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Mit dem Auto in den Urlaub Sekundenschlaf: Jeder Vierte schon einmal am Steuer eingeschlafen

Jährlich sterben Menschen wegen Sekundenschlaf am Steuer. Die tödliche Gefahr kündigt sich an. Signale werden jedoch nicht erkannt oder ignoriert. Mit diesen Tipps schützen Sie sich und andere Verkehrsteilnehmer.

Das Gepäck liegt im Kofferraum, die Familie sitzt vollzählig im Auto. Wenn alles gut geht, ist das Urlaubsziel in zehn Stunden erreicht. Bleiben größere Verzögerungen aus, können die Kinder noch mittags im Pool planschen. Die Sterne funkeln vom Himmel, als der Familienvater den Motor startet und das Auto in Richtung Adria lenkt. Ein Fehler.

"Mitten in der Nacht, beziehungsweise in den frühen Morgenstunden ist die Einschlafneigung hinter dem Steuer und damit die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Sekundenschlafes besonders hoch", warnt Andrea Häußler von TÜV SÜD. Zwischen zwei und fünf Uhr ist die Konzentration besonders gering. Dieser Zeitraum ist einer von zwei sogenannten biologischen Tiefpunkten. Der Zweite beginnt nachmittags gegen 14 Uhr. Wer hier am Steuer sitzt, ist besonders gefährdet für Sekundenschlaf. Eine unterschätzte Gefahr. Denn jeder vierte Autofahrer ist schon einmal am Steuer eingeschlafen - das ist das Ergebnis einer TNS-Emnid-Umfrage.

Schon wenige Sekunden können tödlich sein

Welche Folgen ein solcher Sekundenschlaf hat, ist einfach erklärt. Bei Tempo 100 legt ein Autofahrer in drei Sekunden etwa 80 Meter zurück. Mit etwas Glück passiert nichts. Steht kein Schutzengel bereit, lenkt der Fahrer das Auto in den Gegenverkehr, das Auto kommt von der Straße ab oder es kolidiert mit einem vorausfahrenden Fahrzeug. Ein Blindflug von nur wenigen Sekunden kann also tödliche Folgen haben. Und tatsächlich ist Sekundenschlaf am Steuer eine der häufigsten Ursachen für tödliche Verkehrsunfälle.

Sekundenschlaf: Warnsignale erkennen

Müdigkeit kann weder ignoriert noch bezwungen werden. Da hilft auch keine Willensstärke. Energy Drinks und Kaffee machen zwar kurzfristig aufmerksam, die Wirkung lässt jedoch bald wieder nach. Zudem braucht Koffein etwa 30 Minuten, bis es wirkt. Besser ist es auf seine körpereigenen Warnsignale zu hören. "Diese sind sehr individuell, aber man kann sie lernen", weiß Häußler.

Wenn Autofahrer plötzlich Verkehrszeichen übersehen, mit ungleichmäßiger Geschwindigkeit fahren oder leicht von der Spur abkommen, sollten alle Alarmglocken läuten. "Wenn Ihnen ungewollt die Augen zufallen, wenn Sie plötzlich zusammenzucken, weil Sie nicht mehr auf den Verkehr geachtet haben, dann ist das Alarmstufe rot - Sie waren bereits Opfer des Sekundenschlafs", warnt die Expertin von TÜV SÜD. Weitere Warnsignale sind brennende Augen, leichtes Frösteln, wiederholtes Blinzeln und Gähnen.

Das hilft gegen Sekundenschlaf

Oft wird die eigene Müdigkeit unterschätzt. Autofahrer sollten daher feste Rituale einlegen, um sich dennoch vor Sekundenschlaf zu schützen. "Um Schlafattacken vorzubeugen, sollte man grundsätzlich nach zwei bis drei Stunden am Lenkrad eine Pause einlegen", rät Häußler. Zudem empfiehlt sie Autofahrern längere Autofahrten nur ausgeruht zu starten und Pausen an der frischen Luft mit etwas Bewegung einzulegen. Das belebt, macht fit und pumpt Sauerstoff ins Blut.

Die beste Medizin gegen Müdigkeit bleibt jedoch Schlaf. Bereits 20 Minuten können die Leistungsfähigkeit wieder steigern. Anstatt massenweise Kaffee zu trinken oder mit offenem Fenster durch die Nacht zu fahren, sollten Autofahrer also besser den nächsten Parkplatz ansteuern. Das kann den Insassen sowie anderen Verkehrsteilnehmern das Leben retten. fre

Sekundenschlaf-Checkliste:

Bei diesen Warnsignalen sollten Sie einen Halt einlegen:

  • Verkehrszeichen übersehen
  • ungleichmäßige Geschwindigkeit
  • Probleme beim Spur halten
  • Augen fallen ungewollt zu
  • plötzliches Zusammenzucken
  • brennende Augen
  • leichtes Frösteln
  • wiederholtes Blinzeln und Gähnen

Das schützt vor Sekundenschlaf:

  • ausgeruht starten
  • 20 Minuten Schlaf auf dem Parkplatz/an der Raststätte
  • nach 2 bis 3 Stunden eine Pause einlegen, ein paar Meter gehen, Gymnastik machen

Das hilft nicht:

  • Müdigkeit ignorieren
  • Koffein (belebt nur kurzzeitig)
  • offene Fenster
  • laute Musik

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