Meinung -

Leitartikel Selbstbewusster Auftritt

Das Handwerk hat die IHM genutzt, um Angriffe auf den Meisterbrief zu kontern.

Die Internationale Handwerksmesse kann eine gute Bilanz ziehen. 126.000 Besucher konnten sich davon überzeugen, ob das Handwerk sein Motto „Made in Germany. Das Original. Echt bei uns im Handwerk“ einlöst. Sichtbares Zeichen für den Erfolg sind die etwa 45 Millionen Euro an Verkäufen und Bestellungen, die die Aussteller zu verzeichnen hatten. Das passt zur konjunkturellen Lage des Handwerks. Noch während der IHM veröffentlichte das Statistische Bundesamt die Jahresbilanz 2016 für unseren Wirtschaftsbereich. Die Umsätze der Betriebe stiegen um 3 Prozent. Wermutstropfen bleibt dabei der Fachkräftemangel; sonst wären sicherlich noch mehr Aufträge zeitnah abzuwickeln. Dass das Handwerk bereit und fähig ist, anstehende Herausforderungen wie die Digitalisierung anzunehmen und anzugehen, zeigten mehrere Fachveranstaltungen. Immer wieder wurde aber auch darauf hingewiesen, dass es dazu auch der entsprechenden politischen Rahmenbedingungen bedarf.

Bei der Eröffnungsveranstaltung verscherzte sich Bundeswirtschaftsministerin Zypries so manche Sympathie, als sie auf etwas schnoddrige Art die Debatte um das EU-Dienstleistungspaket beenden wollte. Dabei ist es gerade dieses Thema, mit dem die EU-Kommission das Handwerk zur Weißglut treibt und zum Verzweifeln bringt. Warum will man in Brüssel nicht endlich zur Kenntnis nehmen, dass der wirtschaftliche Erfolg und die geringe Jugendarbeitslosigkeit Deutschlands auch dem Handwerk und seinen Ordnungsprinzipien zu verdanken sind?

Eines muss man in diesem Zusammenhang auch einmal deutlich machen: Die Initiative der EU-Kommission hat sicher auch damit zu tun, dass man der Exportstärke Deutschlands etwas entgegenstellen möchte. Doch die Profiteure des Exportbooms sind andere als die Leidtragenden der Auswirkungen des EU-Dienstleistungspakets. Positiv anzurechnen ist der Bundeswirtschaftsministerin das eindeutige Bekenntnis zum Meister als Qualifikationsmerkmal und als Berufszugangsvoraussetzung sowie zum Kammerwesen. Auch die Bundeskanzlerin hat sich dazu beim Münchner Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft ganz deutlich bekannt.

Aber dass es nicht ganz leicht ist, eine einheitliche Positionierung der gesamten deutschen Wirtschaft zu diesen Fragen hinzubekommen, hat das Positionspapier der vier Spitzenorganisationen gezeigt. Das Wort Dienstleistungspaket taucht dort nicht auf. Allerdings sind mit der Formulierung, dass gerade im Bereich beruflicher Aus-, Fort- und Weiterbildung und der grenzüberschreitenden Qualifikationsanerkennungen in der EU weiterhin strikt die Leitlinien der Subsidiarität und des Ziellandprinzips gelten müssen, wichtige Eckpfeiler gemeinsam gesetzt. Bei der Gelegenheit sollte man Bundestag und Bundesrat dafür danken, dass sie gemeinsam zum Dienstleistungspaket der EU-Kommission Subsidiaritätsrüge erhoben haben. Allerdings entfaltet diese nur dann ihre Wirkung, wenn weitere EU-Mitgliedsstaaten genauso vorgehen. Auf gut Deutsch: Fragen der Berufsbildungspolitik und der Berufsreglementierung sind ureigene Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten.

Die EU hätte derzeit wahrlich genug Aufgaben zu lösen, um die Europäische Union zukunftsfähig zu machen. Und Europa braucht dafür begeisterte Anhänger. Handwerkern sollte man diese Begeisterung nicht durch ständige Angriffe auf den Meisterbrief erschweren!

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