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Videomarketing für Handwerksbetriebe Schritt für Schritt zum guten Handwerker-Video

Produktvideos oder Messefilme sind ein nützliches und zeitgemäßes Mittel, um sich neuen Geschäftspartnern und Kunden zu präsentieren. Warum sich der Aufwand auch für Handwerksbetriebe lohnt und welche rechtlichen Fallstricke zu beachten sind.

Handwerker-Video
Kamera läuft: Ein eigenes Video für den Messestand, dass ist nicht teuer und kommt gut an. -

Der erste Werbespot wurde am 3. November 1956 im Bayrischen Rundfunkt ausgestrahlt. Seitdem hat sich viel im Bereich Video-Marketing getan. Filme und Werbespots gibt es längst online und die Gruppe der Internet-Zuschauer wird immer größer.

Nach einer Studie von PricewaterhouseCoopers wird der Erlös aus der Online-Video-Werbung bis 2017 um rund 23 Prozent pro Jahr steigen. Da sollten auch Handwerksbetriebe zuschlagen. Ein Leitfaden des eBusiness-Lotsen Ruhr erklärt, wie es geht.

Warum sich Video-Marketing für Handwerker lohnt

Ein gut produziertes Firmen-Video auf der Internetseite lockt mehr potenzielle Geschäftspartner und Kunde auf die Seite und das Unternehmen bleibt länger im Gedächtnis. Die finanziellen und technischen Voraussetzungen für ein professionelles Video sind heut deutlich niedriger, als noch vor ein paar Jahren. Ein Produktionsteam engagieren, oder mit der eigenen Kamera losziehen, beides ist möglich.

Einmal produziert, lässt sich der Film dann in verschiedenen Kontexten wiederverwerten: auf der Homepage, auf YouTube oder am eigenen Messestand. Über soziale Netzwerke erreicht es schnell eine hohe Zuschauerzahl.  Damit trägt das Video dazu bei, besondere Leistungen oder Marken zu etablieren und noch vor dem persönlichen Kontakt Kundenvertrauen aufzubauen.

Zielgruppe und Botschaft festlegen

Im Vorfeld einer Videoproduktion muss geklärt werden, welche Zielgruppe erreicht und welche Botschaft vermittelt werden soll.  Kunden, Geschäftspartner, Mitarbeiter oder Medienvertreter? Soll die Familiengeschichte der Betriebs erzählt, ein Produkt im praktischen Einsatz gezeigt, die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern erklärt oder eine Schulungsplattform für Mitarbeiter aufgebaut werden?

Welches Videoformat ist das richtige?

Egal auf welches Videoformat die Wahl fällt, generell gilt: nicht zu viel erzählen. Eine kurze abgeschlossene Geschichte bringt ihre Botschaft am besten rüber.

  • Unternehmensvideo: Es dient als Visitenkarte des Unternehmens und kann mit O-Tönen und einem Blick hinter die Kulissen untermauert werden.
  • Imagevideo: Es soll Sympathie und Interesse für das Unternehmen wecken und die Besonderheit einer Marke oder eines Produktes darstellen. Hier liegt der Fokus eher auf der Wirkung als auf der Information.
  • Produktvideo: Wie der Name schon sagt, wird hier ein Produkt vorgestellt. Es ist ein optimaler Verkaufshelfer für einen Online-Shop.
  • Messefilm: Er muss zum gesamten Messeauftritt passen und sollte möglichst ohne Ton auskommen.
  • Schulungsvideo: Dieses Video kann zum Beispiel bei der Einführung neuer Projekte gezeigt werden und sollte eine positive Grundstimmung verbreiten.

Tipps bei kleinem Budget

  • das Budget sollte von Anfang an festgelegt werden. Auch die Agentur muss zu Beginn über die finanziellen Mittel informiert werden.
  • nicht jeder Film braucht teure technische Effekte, besondere Drehorte oder Schauspieler. Luxus und Effizienz sollten gut abgewogen werden.
  • wer vergleicht, findet auch das günstigste Angebot. Im Vorfeld können unterschiedliche Agenturen befragt oder auch bei einem Kamerateam Alternativen mit weniger Drehtagen und mehr Eigenleistung eingeholt werden.
  • Filmmaterial aus dem Internet hilft Geld zu sparen. Plattformen wie footage.shutterstock.com, istockphoto.com/footage oder gettyimages.de/footages bieten eine große Auswahl an professionell hergestellten Videos. Diese können den eigenen Film aufwerten.

