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Finanzierung: Finetrading Schnelles Geld für Materialeinkauf

Finetrading hilft dem Handwerk, liquide zu bleiben. Mit dieser Finanzierungsart entgeht den Betrieben kein Schnäppchen mehr.

Nutzholzlager, Holz
Wer schnell Nachschub im Warenlager braucht, kann mit Finetrading gute Angebot nutzen. -

Wer innerhalb weniger Wochen Material fürs ganze Jahr kauft, gelangt schnell an die Grenzen der Liquidität. Aber Schnäppchenangebote, Restposten oder Saisonware sind eben nur kurz zum guten Preis zu haben. Wer schnell zugreift und bei Sofortzahlung auch noch Skonto bekommt, kann richtig sparen. Leider sind Banken oft zu behäbig, um den schnellen Materialeinkauf zeitnah zu finanzieren. Die Alternative bietet Finetrading, eine Schwester von Leasing und Factoring.

Große Abnehmer nutzen lange Zahlungsziele

Ein Holzverarbeiter im Schwarzwald praktiziert diese Finanzierungsform seit einigen Jahren. Der Betrieb hat 150 Kunden, darunter die große Möbelkette IKEA und verschiedene Baumarktniederlassungen, die kaufen hier Rahmen, Latten und Profilleisten. Aber auch Kindermöbelhersteller, Spielzeugfabrikanten und die Lebensmittelindustrie gehören zu den Käufern.

"Gerade die großen Abnehmer räumen sich lange Zahlungsziele ein. Sie haben den Marktdruck und nutzen das aus", sagt der 60-jährige Inhaber. Während der gelernte Schreinermeister also schon bezahlt, wenn die Baumstämme noch im Wald liegen, haben seine Kunden mit Konzernstruktur nach Eingang der bearbeiteten Teile noch 90 oder 120 Tage Zeit, bis das Geld auf dem Konto des Handwerkers eintrifft.

Entsprechend hoch ist der Kapitalbedarf des studierten Holztechnikers und seiner 15 Mitarbeiter. "Zwischen Investition und Return on Invest klafft eine Lücke von mehreren Wochen", erläutert der Unternehmer, der seinen Maschinenpark stets auf dem neusten Stand halten will.

Deshalb arbeitet der Holzbetrieb seit vier Jahren mit der Handelskontor AG zusammen. Bei dem Bad Friedrichshaller Finetrader hat der Betrieb wie alle Kunden eine Warenkreditlinie zwischen 50.000 und 300.000 Euro und Zahlungsziele von 90 Tagen. "Finetrading nutze ich vor allem im Winter. In dieser Saison nehme ich Material auf Lager und der Dispo-Kredit bei der Bank ist bereits ausgereizt", sagt der Geschäftsmann, der meist Lärche, Douglasie und Eiche aus Deutschland verarbeitet.

Ab und an kauft er auch Holz aus Osteuropa ein. Die Linie beim Fine­trader, die er gerne erhöhen würde, nimmt er auch in Anspruch, um bei Restposten zugreifen zu können, wo der Preisnachlass bis zu 35 Prozent ausmacht – für Barzahler.

Schnelle Bezahlung durch den Zwischenhändler

Kauft der Holzverarbeiter neue Rohware ein, fungiert Handelskontor als ein Zwischenhändler. Das heißt, der Holzkäufer ordert Ware und bekommt diese direkt geliefert. Ist das Holz bei ihm eingetroffen und geprüft, zahlt Handelskontor die Rechnung – sofort und auf einen Schlag. Mit dieser Methode ergeben sich Preisnachlässe oder Skontos. "Viele unserer Kunden nutzen die rasche Bezahlung durch uns, um den Preis beim Lieferanten herunterzuhandeln. Weil wir die Rechnung zuverlässig und schnell begleichen, haben beide Parteien Vorteile", erläutert Ulrich Oberste-Schemmann vom Handelskontor das Prinzip des Finetradings.

Zu seinen Kunden gehören inhabergeführte Mittelständler quer durch alle Branchen. Der Ex-Banker mit Firmensitz nahe Heilbronn finanziert betriebswirtschaftliches Umlaufvermögen wie Waren und Rohstoffe bis zu 120 Tage vor.

Mit den Kosten für diese Zwischenfinanzierung scheinen seine Kunden zufrieden zu sein: "Wenn wir sofort zahlen, ergeben sich Preisnachlässe zwischen fünf und 35 Prozent, je nach Vertrag", erläutert der Seniorchef. Die Kosten für den Zwischenhändler belaufen sich auf etwa drei Prozent im ersten Monat. Bei einem Umsatz von knapp drei Millionen Euro pro Jahr entfällt beim Schwarzwälder Holzfachmann rund ein Drittel auf den Einkauf.

Für bessere Konditionen bei der Beschaffung

"Geeignet ist unser Konzept vor allem, um in der Beschaffung bessere Einkaufskonditionen zu erzielen und schnelleres Wachstum zu finanzieren", betont Oberste-Schemmann. Maroden oder in Sanierung befindlichen Firmen rät er schon beim Vorgespräch von seiner Dienstleistung ab. Denn er will sich nicht als Geldgeber für Firmen verstanden wissen, die bei der Bank nichts mehr bekommen. Oberste-Schemmann: "Wir bieten eine Ergänzung zu den Leistungen der Geldinstitute, wir können und wollen sie nicht ersetzen."

Bringen Geldfluss: Factoring, Finetrading und Leasing

Beim Factoring werden die eigenen Forderungen an Factoring-Gesellschaften verkauft – also sofort zu Geld gemacht. Ein anderer zahlt die Rechnung, bis der Kunde sein langes Zahlungsziel ausgereizt hat. Rund 80 bis 90 Prozent der Forderungssumme zahlen die Anbieter innerhalb weniger Tage aus. Der Rest folgt, wenn der Schuldner die Rechnung beglichen hat.

Die Zwischenfinanzierung von Waren heißt Finetrading. Hier kauft und besitzt der Finetrader Waren für eine „virtuelle Sekunde“ und verkauft sie direkt an den Kunden weiter. Der Anbieter bezahlt den Lieferanten aber sofort und streicht dafür das Skonto ein.

Leasing: Um große Anschaffungskosten auf Monate oder Jahre hin zu verteilen und damit eventuell liquider zu bleiben, werden neben Autos auch Maschinen, Computer und Software geleast. Dabei überlässt der Inhaber die Sache gegen Gebühr.

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