Meinung -

Kommentar SEPA: Chaos oder notwendig?

SEPA, IBAN, BIC – EU-Kommissar Michel Barnier ist offenbar der Meinung, dass diese Abkürzungen für viele in Europa noch ein Buch mit sieben Siegeln sind. Deshalb hat er vorgeschlagen, die Umstellung auf SEPA um ein halbes Jahr zu verschieben.

Dr. Lothar Semper
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SEPA steht für einen einheitlichen Zahlungsraum von Abwicklungen in Euro. Begonnen haben diese Diskussionen bereits Ende 2005, als die EU-Kommission einen Vorschlag dazu vorgelegt hat. Hintergrund waren die äußerst unterschiedlichen nationalen Regelungen. Für den Binnenmarkt ist es nicht gerade förderlich, dass zahlreiche Länder beispielsweise keine rechtliche Grundlage für das Lastschriftverfahren haben.

Barnier hat nun die Notbremse gezogen. Für eine endgültige Verschiebung ist aber noch die Zustimmung des EU-Parlaments und der Mitgliedstaaten notwendig. Gegenstimmen gibt es bereits. Sie kommen von der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Bundesbank sowie von Wirtschaftsverbänden. Und ohne Not sollte man ein so gigantisches Vorhaben, das den Zahlungsverkehr in 33 Staaten betrifft, auch nicht verschieben.

SEPA: Zahlungsverkehr beschleunigen

Die Not, die die EU-Kommission sieht, muss also durchaus beachtlich sein. Sie kommt zum Ausdruck in der Formulierung, man habe ein Chaos verhindern wollen. Dieses Chaos könnte darin bestehen, dass es zu Zahlungsunterbrechungen und damit auch zu Liquiditätsproblemen betroffener Unternehmen kommt. SEPA ist derzeit insbesondere für Firmen und Vereine eine Herausforderung. Privatleute haben zur Umstellung noch zwei Jahre länger Zeit. Allerdings sind sie auch jetzt schon betroffen, wenn es Lastschriften von Unternehmen oder Vereinen gibt. Jeder hat dies in den vergangenen Wochen und Monaten durch die schriftlichen Informationen und die Bitte zur Kontrolle der erfassten Daten mitbekommen.

Um was geht es im Wesentlichen? Kontonummer und Bankleitzahl werden zu sog. IBAN-Nummern zusammengefasst. Für viele abschreckend ist die Tatsache, dass diese IBAN-Nummer in Deutschland 22 Stellen aufweist. Allerdings besteht sie aus nichts anderem als dem Länderkürzel DE für Deutschland, einer individuellen Prüfziffer sowie der bereits bekannten Bankleitzahl und Kontonummer. Keine Hexerei also, so müsste man meinen. Noch vor wenigen Monaten hatte allerdings Bundesbank-Vorstandsmitglied Thiele bilanziert, dass die SEPA-Nutzung – auch bei kleinen und mittleren Unternehmen – besorgniserregend sei.

Es bedarf wohl besonderer Anstrengungen, damit dies in weiteren sechs Monaten anders aussieht. Ansonsten sind weitere Verschiebungen vorprogrammiert. Im Unterschied zu manch anderen europäischen Vorhaben könnte man durchaus sagen: Wenn SEPA den Zahlungsverkehr beschleunigt, kann es so verkehrt nicht sein.

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