IT + Digitalisierung -

Serverfarmen und digitale Leitstände "Bauen 4.0": Deutschlands erste vernetzte Baustelle geplant

Im ostsächsischen Görlitz soll ein Technologiepark entstehen, in dem an der Baustelle der Zukunft geforscht wird.

Noch präsentiert sich der Technologiepark "Bauen 4.0" im Görlitzer Ortsteil Klingewalde als grüne Wiese. Aber wenn es gut läuft, dann entsteht dort ab zweitem Quartal nächsten Jahres die erste vernetzte Baustelle Deutschlands – oder wie es Prof. Jürgen Weber von der TU Dresden ausdrücken würde: "ein interdisziplinäres Reallabor für Bau- und Baumaschinentechnologien".

Webers Institut für Mechatronischen Maschinenbau koordiniert ein Verbundforschungsprojekt, an dem neben weiteren Forschern auch rund 20 Partner aus der Wirtschaft mit­wirken. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie liegt bereits vor. Damit die Baustelle der Zukunft in Form eines Versuchsfeldes entstehen kann, entwickeln Ingenieure der TU Dresden und des 5G Lab Germany die notwendigen Technologien, wie ein Connectivity-Modul und eine Baustellencloud. Die Cloud soll rechen­intensive Prozesse und die Datenverwaltung übernehmen, während das Connectivity-Modul dafür sorgt, dass die Planungs- und Zustandsdaten zur Maschine gelangen.

Schnelles Funknetz nach 5G-Standard nötig

Dafür braucht es in erster Linie ein schnelles Funknetz nach dem 5G-Standard. André Sitte, Mitarbeiter am Institut für Mechatronischen Maschinenbau, betont allerdings, dass bei dem Projekt alle Funk- und Kommunikationsstandards eingesetzt würden. "Automatisierung und Vernetzung, die in der industriellen Produktion schon Alltag sind, möchten wir auf die Baustelle bringen, zunächst am Beispiel des Tief- und Ingenieurbaus", sagt Sitte.

Und so könnte das Szenario auf der Testbaustelle aussehen: Nach der Bodenvermessung zeigt eine VR- Brille dem Baggerfahrer an, wo Versorgungsleitungen im Erdreich liegen. Steuerkonsolen navigieren den Radladerfahrer zum richtigen Erdhaufen und zeigen ihm an, wieviel Material er dort umschlagen soll. "Ein komplett vernetzter Radlader sendet live das Gewicht seines Schaufelinhaltes an eine Baustellencloud. Die digitale Baustelle überwacht den Ladeprozess und warnt den Maschinenführer rechtzeitig, bevor die erlaubte Achslast des Lasters überschritten wird", blickt Weber in die Zukunft. Die digitale Baustellenlogistik werde außerdem dafür sorgen, dass die richtigen Werkzeuge und Materialien genau zum richtigen Zeitpunkt an dem Ort sind, wo sie gerade gebraucht werden.

"Zusätzlich zu den Baustellencontainern, in denen heute Fachkräfte arbeiten und wohnen, werden in Zukunft Serverfarmen und digitale Leitstände Einzug halten", so Weber. Bis dahin bedarf es aber noch viel Entwicklungsarbeit. Der Technologiepark "Bauen 4.0" in Ostsachsen soll dabei eine wichtige Rolle spielen. ste

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten