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Umstellung des Europäischen Zahlungsverkehrs SEPA: Übergangsfrist für Betriebe verlängert

Noch nicht fit genug für Sepa: Aus Angst vor Chaos im Zahlungsverkehr verlängert die Europäische Kommission für Betriebe die Übergangsfrist für die Umstellung auf Sepa. Zu wenige Unternehmen sind bisher darauf vorbereitet.

Die Europäische Kommission gewährt Betrieben und Vereinen bei der Umstellung auf Sepa einen Aufschub. Eigentlich sollte der neue Zahlungsraum zum 1. Februar 2014 in Kraft treten, nun haben Unternehmen sechs Monate länger Zeit.

Denn bisher haben erst wenige auf das Sepa-Verfahren umgestellt. Ein reibungsloser Zahlungsverkehr könne daher nicht garantiert werden, begründete der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier die Entscheidung. Er bedauere die Verzögerung, aber damit wolle er Probleme bei Zahlungen und die Folgen für Konsumenten und Unternehmen verhindern. EU-Parlament und Mitgliedstaaten müssen der Entscheidung noch zustimmen.

Die Umstellungsraten lagen im November 2013 europaweit nur bei 64,1 Prozent für Überweisungen und 26 Prozent für Lastschriften. In Deutschland lag der Anteil der Überweisungen, die mit Sepa durchgeführt wurden, im Dezember sogar nur bei 32 Prozent. Der Anteil der Sepa-Lastschriften, lag im November lediglich bei zehn Prozent.

Nur ein Drittel der Betriebe haben Gläubiger-ID

Damit Betriebe am Lastschriftverfahren teilnehmen können, müssen sie bei der Deutschen Bundesbank eine Gläubiger-Identifikationsnummer beantragen. Das haben bislang in Deutschland rund 1,3 Millionen Unternehmen und Vereine erledigt - das entspricht jedoch nur rund 31 Prozent.

Die EU-Kommission befürchtet, dass es ohne die nun beschlossene Übergangsfrist, zu großen Schwierigkeiten im Zahlungsverkehr kommt. Denn ohne die neue Kontonummer IBAN sind Überweisungen oder Lastschriftabbuchungen nach dem 1. Februar nicht mehr möglich. Die IBAN setzt sich unter anderem aus der bisherigen Kontonummer und der Bankleitzahl zusammen.

Bundesbank appelliert an Betriebe

Die Deutsche Bundesbank hatte in den vergangenen Monaten immer wieder gewarnt, dass sich zu wenige Unternehmen mit dem Thema beschäftigen. "Trotzdem waren wir zuversichtlich, dass das gesteckte Ziel erreicht werden kann", sagte Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Bundesbank. Er appelliert nun an die Betriebe, ihre SEPA-Projekte konsequent fortzusetzen und an einer Umstellung zum 1. Februar festzuhalten.

Der Vorschlag der Europäischen Kommission dürfe keinesfalls dazu führen, dass die Marktteilnehmer in ihren Migrationsvorbereitungen verunsichert würden. "Der bereits betriebene Umstellungsaufwand war nicht vergeblich, da Sepa definitiv kommt", sagte Thiele.

Markus Ferber, Vorsitzender der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, findet die Entscheidung der EU-Kommission richtig: "Die verlängerte Frist für die Umstellung verschafft Vereinen und Mittelständlern die notwendige Luft. Ich bin erleichtert, dass die Kommission noch rechtzeitig einlenkt."

Neue Übergangsfrist: 1. August 2014

Betriebe haben nun noch bis zum 1. August 2014 Zeit, ihre EDV und Software auf die neue Zahlungsmethode umzustellen. Überweisungen, die nicht im Sepa-Format getätigt wurden, werden bis dahin weiterhin angenommen. Für Privatleute gilt eine Frist bis 2016.

EU-Kommissar Barnier rief die Mitgliedstaaten jetzt zum Handeln auf. Die Übergangsfrist werde nicht noch einmal verlängert.

Zum Single Euro Payments Area (Sepa) gehören mehr als 20 Millionen Unternehmen in 28 EU-Staaten plus Norwegen, Island, Liechtenstein, Schweiz und Monaco. Ziel von Sepa ist es, den Zahlungsverkehr innerhalb Europas zu vereinheitlichen.

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