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Reaktion auf Studie Scholz: Mehr Geld für Praktikanten

Nach Geringverdienern und Rentnern weitet Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) seine Aktivitäten nun auf die "Generation Praktikum" aus. Mit geringfügigen Gesetzesänderungen will der Minister die Situation der Praktikanten verbessern, die eine abgeschlossene Ausbildung haben.

Im Mittelpunkt steht dabei die Vergütung der Berufseinsteiger. Scholz kritisierte am Dienstag, viele der freiwilligen Praktika von Berufseinsteigern seien unbezahlt. "Da ist ein Problem", betonte er. Regelungen im Berufsbildungsgesetz, die eine angemessene Vergütung vorschrieben, blieben von den Arbeitgebern oft aus Unkenntnis unbeachtet.

Berufseinstieg gelingt nur auf Umwegen

Der Minister verwies auf eine neue Studie, die das Internationale Institut für Empirische Sozialökonomie (inifes), im Auftrag seines Hauses erstellte. Danach gelingt jungen Menschen nach der Ausbildung der Berufseinstieg oft nur auf Umwegen. 43 Prozent der Befragten zwischen 18 und 34 Jahren kommen erst über ein oder mehrere Praktika und befristeten Stellen in ein unbefristetes Vollzeitarbeitsverhältnis. Jeder Fünfte hat mindestens ein Praktikum absolviert.

Von allen freiwilligen Erstpraktika nach Abschluss der Berufsausbildung waren etwa die Hälfte (51 Prozent) laut Erhebung unbezahlt. Gefragt zur Arbeitssituation gaben mehr als 80 Prozent der Praktikanten an, mindestens die Hälfte der Zeit als normale Arbeitskraft eingesetzt worden zu sein. Von allen qualifizierten Praktikanten wurden lediglich 22 Prozent von dem selben Arbeitgeber übernommen; 13 Prozent fanden nahtlos eine Anschlusstätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber. Am häufigsten werden Praktika den Angaben nach von Schulabgängern (31 Prozent) absolviert.

Praktikanten sollen schriftliche Verträge bekommen

Der Arbeitsminister plant nun im Paragraphen 612 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) "klarzustellen", dass ein Praktikum angemessen bezahlt werden muss. Ein Praktikant, der regulär als Arbeitnehmer eingesetzt wird, solle derweil eine entsprechend höhere Vergütung erhalten. Der Minister erwägt ferner, schriftliche Verträge auch bei Praktika vorzuschreiben, damit die Aufgaben der Praktikanten von Anfang an geklärt seien. Vergütungstabellen oder Ähnliches solle es aber nicht geben.

Scholz hob zugleich hervor, dass Praktika zur Vermittlung beruflicher Kenntnisse sinnvoll seien. Sie erfüllten beim Berufseinstieg eine Brückenfunktion, wenn auch nicht unmittelbar. Sein Haus werde nun an den konkreten Vorschlägen arbeiten und diese mit Bundesregierung und den Koalitionsfraktionen diskutieren, kündigte er an. Er gehe von "gemeinsamen Anstrengungen" in der Koalition aus.

SPD-Vize Andrea Nahles begrüßte das Vorhaben: "Wir müssen Praktikanten besser schützen, indem wir ihnen den Nachweis von Ausbeutung erleichtern", forderte die Arbeitsexpertin. Derzeit gelinge dies nur wenigen, wenn sie etwa ihre Tätigkeiten in einem Betrieb protokollierten.

Linke-Bildungsexpertin Nele Hirsch sagte, an einer gesetzlichen Regelung gegen den Missbrauch von Praktika führe kein Weg vorbei. Die Studie zeige, dass es sich bei der Ausbeutung von Praktikanten um "kein vermeintliches Luxus-Problem" handele.

ddp

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