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Schuldneratlas 2017 Neue Schuldner aus der "Mitte der Gesellschaft"

Die "Mitte der Gesellschaft" häuft in Deutschland die meisten Schulden an. Das zeigt der neue Schuldneratlas 2017. Zwar verlangsamt sich aktuell die Neuverschuldung der Privatpersonen, doch wer neue in die Überschuldungsspirale gerät, stammt meist aus der Mittelschicht. Neue Fakten zu Deutschlands Schuldnern – nach Alter, Geschlecht und Bundesland.

Jedes Jahr im Herbst veröffentlicht die Wirtschaftsauskunftei Creditreform ihren neuen Schuldneratlas und zeigt damit, wie viele Privatpersonen in Deutschland verschuldet sind, wo sie vorrangig leben sowie weitere Hintergründe zu den typischen Überschuldungsfällen. In diesem Jahr erstellten die Statistiker eine Sonderauswertung nach Milieuzugehörigkeit. Diese macht deutlich, dass 2017 fast alle neuen Überschuldungsfälle aus der "Mitte der Gesellschaft" stammen. Das sind 69.000 Personen mehr als im Vorjahr, die aktuell Schulden angehäuft haben.

Insgesamt liegt die Zahl der deutschen Schuldner derzeit (Stichtag 1. Oktober 2017) bei über 6,9 Millionen Bürgern über 18 Jahre. Sie alle weisen mit den Worten der Creditreform „nachhaltige Zahlungsstörungen auf“. Damit wurde für die gesamte Bundesrepublik eine Überschuldungsquote von 10,04 Prozent gemessen. Zwar hat die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland auch diesmal wieder zugenommen – seit 2014 zum vierten Mal in Folge – allerdings verlangsamt sich das Tempo laut Creditreform. In den anderen untersuchten Gesellschaftsschichten – "gehoben" und "untere Schichten" – hat die Anzahl der neuen Schuldner leicht abgenommen.

Weniger harte Überschuldungsfälle

Dass Schulden zu haben mittlerweile ein breit über die Gesellschaft verteiltes Phänomen ist, zeigt auch die Tatsache, dass gleichzeitig die Fälle der privaten Schuldner zunehmen, die mit hohen Summen überschuldet sind, als auch die mit niedrigen Schulden. Der Anstieg der harten Überschuldungsfälle, der noch im Vorjahr verzeichnet wurde, sinkt dagegen deutlich.

Noch bleibt die Tendenz bestehen, dass die Menschen im Osten Deutschlands eine höhere Überschuldungsquote aufweisen – 10,42 Prozent gegenüber 9,97 Prozent – doch der Westen holt kräftig auf. So drehen sich laut Creditreform die Überschuldungsspiralen im Westen schneller dreht als im Osten. So fällt die Zunahme der Überschuldungsfälle im Westen Deutschlands mit 62.000 neu verzeichneten Fällen deutlich stärker aus als im Osten; dort kamen 3.000 neue Überschuldungsfälle hinzu.

Das Ranking der Schuldnerquoten nach Bundesländern führt Bayern mit der niedrigsten Quote an, gefolgt von Baden-Württemberg. Die meisten Schuldner hat Bremen. Die Tabelle zeigt alle Werte der Länder.

Schuldenquoten nach Bundesländern:

  • Bayern: 7,47 Prozent
  • Baden-Württemberg: 8,31 Prozent
  • Thüringen: 9,25 Prozent
  • Sachsen: 9,97 Prozent
  • Hessen: 9,99 Prozent
  • Brandenburg: 10,02 Prozent
  • Rheinland-Pfalz: 10,09 Prozent
  • Niedersachsen: 10,32 Prozent
  • Mecklenburg-Vorpommern: 10,50 Prozent
  • Hamburg: 10,61 Prozent
  • Schleswig-Holstein: 10,94 Prozent
  • Saarland: 11,25 Prozent
  • Nordrhein-Westfalen: 11,63 Prozent
  • Berlin: 12,63 Prozent
  • Sachsen-Anhalt: 12,71 Prozent
  • Bremen: 13,97 Prozent

Überschuldung: Frauen und alte Menschen holen auf

Schaut man sich die Verteilung nach Geschlecht an, so zeigt sich eine vergleichsweise starke Zunahmen bei den überschuldeten Frauen. So nahmen die Zahl der Überschuldungsfälle von 2016 auf 2017 bei den Frauen (+ 39.000 Fälle) stärker zu als bei den Männern (+ 26.000 Fälle). Dennoch sind weiterhin mehr Männer überschuldet als Frauen. "In diesem Jahr können in Deutschland rund 7,61 Prozent der Frauen über 18 Jahre als überschuldet und zumindest nachhaltig zahlungsgestört gelten. Bei Männern sind dies aktuell 12,59 Prozent", meldet Creditreform.

Auch wenn die Deutschen in einem Alter zwischen 30 und 39 Jahren die Gruppe bilden, die am häufigsten überschuldet sind, zeigen sich die stärksten Veränderungen bei den Menschen ab 70 Jahren. So zeige vor allem das Thema "Altersüberschuldung" einen ansteigenden Trend. 2017 müssen rund 194.000 Menschen in Deutschland ab 70 Jahren als überschuldet eingestuft werden. Der Anstiegstrend sei im Mehrjahresvergleich von 2013 bis 2017 mit plus 76 Prozent überdurchschnittlich. dhz

Überschuldungsquoten nach Altersgruppen:

Unter 30 Jahre 14,06 Prozent
30 bis 39 Jahre 18,93 Prozent
40 bis 49 Jahre 12,88 Prozent
50 bis 59 Jahre 8,80 Prozent
60 bis 69 Jahre 5,48 Prozent
Ab 70 Jahre 1,50 Prozent
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