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Das wurde aus der Tchibo-Sonderaktion Schreinerei im Tiny-House-Boom

Tiny Houses sind nur wenige Quadratmeter groß, mobil und energieeffizient. Sie ersetzen für immer mehr Menschen das unflexible Eigenheim. Einziger Hemmschuh: der Stellplatz. Die Schreinerei Diekmann baute die Minihäuser einst auch für Tchibo. Aber nicht nur diese Sonderaktion hat für einen starken Aufschwung gesorgt. Darum ist und bleibt das Thema ein Wohntrend.

Es war im Sommer 2018 als der Kaffeeanbieter Tchibo für eine begrenzte Zeit zum Hausverkäufer wurde. Er bediente einen Trend, der bis heute noch ordentlich an Interesse zugelegt hat: Tiny Houses, Wohnen auf wenigen Quadratmetern in kleinen Häusern, die meist aus Holz gebaut sind und die als Basis ein fahrbares Untergestell haben. Tchibo bot die mobilen Minihäuser im Rahmen einer Sonderaktion in drei verschiedenen Modellen an. Gebaut hat sie die Schreinerei Diekmann aus Hamm, die unter der Marke "Tiny House Diekmann" mittlerweile zu den größten Anbietern mobiler Minihäuser in Deutschland zählt.

Tiny Houses: Anzahl der Anbieter verdoppelt

Die Schreinerei bietet ganz individuelle Tiny Houses an und baut sie so, wie der Kunde es möchte – also im Prinzip auch nach den Vorschlägen wie sie einst im Tchibo-Angebot standen. Die Modellpalette des Handwerksbetriebes hat sich seitdem aber deutlich erweitert. Seit einiger Zeit gehört auch ein vorgefertigtes Serienmodell zum Angebot, das bei den Kunden sehr gut ankommt. Die Vorteile: eine kürzere Bauzeit, da die meist sehr aufwendige Planungsphase wegfällt bzw. verkürzt werden kann, und damit auch ein niedrigerer Preis. Statt sechs bis acht Monate im Schnitt müssen die Minihaus-Interessenten dann nur vier bis fünf Monate auf ihr neues Eigenheim warten. Die Kosten gehen bei rund 60.000 Euro los.

Modell

Auch wenn die Tchibo-Aktion für die Schreinerei 2018 sehr passend kam und dem Tiny-House-Segment des Betriebs eine starke Presseberichterstattung brachte, ist sich Vera Lindenbauer sicher, dass der starke Aufschwung auch so gekommen wäre. "Das Interesse an den Minihäusern ist ja nicht nur bei uns sehr stark, sondern zeigt sich auch daran, dass sich die Zahl der Anbieter jetzt mit rund 30 etwa verdoppelt hat", berichtet die Schreinerei-Mitarbeiterin, die sich dort um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

Hemmschuh der Tiny Houses: Stellplatz finden

Der Boom wird ihrer Meinung nach auch anhalten – wenn nicht sogar noch stärker werden. Wohnraum ist teuer und der wohl bedeutendste Hemmschuh der Tiny-House-Bewegung ist das Finden eines passenden Stellplatzes. "Es gibt einige Initiativen, die seit einiger Zeit auf die Politik einwirken, um Vereinfachungen im Baurecht zu erreichen", sagt Lindenbauer. Wenn sich hier etwas tut, dürfte die Nachfrage sicher noch einmal deutlich zulegen.

Das Problem in Deutschland liegt darin, dass – anders als in den USA, dem Ursprung der Tiny-House-Bewegung – sich nicht jeder mit einem Tiny-House auf einen beliebigen Platz stellen darf. Wer hierzulande dauerhaft in einem Tiny House wohnen möchte – egal, ob es einen fahrbaren Untersatz hat oder nicht – darf dies nur auf einem erschlossenen Grundstück mit Anschluss an das öffentliche Versorgungsnetz. Das Tiny House unterliegt dann zudem der jeweiligen Landesbauordnung. Bislang werden die Minihäuser kaum anders behandelt als andere Immobilien.

Bis zu zehn Tiny Houses gleichzeitig in Arbeit

Dennoch ist das Thema für immer mehr Menschen aktuell und die Schreinerei Diekmann kann sich vor Anfragen kaum retten. Tiny Houses machen mittlerweile fast 90 Prozent des Gesamtgeschäfts aus. "Zu Zeiten der Tchibo-Aktion haben wir an drei bis vier Häusern gleichzeitig gearbeitet, heute sind es neun bis zehn", so Vera Lindenbauer. Die Schreinerei hat in den vergangenen Monaten ihre Mitarbeiterzahl deutlich aufgestockt.

Was ist ein Tiny House?

Die Schreinerei Diekmann zeigt in eigenen Firmenvideos, was Tiny Houses sind und wie sie aussehen.

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