"Do it yourself"

Wer mehrere Videos plant und zu Beginn etwas mehr investiert, kann sich eine professionelle Kameraausrüstung anschaffen. Tutorials im Internet geben Tipps und verhelfen selbst dem Laien zu einem perfekten Video. Vorbilder für gelungene Produktfilme findet man auf YouTube und wie ein Drehtag aussieht, zeigt das Beispiel einer Baufirma aus Boppard.

Für das erste eigene Video sollte man sich eher kleine Ziele stecken. Denn: ein schlechtes Video schadet mehr, als dass es nutzt. Die Zuschauer klicken sofort weg. Ein kurzes Infovideo über ein neues Produkt ist leicht zu produzieren und ist ein erster Schritt auf dem Weg zum eigenen Imagefilm.

Mit Schnittprogrammen und Musik entsteht ein professionelles Video

Nach dem Dreh werden Bild und Ton zusammengeführt. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Spannung aufgebaut wird. Nur so schaut sich der Zuschauer das Video von vorne bis hinten an.  Für die technische Umsetzung gibt es eine Vielzahl an Schnittprogrammen (eine ausführlichere Liste ist im Leitfaden zu finden):

  1. Kostenpflichtige Programme: Nero Video 2014 für Windows, Adobe Premiere Elements 11 für Windows und Mac, Final Cut Pro X für Mac
  2. Kostenfreie Programme: Windows Live Movie Maker für Windows, Pinnacle Video Spin für Windows, Kdenlive für Linux und Mac
  3. Online Videobearbeitungsprogramme: File Lab Video Editor und Webvideo Editor

Zum Bild gehört auch ein guter Ton. Musik oder ein professioneller Sprecher werten den Film auf. Musik gibt es mittlerweile auch GEMA-frei im Internet auf den Webseiten von spezialisierten Produktionsfirmen. Wer andere Musik bezieht sollte sich über die GEMA-Gebühren informieren.

Ganz zum Schluss ist es wichtig, dem Video einen aussagekräftigen Titel zu geben. So wird es im Internet gefunden. Außerdem sollte das gesamte Videomaterial archiviert werden. So kann es auch für den zweiten und dritten Film verwendet werden.

Um den fertigen Film einem großen Publikum zugängig zu machen, sind nicht nur die eigene Webseite sondern auch Videoportale wie YouTube, Vimeo, Sevenload, Clipfish oder MyVideo geeignet. Der eigene YouTube-Kanal ist kostenlos. Es muss nur ein Account angelegt werden.

Rechtliche Aspekte beim Videomarketing

Eine Videoproduktion birgt viele rechtliche Fallstricke. Die wichtigsten Gesetze, die beachtet werden müssen sind das Urheberschutzgesetz, das Landesmediengesetz, das Bundesdatenschutzgesetz bzw. das Telekommunikationsgesetz.

Jede Person, die in dem Video zu sehen ist, ob absichtlich oder unabsichtlich, muss eine schriftliche Einverständniserklärung abgeben, dass das Video veröffentlicht werden darf. Auch der Dreh an öffentlichen Orten muss genehmigt werden. Hierzu zählen Einkaufszentren, Bürohäuser und Restaurants. Oft muss auch die Stadt oder Kommune informiert werden.

Beim Copyright muss nicht nur an die Musik gedacht werden. Auch Sehenswürdigkeiten, architektonische Gebäude, Marken oder Logos darf man nicht ohne Genehmigung im Video verwenden. Manchmal genügt ein "Copyright-Zeichen", manchmal muss man das Recht auch kaufen. jb

So kann ein Ablaufplan für ein Produktvideo aussehen

Intro: Logoanimation

Interview 1 : Der Moderator begrüßt die Zuschauer und erklärt, was in dem Video präsentiert wird.

Interview 2 : Der Moderator befragt den Geschäftsführer über das neue Produkt.

Produktionsstelle 1: Die Arbeit in der Werkstatt wird gezeigt, während der Geschäftsführer weiter erzählt.

Interview 3: Der Moderator befragt den Geschäftsführer zu Details des neuen Produkts.

Produktionsstelle 2: Ein Mitarbeiter wird bei der Anfertigung des neuen Produkts gezeigt.

Interview 4: Der Geschäftsführer erklärt die Vorteile des Produkts für den Kunden.

Interview 5: Danksagung und Verabschiedung durch den Moderator.

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