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Deutscher Sparkassen- und Giroverband Sparkassen-Präsident fordert mehr Tempo bei staatlichen Hilfen

Nach Auffassung des Sparkassenverbandes fließen die Konjunkturhilfen zu langsam. Im vergangenen Jahr haben die Institute selbst 106 Milliarden Euro neue Kredite für Unternehmen und Selbstständige zugesagt. Als Belastung aber auch als Vertrauensbeweis wertet Schleweis den Rekordwert an Einlagen.

Helmut Schleweis mahnt deutlich mehr Tempo bei staatlichen Überbrückungshilfen an. Die deutschen Programme seien in Volumen und Ausgestaltung zwar weltweit einzigartig. Die Komplexität und die deutsche Bürokratie seien es aber auch, monierte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes am Mittwoch auf der Bilanzpresskonferenz. "Echte Hilfe kommt da im Schneckentempo", so Schleweis. Noch immer hätten viele Firmenkunden nicht einmal die Vorschüsse auf die November- und Dezemberhilfen gesehen.

Die Sparkassen seien hier im vergangenen Jahr vielfach eingesprungen, um den Unternehmen Liquidität zu sichern. Demnach hätten die Institute im vergangenen Jahr Unternehmen und Selbstständigen neue Kredite in Höhe von 106,4 Milliarden Euro zugesagt. Das sind 13,1 Milliarden Euro (14,1 Prozent) mehr als im Jahr davor. KfW-Förderkredite wurden in Höhe von rund acht Milliarden Euro zugesagt. Inklusive der KfW-Schnellkredite, die nicht in der Bilanz der Institute auftauchen, sind es gut 14 Milliarden Euro. Diesen liegen 46.400 bewilligte Anträge von Sparkassenkunden zugrunde.

Schleweis lobte die umfangreiche Beratungsleistung der Firmenkundenberater vor Ort. Vor einem Jahr habe es einen Ansturm auf die Hausbanken gegeben. In den ersten zehn Wochen der Pandemie hätten die Mitarbeiter in den Sparkassen mehr als 1,4 Millionen Beratungsgespräche geführt. Ohne die dezentrale Bankenstruktur habe die KfW nicht ihre Rolle als Förderbank mit der Umsetzung der Hilfsprogramme von Bund und Ländern wahrnehmen können. Denn es brauche die Kreditinstitute vor Ort, die den Förderinstituten bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit und der Geschäftsaussichten die Arbeit abnehme.

Abgelehnte Kredite: Schleweis wehrt sich gegen Kritik

Dass die Hausbanken bei der Vergabe der Kredite teilweise zu strenge Kriterien angelegt hätten, bestritt Schleweis. Nachdem es im Nachgang zum ersten Lockdown schon Beschwerden zur Kreditvergabe gegeben hatte, habe er sich 15 abgelehnte Fälle etwas genauer angeschaut. Das sei zwar keine valide Statistik, aber unter diesen Fällen sei nicht ein einziger, den er nicht habe nachvollziehen können. Dass das die jeweiligen Unternehmen anders sehen, sei natürlich nachzuvollziehen.

Schleweis bekräftigte, dass die Sparkassen zu ihren Kunden stünden und dass alles finanziert werde, was finanzierbar sei. Der DSGV-Präsident hob nochmals hervor, dass die außerordentlichen Wirtschaftshilfen der Regierung wie etwa die Novemberhilfe für die Unternehmen konzipiert waren, die eben nicht kreditwürdig waren. Insofern sei es sehr bedauerlich, dass diese Hilfen nicht ankämen und die Not der Betriebe nur noch weiter verschärften.

Verband erwartet weitere Verschlecherung für einzelne Branchen

Für einzelne Branchen, etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie bei Solo-Selbstständigen, beispielsweise im Kulturbusiness, erwartet Schleweis eine weitere Verschlechterung der Situation. Deren wirtschaftliche Substanz leide inzwischen deutlich. Für 2021 und 2022 seien erhöhte Insolvenzzahlen und damit zusätzliche Kreditausfälle zu erwarten. Beim Umgang mit der Pandemie mahnte Schleweis zwei Punkte an: Zum einen müssten die Lockerungen stärker an den jeweiligen Beitrag eines Wirtschaftssektors am Infektionsgeschehen gekoppelt sein. Das Infektionsrisiko etwa im Einzelhandel sei niedrig. Zum anderen müsse man den verantwortungsvollen Umgang mit dem Virus lernen. Schließlich werde das Virus uns noch sehr lange begleiten. Da die Unterstützung in der Wirtschaft und bei der Bevölkerung jedoch bröckele, brauche es eine Weiterentwicklung der Strategie.

Hohe Einlagen machen Sparkassen zu schaffen

Nach Alternativen suchen die Sparkassen auch im Einlagengeschäft. Als Belastung und gleichzeitig großen Vertrauensbeweis wertete Schleweis die Höhe der Einlagen, die die Kunden ihren Sparkassen im vergangenen Jahr anvertrauten. 79,1 Milliarden Euro und damit 7,9 Prozent mehr haben die Kunden 2020 bei Sparkassen verwahrt: ein neuer Rekordwert. "Diese heftige liebevolle Umarmung", so Schleweis, nehme den Instituten betriebswirtschaftlich die Luft zum Atmen. Zusätzliche Einlagen brächten den Sparkassen keinen Zinskonditionenbeitrag mehr, sondern kosteten real Geld. Bereits seit Jahren befinde man sich in einem Negativzinsumfeld.

Durch den Ankauf von sicheren Anlagen lasse die Europäische Zentralbank (EZB) den Instituten kaum mehr Möglichkeiten, die Einlagenvolumina rentierlich anzulegen. Zu Verwahr- und Abwicklungskosten kämen Bankenabgaben und regulatorisch erhöhte Sicherungsmittel. Deshalb komme es zu Kündigungen hoch verzinster Einlagen im Sparbereich und zu Verwahrentgelten – wahlweise auch Negativzinsen genannt – bei Sicht- und Termingeldern. Alternativen finde man, so Schleweis, fast ausschließlich in Sachwerten, also vor allem Immobilien und an den Kapitalmärkten.

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