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Verhaltensknigge Schätzungsbescheid: So reduzieren Sie Zahlungen ans Finanzamt

Bekommt ein Handwerker einen Steuerbescheid vom Finanzamt, obwohl er für das betreffende Jahr noch gar keine Steuererklärung eingereicht hat, handelt es sich um einen Schätzungsbescheid. Neben einer viel zu hohen Steuerforderung enthält ein Schätzungsbescheid meist auch einen Verspätungszuschlag und Nachzahlungszinsen. Hier ein Verhaltensknigge für Handwerker, wie sie sich bei Erhalt eines solchen Schätzungsbescheids verhalten sollten, um möglichst viele Nachteile zu vermeiden.

Schätzungsbescheid
Wer einen Schätzungsbescheid erhält, sollte schnellstens die Steuerklärung für das betreffende Jahr einreichen. -

Das Finanzamt schickt einen Schätzungsbescheid, wenn ein selbständiger Handwerker trotz mehrmaliger Aufforderungen keine Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht hat. Typisch sind für einen Schätzungsbescheid: Steuernachzahlungen und die Festsetzung eines Verspätungszuschlags. Um den finanziellen Schaden aus solchen Schätzungsbescheiden so gut es geht einzudämmen, empfiehlt sich für Handwerker folgende Vorgehensweise:

  1. Gegen den Schätzungsbescheid ist ein Einspruch einzulegen. Begründen Sie diesen Einspruch damit, dass die geschätzten Steuernachzahlungen viel zu hoch sind und nichts mit der Realität zu tun haben.
  2. Da der Einspruch nichts an der Zahlungsverpflichtung ändert, sollte umgehend die Steuererklärung für das betreffende Jahr beim Finanzamt eingereicht werden.
  3. Am besten wäre es, wenn die Erklärung dem Einspruch als Begründung beigefügt wäre.
  4. Ist die tatsächliche Steuernachzahlung gemäß Erklärung niedriger als im Schätzungsbescheid, sollte zudem ein Einspruch gegen die Festsetzung des Verspätungszuschlags eingelegt und ein Antrag auf Erlass oder zumindest auf Minderung dieser Strafe gestellt werden.
  5. Wird dem Einspruch gegen den Schätzungsbescheid die Steuererklärung beigefügt und die Steuer fällt niedriger aus als im Schätzungsbescheid, können Handwerker für die strittigen Steuern eine Aussetzung der Vollziehung beantragen. Dann muss die zu viel festgesetzte Steuer bis zum Erhalt des neuen Steuerbescheids nicht bezahlt werden.

Tipp: Ist die Schätzung extrem überzogen, sollte ein Antrag auf Aufhebung der Schätzung wegen Nichtigkeit gestellt werden. Das wäre der Fall, wenn die Schätzung sich in keinster Weise an den realen Tatsachen orientiert.

Beispiel: Im Umsatzsteuervoranmeldungsverfahren haben Sie 80.000 Euro Umsätze angemeldet. Das Finanzamt nimmt bei seiner Schätzung einen Umsatz von 200.000 Euro an. Dieser Schätzungsbescheid ist ermessensfehlerhaft und muss aufgehoben werden.

Weitere Steuerregeln zum Schätzungsbescheid

Das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen hat in einer Verfügung zahlreiche wichtige Infos rund um das Thema "Schätzungsbescheid" zusammengefasst, die Sie als selbständiger Handwerker unbedingt kennen sollten.

Erinnerung kein Muss für Schätzung

Wann das Finanzamt einen Schätzungsbescheid erlässt, entscheidet der Sachbearbeiter im Finanzamt selbst. Er muss nicht extra darauf hinweisen, dass nach der Mahnung zur Abgabe einer Steuererklärung ein Schätzungsbescheid droht. Wer notorisch zu spät abgibt, muss bereits nach der ersten Aufforderung mit einem Schätzungsbescheid rechnen.

Schätzung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung

Der Schätzungsbescheid hat in der Betreffzeile meist den Zusatz "Dieser Bescheid ergeht nach § 164 AO unter dem Vorbehalt der Nachprüfung". Das ermöglicht es Steuerzahlern, gegen die sich der Schätzungsbescheid richtet, auch noch nach Ablauf der Einspruchsfrist eine eigene Steuererklärung einreichen und die hohen geschätzten Steuerzahlungen mindern zu können.

Einleitung eines Steuerstrafverfahrens Steuerhinterziehung

Reagiert ein Steuerzahler auf den Schätzungsbescheid nur mit der Zahlung der geschätzten Steuerschuld und gibt keine Steuererklärung ab, geht das Finanzamt von einer Steuerhinterziehung aus und schaltet die Bußgeld- und Strafsachenstelle ein. Insgeheim wird hier unterstellt, dass die tatsächliche Steuerbelastung noch über der geschätzten Steuer liegt.

Weiß das Finanzamt eigentlich etwas von einer Steuerberatung?

Oftmals mahnt das Finanzamt einen Unternehmer zu Unrecht zur Abgabe einer Steuererklärung und schickt einen Schätzungsbescheid, wenn der Unternehmer auf die Mahnungen nicht reagiert. Die Rede ist von Unternehmern, die Ihre Steuererklärung von einem Steuerberater erstellen lassen. Bei ihnen erwartet das Finanzamt die Steuererklärungen nicht bereits zum 3. Mai des Folgejahrs, sondern erst zum Ablauf des Folgejahrs.

Praxis-Tipp: Wenn Sie Ihre Steuererklärung 2016 erstmals von einem Steuerberater erstellen lassen, sollten Sie das Finanzamt schriftlich darüber informieren. Denn dann sind Mahnungen und Schätzungsbescheide bis zum 31. Dezember 2017 erst einmal tabu. Informieren Sie das Finanzamt nicht und beantragen auch keine individuelle Fristverlängerung, sind Mahnungen und Schätzungsbescheide meist nicht zu verhindern. dhz

Dieser Beitrag wurde am 14. August 2017 aktualisiert.

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