Halle (Saale) -

Berufsbildende Schulen Anhalt-Bitterfeld ausgezeichnet Schule mit Courage

Wo kann man gleichzeitig Jugendliche aus 37 Nationen, den Handball-Nationaltrainer Christian Prokop, den Geschäftsführer vom Fußballbundesligisten Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, und die Landtagspräsidentin von Sachsen-Anhalt, Gabriele Brakebusch, erleben? In einer Turnhalle in Bitterfeld.

Wobei die Turnhalle an diesem Tag ein geschmückter Saal ist mit Sitz­reihen für die Schüler und das ­Publikum. Und die Turnhalle ist nicht irgendeine: Es ist die der größten Berufsschule in Sachsen-Anhalt – der Berufsbildenden Schulen Anhalt-Bitterfeld (BbS) – und es wird kein Promi-Match zwischen Fußball und Handball geben. Denn Prokop und Watzke sind „nur“ die Paten. Wunderbar ließe sich hier assoziieren, dass der Direktor Rainer Woischnik bei seiner Anfrage an die Paten immer schon daran dachte, dass der Festakt auch „Hand und Fuß“ haben sollte. Aber das wäre dann doch etwas weit hergeholt. Dass aber Sport am besten verbindet, das weiß er. Deshalb die Paten.

Was aber wurde am 20. März 2018 nun in Bitterfeld gefeiert? Wer hat denn hier was gewonnen? Die Schule hat es geschafft und den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ errungen. „Es war ein langer Weg“, sagt Rainer Woischnik. Von den insgesamt 3.178 Personen, die die Schule zählt, darunter Schüler, Lehrer, Angestellte etc., haben 76 Prozent für diesen Titel gestimmt.

Woischnik: „Das macht mich stolz und besonders stolz macht mich, dass dieser Impuls aus der Schülerschaft kam.“ Denn über die Schülervertretung wurde die Idee, sich um den Titel zu bewerben, an ihn herangetragen. Ein Lob auf das Engagement der Schülerschaft und auf sein gesamtes Team hält Woischnik. „Wir hatten keinen Plan B. Ich wusste, wir schaffen das!“, sagt er. Denn 70 Prozent aller Personen an der Schule mussten dafür stimmen, das war die Voraussetzung. Unter den insgesamt 3.000 Schülern lernen hier auch 254 Jugendliche aus 37 Nationen.

Auch die Paten lassen sich von der Begeisterung, die im Saal zu spüren ist, anstecken. Sie wollen weitere Aktionen der „Schule gegen Rassismus“ begleiten. Groß überlegen mussten sie nicht, die Patenschaft zu übernehmen. Und sie kamen auch mit Geschenken: 80 Handballkarten und eine Einladung nach Dortmund für einen Bus voller Schüler inklusive einer Stadionführung wurden angekündigt.

Der Titel des bundesweiten Netzwerks „Schule gegen Rassismus“ wurde dann durch den Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Maik Reichel, und Landeskoordinatorin Cornelia Habisch überreicht. Die BbS Anhalt-Bitterfeld ist die 137. Schule in Sachsen-Anhalt und die größte, die diesen Titel trägt.Mit viel Gesang, Ballett und Videoeinlagen zeigten die Schüler, was wirklich verbindet: Tanz, Musik und Sprache.

Das „Miteinander“ ist hier nicht nur ein Wort, hier wird Toleranz gelebt und das erfuhren auch die Staatssekretärin des Bildungsministeriums von Sachsen-Anhalt, Eva Feußner, und die Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch. Letztere beglückwünschte die Schule und wünschte sich so ein Klima auch für den Landtag: „Sie können stolz auf sich sein und ich bin es (…) auch. Ich würde mir wünschen, dass die Hitzköpfe im Landtag mal sportlich gegeneinander antreten. Ich würde mir einen Landtag ohne Rassismus wünschen. Wir Politiker sind so kleine Lichter ohne Sie! Ohne Sie wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Haben Sie den Mut, gehen Sie auch in die Politik hinein (…), um die Welt ein bisschen besser zu machen.“

Und während die Honoratioren den Saal verlassen, tanzen die Schüler mit ihren T-Shirts, auf denen die Buchstaben „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ aufgemalt sind, noch immer.

Info: „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Projekt des Vereins Aktion Courage und wurde in Deutschland 1995 unter dem Namen „Schule ohne Rassismus“ ins Leben gerufen. Derzeit tragen 137 Schulen in Sachsen-Anhalt den Titel.

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