftragten sollte schriftlich erfolgen. Ein Musterformular für die Bestellung eines Sicherheitsbeauftragten bietet die Berufsgenossenschaft Holz und Metall BGHM.

Sicherheitsbeauftragter ist ein reiner Berater

Der Sicherheitsbeauftragte ist ein reiner Berater. Er hilft seinem Vorgesetzten, das zu sehen, was dieser eigentlich selbst sehen müsste, es aber nicht immer sehen kann, weil er nicht ständig vor Ort ist. Der Sicherheitsbeauftragte nimmt dem Vorgesetzten nicht dessen Aufgaben ab, sondern unterstützt ihn in allen Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes. Er macht auf Gefährdungen wie Stolperstellen, technische Defekte aufmerksam und auf gefahrbringende Bedingungen wie Unwissenheit der Kollegen, falsche Verhaltens- oder Arbeitsweisen, z.B. wenn ein Mitarbeiter nicht die vorgeschriebene Schutzbrille trägt.

Stellt der Sicherheitsbeauftragte Mängel fest, meldet er sie umgehend seinem Vorgesetzten, der die Mängel beseitigen lassen muss. Als Fachmann vor Ort soll der Sicherheitsbeauftragte auch konstruktive Vorschläge machen, am besten schriftlich. Die BGN stellt ihren Mitgliedern dazu bespielsweise einen Meldeblock mit Durchschlag zur Verfügung. Kann ein Mangel nicht sofort beseitigt werden, hilft ein solcher Meldeblock, die Sache nicht aus dem Blick zu verlieren.

Eine der schwierigsten Aufgaben des Sicherheitsbeauftragten ist, Kollegen von einer richtigen und sicheren Arbeits- und Verhaltensweise zu überzeugen. Der Leitfaden "Gesprächsführung für Sicherheitsbeauftragte" des Bundesverbands der Unfallkassen hilft, die richtigen Worte zu finden.

Kommt es zu einem Unfall oder einer Berufskrankheit, nimmt der Sicherheitsbeauftragte an den Untersuchungen teil. Außerdem wirkt er bei der Gefährdungsbeurteilung mit. bst

Dieser Artikel wurde am 21. September 2015 aktualisiert.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen