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IHM: Treffpunkt für Besucher und Politik Schaufenster des Handwerks

Rund 1.000 Aussteller präsentieren auf der Internationalen Handwerksmesse 2014 Innovationen und neue Ideen. Zudem ist die Messe ein politischer Treffpunkt. Dabei rücken auch die ersten drei Monate der Großen Koalition in den Fokus.

Dr. Lothar Semper
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Die 66. Internationale Handwerksmesse startet an diesem Mittwoch. Hoffentlich nutzen möglichst viele unserer Leser die Gelegenheit zu einem Besuch. Sie können versichert sein: Es lohnt sich! Rund 1.000 Aussteller präsentieren ihre vielfältigen Leistungen, neue Ideen und Innovationen aus dem Handwerk und für das Handwerk in München.

Die Chancen, dass die Aussteller auch gute Geschäfte machen, stehen derzeit so gut wie schon lange nicht mehr. Nach einer Prognose der Gesellschaft für Kon­sumforschung dürfte das Konsumklima im Monat März einen so hohen Stand erreichen wie zuletzt im Januar 2007. Die Deutschen greifen nicht nur tiefer in die Tasche, sondern sie neigen auch zu größeren Anschaffungen.

Dafür finden sie auf der Leitmesse des Handwerks eine große Auswahl – vom Hausbau bis zur energetischen Gebäudesanierung, vom Innenausbau bis zu stilvollem Design. Die Messebilanz nach den sieben Ausstellungstagen wird auch Barometer für die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks 2014 sein. Die Konjunkturampeln stehen klar auf Grün, sowohl für das Handwerk wie auch die Gesamtwirtschaft. Es ist zu hoffen, dass die aktuelle Entwicklung um die Ukraine darauf keine Schatten wirft.

Europapolitik im Blick

Alljährlich ist die Handwerksmesse der Ort für politische Treffen – von der Eröffnungsveranstaltung bis zum Treffen der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft mit der Bundeskanzlerin. Die Europapolitik steht diesmal ganz besonders im Vordergrund; schließlich wird Ende Mai das Europäische Parlament neu gewählt. Rund um die Messe treffen sich die Mittelstandsbeauftragten der EU-Mitgliedsstaaten. Sie haben Gelegenheit, sich vom Leistungsstand sowie von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung des deutschen Handwerks zu überzeugen. Diese Eindrücke sollten auch Botschaften für Brüssel und die einzelnen Staaten sein.

Zwei Botschaften sind dabei besonders wichtig. Erstens: Das Handwerk steht für eine qualitativ hochwertige Berufsausbildung auf der Basis des
dualen Systems, also des engen Miteinanders von Betrieb und Berufsschule. Der Erfolg zeigt sich darin, dass Deutschland innerhalb der EU die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aufweist. Zweitens: Die hohe Ausbildungsbereitschaft des Handwerks gewährleisten unsere Handwerksmeister. Den Meistertitel als Existenzgründungshemmnis an den Pranger zu stellen – wie man es in Brüssel immer wieder tut – , zeugt deshalb von kurzfristigem und nicht sachgerechtem Denken. Neben dem hohen Ausbildungsengagement stehen die Meister auch für Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit.

Handwerk hat Anlass zur Kritik

Die politischen Treffen der Messe geben auch Gelegenheit, die ersten drei Monate der Großen Koalition einer kritischen Bilanz zu unterziehen. Aus der Sicht des Handwerks fällt diese nicht allzu positiv aus. Für die großen Themen und Herausforderungen fehlen nach wie vor überzeugende Konzepte und Antworten. Besonders augenfällig ist dies bei der Energiepolitik: Niemand kann derzeit verlässlich sagen, wie nach dem Atomausstieg die Energieversorgung dauerhaft, verlässlich und bezahlbar sichergestellt werden kann.

Besonders bedauerlich ist dabei zudem, dass sich die Bundesregierung dem Erfolgsrezept für Energie-Einsparung – der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung – verweigert. Jeder weiß, dass Deutschland vor einem umwälzenden demografischen Wandel steht. Die Möglichkeit der abschlagsfreien „Rente mit 63“ ist darauf gewiss die falsche Antwort. Viel Diskussionsstoff also für die politischen Treffen in München.

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