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Zu Besuch bei der Schreinerei Fitz Interior Schwäbische Handwerkskunst für die Weltmeere

Wer sich spezialisiert, der bleibt. Das beweist die Schreinerei Fitz Interior aus Mertingen. Beim Innenausbau von Yachten haben sie ein einmaliges Know-how, das weltweit gefragt ist.

Wenn man die Schreinerei Fitz betritt, fallen einem sofort die Fotos der Luxusyachten an den Wänden auf. Eine größer als die andere. Mal 70, mal 80 Meter lang, mal mit Pool an Deck, mal mit eigenem Hubschrauberlandeplatz. Doch die hochwertige handwerkliche Arbeit, die in diesen Schiffen steckt, wird erst beim Blick ins Innere sichtbar. Jedes Exemplar ist eine Maßanfertigung. Die Wände der Gänge und Kabinen werden mit edlen Hölzern verkleidet und an der Decke zieren zum Beispiel Paneele aus Leder den Raum. Auch die Betten sind individuell geschreinert und an der einen oder anderen Wand lässt sich ein goldverzierter Schminktisch ausklappen, indirekte Beleuchtung inklusive.

Diese außergewöhnlichen Designs, die in Monaco, Dubai oder New York bewundert werden können, entstehen in einem kleinen schwäbischen Ort nördlich von Augsburg. Aus der 3.500-Seelen-Gemeinde Mertingen bei Donauwörth werden die Luxusanfertigungen in die ganze Welt exportiert.

"Wir verarbeiten Glas, Edelsteine, Metall, aber auch Fischleder oder Blattgold. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt", sagt Markus ­Jechnerer, Salesmanager bei Fitz ­Interior, beim Rundgang durch den modernen Betrieb. Die Architekten geben die Ideen vor und die 60 Mitarbeiter tüfteln, wie sie am besten umsetzbar sind. Das sei zwar nicht immer einfach, aber Geld spiele für die Kunden keine Rolle. "Ein Meter einer Yacht kostet nachher etwa ­eine Million. Da kommt es auf ein paar tausend Euro mehr oder ­weniger auch nicht mehr an", weiß Jechnerer.

Erste Aufträge in den USA

Die Firmengeschichte reicht einige Jahrzehnte zurück. Fitz Interior wurde 1956 als Bau- und Möbelschreinerei gegründet. 1985 übernahmen die Söhne Josef und Dieter Fitz das Geschäft und bauten es kontinuierlich zu einem Spezialisten im Innenausbau von Yachten um.

Bereits Ende der 70er übernahm Josef Fitz, damals 17 Jahre alt, viel Verantwortung in der Firma seines Vaters. "Wir haben früh erkannt, dass wir uns abseits der normalen Schreinerarbeiten weiterentwickeln mussten. Deshalb haben wir uns auf sehr hochwertigen Innenausbau konzentriert, was für viele andere Betriebe zu schwierig war. Denn häufig fehlten dort Know-how, Mitarbeiter oder die nötigen Maschinen", erklärt Josef Fitz, der nach dem Tod seines Bruders heute das Geschäft zusammen mit seinem Neffen und seiner Schwägerin führt. Nachdem sich die Firma auf den Innenausbau fokussiert hatte, arbeitete Fitz mehrere Jahre an Projekten in den USA. Über den Kontakt zu Unternehmern aus New York erhielt die Firma die ersten größeren Anfragen, auch für Yachten. So kam es, dass die Schreinerei ein Luxusboot für einen prominenten Kunden aus Katar ausstattete. Damit war der erste Schritt getan und die Firma wurde im Laufe der Jahre zu einem festen Begriff in der Branche.

Hochwertige Handarbeit und Inhouse-Produktion ist dem Betrieb auch heute noch wichtig. So werden zum Beispiel auch aufwendige Polsterarbeiten im Haus übernommen. Wenn der Kunde es wünscht, setzen die Handwerker ausgefallene Muster aus einzelnen Lederstücken zusammen. "Unsere Arbeit hat nichts mit dem Meister Eder von früher zu tun. Wir produzieren Handwerkskunst für Kunden, die unsere traditionelle Arbeit noch zu schätzen wissen und auch bezahlen können. Das macht unseren Betrieb so besonders und darauf bin ich stolz", sagt Fitz. Als eine der größten aktuellen Herausforderungen betrachtet der Firmenchef die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte. "Bei den hochwertigen Arbeiten unterstützt uns natürlich die Technik, aber am Ende ist der Mensch für das fertige Produkt verantwortlich", sagt er.

Fitz Interior

Moderne Produktionsverfahren

Von der Vielzahl an unterschiedlichen Materialien, die die Schreinerei über all die Jahre verarbeitet hat, zeugt der Vorraum der Werkshalle. Hier stapeln sich bunte Glasplatten mit rauen und glatten Oberflächen, daneben Muster für Leder und Stoffe, die auf kleine quadratische Holzplatten gespannt wurden.

Von dem Raum aus sieht man hinüber in die große, lichtdurchflutete Werkshalle. Ein paar Mitarbeiter arbeiten an den wenigen Maschinen und setzen die Vorlagen um, die ihre Kollegen im hauseigenen Konstruktionsbüro entworfen haben. Jedes Bauteil wird zuerst in 3D gezeichnet, dann angefertigt und im Testaufbau überprüft. "Das Augenmerk liegt auf der Konstruktion. Sie gibt die Bauteile für die Produktion eins zu eins vor. Jede Leiste wird vorher gezeichnet, damit später auf der Baustelle alle Elemente genau mit der Unterkonstruktion zusammenpassen und ohne Modifikationen eingebauten werden können", sagt Fitz.

Die große Werkshalle ist vor allem wichtig, um die Innenverkleidungen aufzubauen und zu testen. Dafür hat die Firma ein eigenes Konzept entwickelt. "Wir waren Vorreiter bei den Bodenschablonen im Maßstab eins zu eins. Das sind Schablonen aus Hartfaserplatten, die wir mit dem Laser ausschneiden", erklärt Jechnerer. Damit bauen die Handwerker jeden Raum im Schiff vorher in der Werkshalle in Mertingen zusammen, damit in der Werft später auch alles passt.

Erst, wenn alle Elemente auf den Millimeter ineinandergreifen, werden sie Stück für Stück wieder abgebaut und verpackt. In eigenen Holzkisten reisen sie anschließend zu den Werften in der ganzen Welt, wo die Montageteams die Innenräume der Schiffe mit Leben füllen. Von der Idee bis zum fertigen Objekt dauert es seine Zeit. Zwei bis vier Jahre vergehen, bis eine Yacht umgebaut ist.

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