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IQB-Studie zeigt bedenklichen Trend Schüler und Lehrer überfordert

Schlechter in Rechtschreibung, schlechter im Rechnen, schlechter im Zuhören. Was Ausbilder seit Jahren beklagen, bestätigte das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). In fast allen Bundesländern sind die Leistungen der Viertklässler seit 2011 deutlich gesunken, zeigt der IQB-Bericht 2016.

Schlechter in Rechtschreibung, schlechter im Rechnen, schlechter im Zuhören. Was Ausbilder seit Jahren beklagen, bestätigte das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). In fast allen Bundesländern sind die Leistungen der Viertklässler seit 2011 deutlich gesunken, zeigt der IQB-Bericht 2016.

Besonders tief ist der Fall Baden-Württembergs. Im Vergleich der Bundesländer hat sich das einstige Musterländle in der Lesekompetenz seiner Viertklässler vom fünften auf den viertletzten Rang herabgewirtschaftet. Die Zahl der Schüler, die in Mathematik nicht mehr den Regelstandard erreichen, ist um zehn Prozentpunkte gestiegen.

"Arbeitsbedingungen an der Grundschule immer schwieriger"

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann, derzeit Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), gab zunächst den Lehrern die Schuld: Man habe in Baden-Württemberg kein Quantitätsproblem, sondern ein Qualitätsproblem. In Bayern unterrichteten weniger Lehrer mehr Schüler, trotzdem seien die Ergebnisse besser.

Die Lehrer im Ländle fühlen sich zu Unrecht abgewatscht. "Die Grundschule wurde hier lange Zeit vernachlässigt. Gleichzeitig hat man vieles getan, wodurch die Arbeitsbedingungen immer schwieriger wurden“, reagiert Michael Gomolzig, Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg und selbst Grundschulrektor.

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Das bezieht sich längst nicht nur auf die gestiegene Zahl der Mi­granten in den Klassen. Im Schnitt kamen 2016 bundesweit rund 34 Prozent der Viertklässler aus Zuwande­rerfamilien, informiert Ministerin Eisenmann; in Baden-Württemberg seien es 45 Prozent. Schon jetzt sind die Klassen also sehr heterogen, dabei sind in der aktuellen IQB-Studie noch kaum Flüchtlingskinder berücksichtigt.

Inklusion und Integration verlangen Mittel

Was den Unterricht zudem deutlich erschwert habe, ist laut Gomolzig die Inklusion. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) – vom körperbehinderten bis zum verhaltensauffälligen Kind – dürfen in Deutschland seit einigen Jahren eine allgemeine Schule besuchen, wenn sie das wollen. Baden-Württemberg führte die Inklusion zum Schuljahr 2015/16 ein, mit dem Plan, pro Klasse zwei Lehrer abzustellen. Wegen Lehrermangels und Sparmaßnahmen kämen die Sonderschullehrer tatsächlich aber nur stundenweise in die Regelklassen, erklärt Gomolzig. Die restliche Zeit unterrichte ein Lehrer allein und werde weder den leistungsstarken noch den förderbedürften Kindern gerecht.

An Berufsschulen sind die Klassen zudem durch Alter und schulische Vorbildung heterogen. Im Extremfall sitzt neben dem 15-jährigen Mittelschulabsolventen der 21-jährige Studienabbrecher. "Zudem wurden bei uns Notenhürden aufgehoben, wir haben Schüler, die es früher gar nicht geschafft hätten“, erklärt Thomas Speck, Sprecher des Berufsschullehrerverbands Baden-Württemberg (BLV), und zählt weitere Fehlentwicklungen auf: "Die Werkstattstunden sind gekürzt worden, ausgerechnet dort, wo die Schüler fachlich arbeiten können und Sprache einmal anders erleben; die Mittel für Lehrerfortbildungen sind extrem gekürzt worden und das Qualitätsmanagement wurde ersatzlos gestrichen.“

Bildung zu oft reformiert

Doch nicht nur Sparmaßnahmen haben die Unterrichtsqualität leiden lassen. Das Land baute seine Bildungspläne in den vergangenen 13 Jahren komplett um, führte die Gemeinschaftsschule ein. Jedes Kind sollte individuell gefördert werden. Anstatt konkreter Lernziele benannte das Kultusministerium fortan Kompetenzfelder, schon ab der ersten Klasse sollten die Kinder Fremdsprachen lernen und möglichst selbst bestimmen, was sie wann lernen wollten. "Das hört sich in der Theorie alles ganz schön an. Aber es überfordert die Kinder“, sagt Gomolzig.

Zu dieser Erkenntnis scheint auch das Kultusministerium des Landes gekommen zu sein. Ministerin Eisenmann kündigte neue Reformen an: Zurück zu mehr Mathematik, Deutsch und klaren Strukturen.

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